Wirtschaft

Jährlich neue Impfkampagnen Corona-Mutanten schaffen Milliarden-Markt

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Weil die Wirksamkeit gegen die in Südafrika verbreitete Coronavirus-Mutation zu gering ist, verabreicht das Land den Impfstoff von Astrazeneca nicht mehr. An neuen Wirkstoffen wird bereits gearbeitet.

(Foto: imago images/Greatstock)

Zunächst war die Entwicklung der Corona-Impfstoffe ein einmaliger, mit staatlichen Milliardenhilfen finanzierter Kraftakt. Doch nun wird immer deutlicher: Für die Pharmakonzerne entsteht ein dauerhafter Markt, der weit profitabler sein könnte als die aktuelle, globale Impfkampagne.

"Nicht für eine Minute" denke er, dass sich die großen Pharmaunternehmen schlimme Virusvarianten wünschten, sagt Geoffrey Porges, Analyst bei der auf die Medizinbranche spezialisierten Investmentbank SVB Leerink. Aber die Erkenntnis, dass die vorhandenen Impfstoffe gegen manche Virus-Mutationen unzureichend wirken, "ändert grundlegend die kommerzielle Bedeutung" der Corona-Impfstoffe - und zwar zugunsten der Pharmakonzerne, wie Porges der "Financial Times" erklärte.

Lange gab es die Hoffnung, die Corona-Pandemie könne mit einer großen Impfkampagne mit den inzwischen bereitstehenden Wirkstoffen gestoppt werden. Regierungen gaben dafür bereits Milliardenzuschüsse aus, um die Entwicklung zu bezahlen, für weitere Milliarden haben sie schon Impfdosen geordert. Einige Pharmakonzerne, wie Astrazeneca und Johnson&Johnson, haben versprochen, angesichts der globalen Notlage, ihre Impfstoffe zum Selbstkostenpreis zu liefern. Andere Unternehmen versprachen ihren Aktionären zwar, mit ihrem Beitrag zum Kampf gegen die Corona-Krise auch Geld zu verdienen. Doch unklar blieb lange, ob es sich um ein einmaliges Geschäft handeln würde.

Nun allerdings wird immer deutlicher: Für neue Mutationen des Virus werden wohl dauerhaft immer wieder neue Varianten der Impfstoffe benötigt. Laut Gesundheitsminister Nadhem Zahawi bereitet sich Großbritannien auf jährliche Corona-Impfkampagnen vor, ähnlich den wiederkehrenden Grippeimpfungen. Zwar beherrscht derzeit noch die vielerorts schleppende erste Impfkampagne die Debatte, doch die meisten Regierungen dürften dem britischen Beispiel bald folgen. Ein Markt entsteht, auf dem laut Analysten-Schätzungen bis zu 23 Milliarden Dollar umgesetzt werden könnten - Jahr für Jahr.

Von diesem Geld dürfte deutlich mehr als Gewinn bei den Pharmaunternehmen übrig bleiben. In einer Telefonkonferenz mit Investoren kündigte Pfizer laut "Bloomberg" an, den Preis zu erhöhen. Der Spielraum ist demzufolge gewaltig: Aktuell berechne Pfizer in den USA beispielsweise 19,50 Dollar pro Corona-Impfdosis. Für andere Impfstoffe nehme das Unternehme bis zu 175 Dollar.

Vorteil für mRNA-Impfstoffe

Gleichzeitig ist der Entwicklungsaufwand für leicht angepasste Impfstoffe vergleichsweise gering, nachdem die Forschung und die aufwendigen Tests für die Grundwirkstoffe mithilfe staatlicher Milliardenzuschüsse bereits bezahlt sind. Noch gibt es von den Zulassungsbehörden in den USA und Europa keine Vorgaben dazu. Aber bei jährlich angepassten Grippeimpfstoffen beispielsweise verlangen diese nicht jedes Mal aufs Neue aufwendige klinische Studien.

Die Arbeit an den neuen Impfstoffen hat bereits begonnen. Astrazeneca hat angekündigt, bereits im Herbst einen auf die sich derzeit verbreitenden Mutationen abgestimmten Nachfolgeimpfstoff auf den Markt bringen zu wollen. Das deutsche Biotech-Unternehmen Curevac, dessen erster Corona-Impfstoff noch gar nicht zugelassen ist, hat bereits mit dem Pharmakonzern Glaxosmithkline ein Abkommen über die Entwicklung eines Nachfolgers geschlossen.

Die Chancen im Wettrennen um die nächste Generation der Corona-Impfstoffe sind Experten zufolge ungleich verteilt. Die neue mRNA-Technologie, die Biontech gemeinsam mit Pfizer und Moderna mit ihren Corona-Impfstoffen erstmals zur Zulassungsreife brachten, gilt dabei als besonders effizient. Analyst Porges schätzt, dass mit diesem Verfahren ein Nachfolgeimpfstoff innerhalb von nur drei bis sechs Monaten auf den Markt gebracht werden könnte. Mit dem Vektorverfahren, das beispielsweise von Astrazeneca genutzt wird, dürfte dieser Prozess zwei bis drei Monate länger dauern. Bei Protein-basierten Impfstoffen, wie die Hersteller Novavax und Sanofi sie für das Coronavirus entwickelt haben, ist die Entwicklung noch etwas aufwendiger.

Quelle: ntv.de