Wirtschaft

Glänzende Bilanz als Grundlage Daimler wappnet sich für unruhige Zeiten

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Daimler-Chef Zetsche präsentiert auf der Detroit Auto Show die neue G-Klasse.

(Foto: dpa)

Daimler geht es derzeit sehr gut, aber die Konzernspitze denkt bereits voraus. Sie will bis 2019 Konzernteile verselbstständigen und sich damit mehr Geldquellen verschaffen. Es wird wohl der größte Umbruch seit der Trennung von Chrysler im Jahr 2009.

Das siebte Jahr Rekordabsatz in Folge dürfte Daimler ordentlich Gewinn in die Kasse gespült haben. Mit der starken Bilanz 2017 im Rücken kann der Dax-Konzern weiter in elektrische, autonome, vernetzte Autos und Lastwagen investieren, Mobilitätsdienste und andere neue Geschäftsmodelle aufbauen. Analysten sagen im Schnitt einen Anstieg des unbereinigten operativen Ergebnisses (Ebit) um 15 Prozent auf 14,8 Milliarden Euro voraus. Der Umsatz soll den Schätzungen zufolge um knapp 7 Prozent auf 163,5 Milliarden Euro steigen.

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Dass Daimler bis 2019 seine Konzernteile verselbstständigen will und sich damit womöglich mehr Geldquellen verschafft, loben Experten. "Es können ja deutlich schlechtere Zeiten kommen, auch wenn das derzeit kaum vorstellbar ist", sagt etwa Jürgen Pieper, Autoanalyst vom Bankhaus Metzler.

Im Stillen bereitet der Konzern den größten Umbau seit der Trennung von der US-Marke Chrysler 2009 vor: Die Konzernfelder Pkw, Nutzfahrzeuge und Dienstleistungen sollen selbstständige Aktiengesellschaften unter dem Dach der Daimler AG werden. Mit größerer Selbstständigkeit sollen sie stärker wachsen, investieren und mehr Gewinn machen können. Kooperationen etwa mit IT-Unternehmen über den Tausch von Aktienpaketen wären einfacher, wenn ein Partner sich nicht länger am Pkw- und Lkw-Geschäft der Schwaben zugleich beteiligen müsste. Börsengänge oder Verkäufe seien allerdings nicht geplant, erklärte Finanzchef Bodo Uebber.

Was sich nach trockenen Formalien anhört, macht dem Unternehmen viel Arbeit und kostet immerhin einen dreistelligen Millionenbetrag. Doch es sei sinnvoll, sich damit neue Finanzierungsoptionen zu erschließen - wenn nicht durch Teilbörsengänge, dann über den Einstieg privater Investoren, sagt Pieper. "Man muss Manövriermasse haben, wenn unverhoffte Dinge passieren." Etwa wenn den sprichwörtlichen sieben fetten Jahren sieben magere folgen.

Kampf um die Premiumkrone

Das ist kurzfristig nicht zu befürchten: Die Pkw-Sparte Mercedes-Benz hat sich mit der Erneuerung der gesamten Produktpalette 2016 an BMW vorbei weltweit an die Spitze des Premiumsegments geschoben. BMW-Chef Harald Krüger will Mercedes Platz eins erst 2020 wieder abjagen, wie er kürzlich dem "Manager Magazin" sagte.

So wie die Stuttgarter vor einigen Jahren wollen die Münchener bald ein Feuerwerk neuer Modelle abbrennen. "Mercedes ist beim Absatz jetzt auf der Kammlinie angelangt. Ich gehe davon aus, dass BMW mit höheren Wachstumsraten in den nächsten zwei, drei Jahren aufholen wird", sagt Frank Biller, Autoanalyst bei der LBBW. "Das starke Momentum lässt nach. Es gibt bei den Modellen nicht mehr so einen großen Neuigkeitseffekt", meint auch Metzler-Analyst Pieper. Er erwartet für die Marke mit dem Stern in diesem Jahr ein Absatzwachstum von 6 bis 8 Prozent, nach einem Plus von fast 10 Prozent auf knapp 2,3 Millionen Fahrzeuge 2017.

Wachstumsmotor dürfte der weltgrößte Automarkt China bleiben, auch wenn er längst nicht mehr so hochtourig läuft. Die zweitwichtigste Region USA und auch Europa schwächeln dagegen. Daimler sei jedoch so wie die anderen Autobauer mehreren Risiken ausgesetzt, erklärte Autoanalyst Pieper. So könnten etwa Milliardenstrafen durch Kartellermittlungen und die strafrechtlichen Ermittlungen in den USA anfallen.

Erstes EQ-Serienmodell wird vorgestellt

Die Diesel-Nachfrage in Deutschland wird weiter unter der Unsicherheit über drohende Fahrverbote für ältere Modelle leiden. Der technische Umschwung zu Elektroautos könnte den Absatz in einigen Jahren einbrechen lassen.

Auch LBBW-Analyst Biller sieht Schleudergefahr durch die Umstellung des Angebots auf Elektroautos. Dieses Jahr will Daimler das erste Serienmodell der neuen Stromautomarke EQ vorstellen, eine Elektroversion des SUVs GLC. Die Markteinführung ist für 2019 geplant. "Die Stückzahlen werden nicht sofort in Millionenhöhe kommen und gleichzeitig besteht die Gefahr, dass Mercedes-Modelle kannibalisiert werden."

Quelle: n-tv.de, Ilona Wissenbach, rts

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