Wirtschaft

Zetsche will sich nicht äußern Daimler mauert beim Kartellverdacht

Daimler verkauft so viele Autos wie nie zuvor, doch die positive Halbjahresbilanz wird von Kartellvorwürfen gegen den Dax-Konzern überschattet. Eine Stellungnahme lehnt der Daimler-Chef ab - er beteilige sich nicht an Spekulationen, so Zetsche.

Daimler-Chef Dieter Zetsche hat Medienberichte zum Kartellverdacht gegen die deutschen Autohersteller als Spekulation bezeichnet, zu der er sich nicht äußern will. "In der Tat macht die Autoindustrie derzeit Schlagzeilen - und keine guten", sagte Zetsche in einer Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen des Konzerns. Zudem veröffentlichte er auf LinkedIn einen Beitrag zum Thema.

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Er könne die Wünsche nach mehr Klarheit verstehen. "Aber wir sind gut beraten, uns nicht an Spekulationen zu beteiligen." Die EU-Wettbewerbsbehörde habe nur bestätigt, dass es kein Verfahren gebe. Ein Sprecher der EU-Kommission hatte am Wochenende erklärt, die Behörde prüfe den Kartellverdacht gegen Daimler, BMW und Volkswagen. Der "Spiegel" hatte über eine Selbstanzeige des Daimler-Konzerns berichtet, die den Wettbewerbshütern vorliegen soll. Die Konzerne sollen sich demnach in mehr als 60 Arbeitsgruppen seit den 90er Jahren über Technik, Lieferanten und Märkte abgesprochen haben.

Über den Ruf des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) nach einem Kulturwandel der Autobauer hin zu einer "Null-Fehler-Toleranz" auch in Sachen Rechtstreue äußerte sich Zetsche verärgert. "Ich war überrascht über diese Stellungnahme und möchte derzeit nicht mehr dazu sagen", erklärte er mit Blick auf Äußerungen von VDA-Präsident Matthias Wissmann.

Positive Halbjahresbilanz

Daimler denkt Zetsche zufolge darüber nach, Divisionen des Konzerns rechtlich zu verselbstständigen. Die größte Division ist das Lkw-Geschäft. Fragen nach einem möglichen Börsengang von Daimler Trucks, über den schon lange spekuliert wird, wichen die Daimler-Vorstände aus. "Es ist nicht geplant, dass sich Daimler von einzelnen Geschäftsbereichen trennt", sagte Finanzchef Bodo Uebber. Es gehe darum, durch stärkere Kundenfokussierung Wachstumschancen zu heben. Überprüft würden sämtliche Divisionen, nicht nur das Nutzfahrzeuggeschäft.

Trotz der Debatten hat Daimler erneut stark zugelegt. Im zweiten Quartal kletterten Umsatz und Gewinn dank des anhaltenden Aufschwungs bei Mercedes-Benz kräftig, wie der Dax-Konzern mitteilte. Das lag vor allem an der neuen E-Klasse sowie den Stadtgeländewagen (SUV), die bei den Kunden gut ankommen.

Daimler hat von April bis Juni weltweit mehr als 595.000 Autos von Mercedes-Benz verkauft, so viele wie noch nie in einem zweiten Quartal. Vor allem in Asien legte der Absatz stark zu. Der Daimler-Umsatz stieg im zweiten Quartal um 7 Prozent auf rund 41,2 Milliarden Euro. Das Konzernergebnis lag bei rund 2,51 Milliarden Euro (plus 2 Prozent) - nach 2,45 Milliarden im zweiten Quartal 2016. Nach Abzug von Minderheitsanteilen bleibt ein Gewinn von 2,44 Milliarden Euro.

Quelle: n-tv.de, jgu/rts/dpa