Wirtschaft

"Keine Insolvenzwelle in Sicht" Commerzbank-Chef sieht Nullzins bis 2025

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Knof, der sich schon als Deutschlandchef des Versicherers Allianz den Ruf eines Sanierers erworben hatte, geht mit Hochdruck den radikalen Konzernumbau der Commerzbank an.

(Foto: imago images/sepp spiegl)

Manfred Knof, der neue Boss der Commerzbank, geht nicht davon aus, dass die EZB den Leitzins demnächst nennenswert verändern wird. "Der Nullzins für Sparer wird leider erstmal bleiben", sagt er im Interview. Mit Blick auf die Folgen der Corona-Pandemie gibt sich der Manager zuversichtlich.

Der neue Commerzbank-Chef Manfred Knof rechnet nicht mit einer baldigen Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank (EZB). "Der Nullzins für Sparer wird leider erstmal noch einige Jahre bleiben", sagte Knof der "Bild"-Zeitung. "Wir stellen uns darauf ein, dass das Zinsniveau bis Mitte des Jahrzehnts so niedrig bleibt."

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Die ultraniedrigen Zinsen machen nicht nur den Sparern, sondern auch den Banken das Leben schwer, denn dadurch sinken unter anderem die Gewinnmargen im klassischen Einlagen- und Kreditgeschäft. Auch bei der Commerzbank im Corona-Jahr 2020 ging der Zinsüberschuss wegen der verschärften Niedrigzinsen zurück.

Auch zur Pandemie äußert sich Knof im Interview: In Bezug auf die Zahlungsfähigkeit der Deutschen ergibt sich für ihn ein "geteiltes Bild". "Die Industrie und der Mittelstand haben sich in der Corona-Krise robust gezeigt", sagte er. "Die meisten Kunden kommen gut durch diese Zeit." In einigen Bereichen, zum Beispiel in der Gastronomie und im Handel, gebe es aber ohne Zweifel Probleme. Eine Insolvenzwelle sieht der Bankenchef aber nicht auf Deutschland zurollen.

"Ich glaube, dass die Bundesregierung zusammen mit den Banken eine gute Arbeit leistet", sagte er. Dass Deutschland sich an den gigantischen Staatsschulden einen Bruch hebt, sieht er nicht. "Nein, das wird nicht passieren. Trotz der gestiegenen Staatsschulden ist Deutschland ja auch weiterhin kreditwürdig wie kaum ein anderes Land."

Das zweitgrößte deutsche Finanzinstitut befindet sich im Umbruch: Knof, der sich schon als Deutschlandchef des Versicherers Allianz den Ruf eines Sanierers erworben hatte, geht derzeit den radikalen Konzernumbau der Commerzbank mit Tempo an. Nach einem Milliardenverlust 2020 soll das Frankfurter Institut zumindest im Tagesgeschäft schon im laufenden Jahr wieder schwarze Zahlen schreiben.

Dafür soll sie sich vor allem auf den deutschen Mittelstand konzentrieren. "Dazu gehört auch ein erheblicher Personalabbau. Das ist leider unvermeidbar, um langfristig die Mehrheit der Arbeitsplätze zu sichern", räumte er ein. Jede zweite Filiale wird geschlossen. Der Jobabbau soll zügig umgesetzt werden: Bis Anfang Mai will Knof einen Sozialplan für den Abbau von 10.000 Stellen in trockenen Tüchern haben.

Quelle: ntv.de, ddi/rts