Wirtschaft

Chipmangel bremst Produktion Daimlers Absatzprognose wackelt

Bisher war Daimler optimistisch, den durch einen Mangel an Halbleitern verursachten Produktionsausfall in der zweiten Jahreshälfte auszugleichen. Doch die Pkw-Tochter Mercedes-Benz muss die Produktion im zweiten Quartal wohl noch weiter runterfahren. Auch das Flaggschiff der Marke könnte betroffen sein.

Der anhaltende Mangel an Computerchips wird den Absatz von Daimlers Pkw-Tochter Mercedes-Benz im zweiten Quartal stärker treffen als im ersten. Die Verkaufszahl werde wahrscheinlich unter die des ersten Vierteljahres sinken, sagte Finanzchef Harald Wilhelm. Zu der Marktverschiebung bei Halbleitern in der Corona-Krise auf die Elektronikindustrie seien noch die unvorhersehbaren Ausfälle einer Chip-Fabrik in Japan durch einen Brand und einer in Texas durch Stromausfall im Wintersturm verschärfend hinzugekommen.

Es sei davon auszugehen, dass diese Kapazitäten im zweiten Halbjahr aber wieder zur Verfügung stünden und sich die Lage entspanne. Anders als bisher rechnet Daimler nicht mehr damit, den Produktionsausfall im Lauf des Jahres ganz auszugleichen. Dies werde nur teilweise aufzuholen sein, erklärte Wilhelm. Mercedes werde weiterhin darauf achten, dass die besonders rentablen Modelle wie die Luxuslimousine S-Klasse darunter nicht leiden. "Bislang ist es gelungen, das Thema von der S-Klasse fernzuhalten, das wollen wir weiter so halten", sagte er. Doch garantieren könne er das nicht.

Der Daimler-Finanzchef erklärte zu den neuen Elektroauto-Modellen der Mercedes-Baureihe EQ, diese seien profitabel, wenn auch nicht so wie die Verbrennermodelle. Die Verwässerung der Gewinnspanne durch E-Autos sei nicht so groß wie noch vor ein oder zwei Jahren erwartet. Der Autobauer werde "sehr ernsthaft" das Angebot auf reine Batterieautos umstellen. In diesem Jahr werde der Absatzanteil von elektrisch angetriebenen Pkw, einschließlich Plug-in-Hybriden, auf 13 Prozent steigen.

Rendite soll steigen

Zu Jahresbeginn hat Daimler dank hoher Nachfrage in China und Einsparungen deutlich mehr verdient als im schwachen Vorjahresquartal. So stieg der Konzerngewinn auf 4,4 Milliarden Euro, wie Finanzchef Wilhelm erklärte. Im ersten Quartal 2020, als die Corona-Krise die Autoindustrie weltweit begann lahmzulegen, hatte der Dax-Konzern nur rund 170 Millionen Euro verdient.

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Daimlers Nettogewinn war in den ersten drei Monaten dieses Jahres mehr als doppelt so hoch wie im Vorkrisenjahr 2019. "Nach diesem vielversprechenden Start sind wir sehr zuversichtlich, dass wir bei der nachhaltigen Verbesserung unserer Renditen weiterhin schnell vorankommen, während wir gleichzeitig unser Elektro-Fahrzeugportfolio weiter ausbauen", erklärte Wilhelm.

Der Stuttgarter Konzern hatte am 16. April schon Eckdaten für Januar bis März vorab bekannt gegeben, da diese weit über den Markterwartungen lagen. Der Umsatz legte um zehn Prozent zu auf 41 Milliarden Euro. Das Hauptgeschäft, die Pkw-Tochter Mercedes-Benz Cars & Vans, erzielte bei einem Absatzplus von 15 Prozent eine operative Rekordrendite von 14,3 Prozent (bereinigt), weit über der selbst gesetzten Zielmarke von acht bis zehn Prozent im Gesamtjahr.

Wilhelm stellte deshalb jetzt eine höhere Rendite von zehn bis zwölf Prozent in Aussicht. Der Ausblick für den gesamten Konzern ist unverändert - Absatz, Umsatz und Betriebsergebnis sollen deutlich über den Zahlen des Corona-Krisenjahres liegen. Ein besseres operatives Geschäft und strenge Kostenkontrolle ließen die liquiden Mittel des Konzerns seit Jahresbeginn weiter steigen um gut zwei auf 20,1 Milliarden Euro.

Quelle: ntv.de, jhe/rts

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