Wirtschaft

Drohne überzeugt Bahn-Tochter DB Schenker steigt bei Volocopter ein

Mit Flugtaxis will Volocopter eigentlich Städte vor dem Verkehrskollaps bewahren. Spätestens seit der Vorstellung einer Lastendrohne ist aber klar: Das Mobilitäts-Startup will sich auch als Logistik-Dienstleister einen Namen machen. Die Deutsche Bahn bringt als Partner das nötige Geld mit.

Der deutsche Flugtaxi-Hersteller Volocopter ist mit dem Abschluss einer weiteren Finanzierungsrunde dem Ziel, sich auch als Logistik-Dienstleister zu etablieren, einen Schritt nähergekommen. Das Mobilitäts-Startup aus Bruchsal erhält 87 Millionen Euro unter anderem von dem Logistikdienstleister DB Schenker, wie aus einer gemeinsamen Pressemitteilung hervorgeht. An der aktuellen Finanzierungsrunde nahmen noch weitere Investoren teil. Mit wie viel Geld sich die Bahn-Logistiktochter beteiligt, wurde nicht mitgeteilt. Insgesamt hat Volocopter bis dato damit 122 Millionen Euro eingesammelt.

"Wir sind überzeugt, dass die Technologie von Volocopter das Potenzial hat, Transportlogistik in eine neue Dimension für unsere Kunden zu befördern", sagte Jochen Thewes, Vorstandsvorsitzender von DB Schenker. Mit der Integration der VoloDrone in zukünftige Lieferketten wolle das Unternehmen den Wunsch seiner Kunden nach schneller, emmissionsneutraler Auslieferung auch an schlecht erreichbaren Orten bedienen.

Volocopter plant mit dem frischen Geld die zweite Generation der voll-elektrisch angetriebenen Schwerlastdrohne VoloDrone in den nächsten fünf Jahren zur Marktreife zu führen. Der Zeitplan ist ambitioniert: Erst im Oktober vergangenen Jahres hatte das Startup seine Flugdrohne vorgestellt, die Lasten bis 200 Kilogramm bis zu 40 Kilometer weit transportieren kann, sie befindet sich noch in der Testphase. Wie viele Testflüge es mit der VoloDrone schon gegeben hat will Geschäftsführer von Volocopter nicht verraten. "Das schöne ist ja, dass wir auf die vorhandene Technologie des Volocopters zurückgreifen können und es uns eben gelungen ist, innerhalb eines Jahres den ersten Demonstrator der VoloDrone vollfunktional aufzubauen", sagt Reuter ntv. Das Unternehmen befinde sich gerade in einer umfangreichen Testphase. Reuter geht davon aus, dass es erste kommerzielle Anwendungen schon vor dem Fünfjahres-Ziel geben werde. "Wir haben schon jetzt ein relativ weit fortgeschrittenes, sehr marktnahes Produkt in der Hand."

Die Lastendrohne wird vom Boden per Fernsteuerung geflogen, kann aber auch voreingestellte Routen abfliegen. Der fliegende Lastenträger kommt ohne Fahrgastkabine aus und soll dank seines variablen Untergestells flexibel einsetzbar sein. Sie soll beispielsweise Kisten, Flüssigkeiten oder Maschinen transportieren. In einem Promo-Video schlägt das Startup vor, die VoloDrone könne etwa Pestizide verteilen oder unhandliche Materialien auf Baustellen in höhere Etagen liefern.

Platz für Zetsche im Aufsichtsrat

Neben DB Schenker beteiligten sich auch Mitsui Sumitomo Insurance Group, MS&AD Ventures und TransLink Capital (Japan Airlines und Sompo Japan Insurance) als neue Investoren, sowie Lukasz Gadowski und btov als bestehende Investoren an der Runde.

Mit dem Abschluss der Finanzierungsrunde hat Volocopter zudem Yifan "Frank" Li, Vice President der Geely Auto Group, und Jochen Thewes, CEO von DB Schenker, in den Beirat berufen. Das Unternehmen stärkt seine Unternehmensführung außerdem weiter und beruft zwei unabhängige Mitglieder mit Industrie-Expertise in seinen Beirat: den früheren Vorstandsvorsitzenden der Daimler AG, Dieter Zetsche, und den Gründer der CAS Software AG, Martin Hubschneider.

Volocopter ist eigentlich mit der Entwicklung von autonomen, elektrisch angetriebenen, senkrecht startenden und landenden Flugzeugen an den Start gegangen. Mit dem VoloCity will das Unternehmen in den Megastädten der Welt einen Flugtaxidienst anbieten und damit bereits bestehende Transportmöglichkeiten ergänzen. Außerdem soll mit dem Geld die Zertifizierung des Flugtaxis vorangetrieben werden. Die war im September bei einem unbemannten Testflug über Stuttgart vorgeführt worden.

Quelle: ntv.de, jki