Wirtschaft

Fosun bietet für deutsche Mode Chinesen greifen nach Tom Tailor

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Top-Model Toni Garrn mit eigener Modelinie bei Tom Tailor: Ein Großaktionär aus China will das Hamburger Unternehmen übernehmen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Wie geht es bei Tom Tailor weiter? Der stärkste Anteilseigner des Hamburger Unternehmens kommt aus China und will die Modekette nun komplett übernehmen. Den verbleibenden Aktionären bietet Fosun mindestens zwei Euro und 26 Cent je Tom-Tailor-Aktie.

Die deutsche Bekleidungskette Tom Tailor soll komplett chinesisch werden. Der Großaktionär Fosun aus China will das Hamburger Unternehmen zu einer Bewertung von rund 96 Millionen Euro übernehmen.

Tom Tailor
Tom Tailor 2,20

Den Tom-Tailor-Aktionären werden mindestens 2,26 Euro je Aktie geboten, teilte das Unternehmen am frühen Morgen mit. Die Offerte von Fosun liegt damit knapp fünf Prozent über dem Xetra-Schlusskurs des Vorabends. Zu Wochenbeginn waren die Aktien von Tom Tailor mit einem Minus von 1,8 Prozent bei 2,16 Euro aus dem Handel gegangen.

Kurz vor der Ankündigung einer Übernahmeofferte hatte Tom Tailor bereits bekannt gegeben, dass Fosun seinen Anteil über die Ausgabe neuer Aktien von knapp 29 Prozent auf gut 35 Prozent erhöht hatte. Dafür mussten die Chinesen knapp neun Millionen Euro auf den Tisch legen. Sollten alle Aktionäre ihre Anteile im Rahmen der Übernahmeofferte anbieten, müsste Fosun zusätzlich etwas mehr als 60 Millionen Euro zahlen.

Aktienkurs auf Talfahrt

Tom Tailor kämpfte zuletzt mit einer Reihe von Problemen und steckte vor allem wegen der Marke Bonita tief in den roten Zahlen. Fosun ist seit 2014 an Tom Tailor beteiligt. Bei dem Investor handelt es sich um ein Industrie- und Handelskonglomerat in Privatbesitz mit Zentrale in Hongkong. Das Unternehmen hat in Europa schon mehrfach in die Textilbranche investiert und zum Beispiel im vergangenen Jahr die Mehrheit an dem österreichischen Textilhersteller Wolford übernommen.

Für viele Aktionäre von Tom Tailor dürfte das Übernahmeangebot von Fosun einen bitteren Beigeschmack haben. In den zurückliegenden Monaten hatten die Anteilsscheine erheblich an Wert verloren. Vor gut einem Jahr wurden die Tom-Tailor-Aktien noch mit knapp unter 12,00 Euro gehandelt.

Tom Tailor kämpfte zuletzt mit einer Reihe von Problemen, darunter auch mit strukturellen Herausforderungen, die die gesamte Branche betreffen. Das Unternehmen ist in einem Marktsegment aktiv, das von Überangebot und hartem Konkurrenzdruck geprägt ist. In den vergangenen Jahren sind etliche Modeunternehmen und Filialisten in die Krise oder sogar in die Insolvenz geraten, darunter Namen wie Gerry Weber, Esprit, Escada, Strenesse, Zero und Steilmann. Auch beim Schwergewicht H&M läuft es Branchenkennern zufolge nicht mehr so gut, nur der spanische Textilriese Zara behauptet sich in der Krise sowie Billig-Anbieter wie Primark.

Das Problem der "vollen Schränke"

Der Super-Sommer 2018 wirkte sich negativ auf die Geschäfte der Modeketten aus. Viele Verbraucher verspürten in der heißen Jahrszeit nur wenig Lust auf Shopping. Und als die Herbst- und Winterware kam, blieb sie bei hohen Temperaturen erst mal in den Läden hängen.

Dabei spielt nach Ansicht von Branchenanalysten auch eine gewisse Marktsättigung eine Rolle. Bei vielen Verbrauchern seien "die Schränke voll", heißt es. Und speziell die Modemarken im mittleren Preissegment, wo sich Tom Tailor und viele andere Anbieter tummeln, tun sich mitunter schwer, ein eigenständiges Profil zu entwickeln und sich klar von der Konkurrenz abzugrenzen.

Tom Tailor hatte zudem noch ganz eigene Probleme, als 2016 der langjährige Vorstandschef Dieter Holzer gehen musste. Er hatte mit einer überzogenen Expansion auf Pump das Unternehmen an den Rand der Verlustzone geführt. Die Nachfolger unter dem heutigen Vorstandschef Heiko Schäfer strichen das Filialnetz kräftig zusammen, modernisierten die IT und verstärkten ihre Online-Aktivitäten, wo Tom Tailor zuvor deutlich zurücklag.

Trotz einiger Erfolge bei der Kernmarke hing Tom Tailor vor allem die Marke Bonita, die das Unternehmen 2012 übernommen hatte, wie ein Mühlstein am Hals. Es handele sich eigentlich um zwei verschiedene Unternehmen ohne viele Überschneidungen und daher auch ohne große Synergieeffekte, sagte Schäfer einmal bei einer Veranstaltung.

Bonita, spezialisiert auf Mode für Frauen ab 50, verliert fortlaufend Umsatz und überdeckt damit Sanierungserfolge von Tom Tailor. Das Management hat angekündigt, alle Optionen für Bonita zu prüfen. Experten zufolge heißt das nichts anderes, als dass die Marke zum Verkauf steht.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa