Wirtschaft

Teure Diesel und Rückstellungen Daimler erstmals seit zehn Jahren im Minus

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Tiefrot sind die Zahlen bei Daimler.

(Foto: imago images / Stefan Zeitz)

Es sind die ersten Quartalszahlen für den neuen Konzernchef - und sie sind wenig glanzvoll. Umringt von Problemen muss der Autobauer Daimler erhebliche Summen zurückstellen. Zudem halten sich die Kunden mit Käufen zurück. Und so meldet Vorstandschef Källenius ein tiefrotes Ergebnis.

Die weltweite Absatzflaute und teure Probleme nicht nur mit dem Diesel haben den Autobauer Daimler im zweiten Quartal in die roten Zahlen gedrückt. Unter dem Strich verbuchte der Stuttgarter Konzern von April bis Ende Juni einen auf die Aktionäre entfallenden Verlust von gut 1,3 Milliarden Euro. Es ist das erste Quartalsminus seit zehn Jahren. Im Vorjahreszeitraum hatte der Dax-Konzern noch 1,7 Milliarden Euro verdient. Angesichts des schwachen Abschneidens kündigte der neue Konzernchef Ola Källenius an, die Optimierungsprogramme zu intensivieren und das Produktportfolio zu "überprüfen".

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Daimler hatte vor knapp zwei Wochen bereits vorweggenommen, dass das Quartal deutlich schlechter ausfallen würde als erwartet und zudem die Ziele für das laufende Jahr nach unten korrigiert. Als Grund hatte der Autobauer zusätzliche Rückstellungen im Zusammenhang mit dem Dieselskandal und für Rückrufe wegen möglicher Airbag-Probleme genannt. Daimler hatte im Juni auf Anordnung des Kraftfahrt-Bundesamts 60.000 Autos zurückrufen müssen, weil die Beamten in ihnen eine Betrugssoftware entdeckt hatten. Daimler bestreitet aber die Vorwürfe. Analysten schätzen das Sicherheitspolster auf gut 2,5 Milliarden Euro.

Außerdem bekommt Daimler seit einiger Zeit die Flaute auf vielen Märkten in Form eines schwächelnden Absatzes zu spüren. Hinzu kommen Anlaufschwierigkeiten mit neuen Modellen und Probleme in der Van-Sparte, die im zweiten Quartal einen Milliardenverlust eingefahren hat. Der Umsatz lag im zweiten Quartal mit 42,7 Milliarden Euro um fünf Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Für Vorstandschef Källenius ist es die erste Quartalsbilanz seit seinem Antritt vor zwei Monaten.

Im November neuer Strategieplan

Beim operativen Ergebnis rechnet der Dax-Konzern im Gesamtjahr mit einem Rückgang um mehr als 15 Prozent, nachdem das Betriebsergebnis schon im vorigen Jahr um gut ein Fünftel auf elf Milliarden Euro abgesackt war. Die Umsatzrendite von Mercedes-Benz-Cars wird nur noch zwischen 3 bis 5 Prozent gesehen, was weit unter dem eigenen Anspruch von 8 bis 10 Prozent liegt. Im Lkw-Geschäft, das weiter boomt, rechnet der Konzern dagegen weiter mit einer Marge von 7 bis 9 Prozent. Für das zweite Halbjahr erwartet Daimler eine deutliche Verbesserung des Vorsteuerergebnisses.

Die weiterhin zu vielen internen Probleme würden aber auch Fragen nach der Glaubwürdigkeit von Daimler aufwerfen, so die Analysten von Evercore ISI. Der Konzern mache Engpässe bei Lieferanten und Qualitätsprobleme in fast allen Bereichen für die schlechte Geschäftsentwicklung verantwortlich. "Dies sind aber sicher nicht externe Faktoren außerhalb der Kontrolle des Managements", kritisieren die Analysten.

Källenius und der neue Finanzvorstand Harald Wilhelm kündigten an, die Ausgaben und auch das Modellportfolio zu überprüfen. Details zu den Effizienzmaßnahmen und ein detaillierter Strategieplan sollen aber erst auf einem Kapitalmarkttag im November verkündet werden, so Källenius. In den kommenden Monaten soll im Geschäft mit Oberklasseautos die "Trendwende" erfolgen, versprach er. Vor allem das vierte Quartal werde bei Mercedes-Benz stark werden.

Quelle: n-tv.de, jwu/DJ/dpa/rts/AFP

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