Wirtschaft
In sogenannte Freilager von Amazon in der EU können die Chinesen zollfrei liefern.
In sogenannte Freilager von Amazon in der EU können die Chinesen zollfrei liefern.(Foto: dpa)
Freitag, 05. Januar 2018

Steuerbetrug in Milliardenhöhe: Chinesische Amazon-Anbieter gesperrt

Tausende chinesische Anbieter lassen von Amazon in Deutschland Waren im Wert von Milliarden Euro verkaufen. Beim zuständigen Finanzamt haben sich die meisten von ihnen nie gemeldet. Nun greifen die Behörden durch.

Kurz vor Jahresende machen die Steuerbeamten ernst: Wegen des Verdachts auf Umsatzsteuerbetrugs beschlagnahmen sie Lagerbestände und Guthaben von rund 100 chinesischen Onlinehändlern, die über Amazon Waren in Deutschland verkaufen. Wie zuerst der Branchenkenner und Blogger Mark Steir berichtet, teilt Amazon den Händlern am 28. Dezember mit, dass ihre Accounts gesperrt seien und die deutschen Behörden ihre Bestände in hiesigen Amazon-Lagern sowie Guthaben sichergestellt habe. Es soll sich hauptsächlich um größere Verkäufer mit Lagerbeständen im Wert von Millionen Euro handeln.

Dass Händler vor allem aus China in Deutschland über den Amazon Marketplace Elektronik- und andere Artikel verkaufen, ohne Umsatzsteuer abzuführen, ist seit Jahren bekannt. Schätzungen zufolge entgehen dem Fiskus dadurch Einnahmen von bis zu einer Milliarde Euro jährlich. Zudem beklagen sich deutsche Einzelhändler über massive Schäden, denn durch den Steuerbetrug können die außereuropäischen Konkurrenten leicht unterbieten.

Das Ausmaß wird deutlich, wenn man die Zahl der chinesischen Händler vergleicht, die beim deutschen Amazon Marketplace Waren anbieten, mit derjenigen vergleicht, die beim zuständigen Finanzamt in Berlin Neukölln registriert sind: Nur 432 der bis 6000 aktiven Anbieter aus der Volksrepublik und Hongkong haben Berichten zufolge dort Umsatzsteuernummern beantragt.

Finanzminister wollen Amazon haftbar machen

Amazon bietet den Händlern zwar einen Rundum-Service an: Der Konzern übernimmt gegen Bezahlung Lagerlogistik, Auslieferung, Bestellabwicklung und Zahlungsabwicklung. Dafür aber, ob die Anbieter ihre Steuerpflichten erfüllten, sei jeder Händler als eigenständiges Unternehmen selbst verantwortlich, argumentiert Amazon. Amazon selbst wird offenbar kein Steuerbetrug vorgeworfen, sondern höchstens, diesen zu dulden. Zu den aktuellen Ermittlungen wollen bisher weder der Konzern noch das Finanzamt Stellung nehmen.

Dem "Handelsblatt" zufolge kooperiert Amazon mit den Steuerfahndern. Um den mutmaßlichen Steuersündern habhaft zu werden, sind die Beamten auf interne Daten des Online-Riesen angewiesen. Da die betroffenen Händler sich in Deutschland gar nicht erst angemeldet haben und alle ihre Geschäfte von Amazon abwickeln lassen, fehlen den Behörden die nötigen Informationen, um sie überhaupt zu finden und zu identifizieren.

Über Jahre hinterzogene Steuern von chinesischen Firmen einzutreiben, dürfte nahezu unmöglich sein. Dem systematischen Betrug wollen deutsche Finanzpolitiker aber in Zukunft durch eine Gesetzesänderung einen Riegel vorschieben. Die Länderfinanzminister haben im Herbst bereits gemeinsam gefordert, Plattformen wie Amazon für das korrekte Abführen von Steuern in die Pflicht zu nehmen. Vorbild ist Großbritannien. Dort dürfen chinesische Händler Waren anbieten, wenn sie eine britische Steuernummer haben. Im Fall von Steuerhinterziehungen ist der Plattformbetreiber für den Schaden haftbar.

Quelle: n-tv.de