Wirtschaft

Chancenlose Aktionärsrebellen Das System VW ist intakt

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Give-aways für die Aktionäre. Viele Anteilseigner sind jedoch mit kleinen Zugeständnissen nicht mehr bei Laune zu halten.

(Foto: imago/Susanne Hübner)

Auf der ersten Hauptversammlung nach dem Dieselskandal gesteht die VW-Spitze Fehler ein, entschuldigt sich und verspricht Reformen. Das reicht den wütenden Anlegern nicht. Sie fordern - vergeblich - eine ganz neue Unternehmensführung.

Hans-Dieter Pötsch musste bei der Volkswagen Hauptversammlung die erwartbare Kritik der Klein- und Minderheitsaktionäre über sich ergehen lassen: Als "personifizierter Interessenkonflikt" wurde der Aufsichtsratsvorsitzende bezeichnet, der bis Oktober 2015 noch Finanzvorstand des Konzerns war und damit auch zum Kreis derjenigen gehört, deren Verhalten im Zuge des Dieselskandals die Finanzmarktaufsicht Bafin untersucht. Aktionäre versuchten zweimal, Pötsch den Vorsitz der Hauptversammlung zu entziehen, die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat zu verhindern und eine externe Sonderprüfung in Sachen Diesel-Gate einzusetzen - alles ohne Aussicht auf Erfolg.

Pötsch, dass wurde auf der Hauptversammlung deutlich, hat nicht nur die Rückendeckung der Familienholding der Porsches und Piëchs, der Porsche S.E. mit 52 Prozent der stimmberechtigten Stammaktien. Auch die Großaktionäre Niedersachen mit 20 Prozent und Qatar mit 17 Prozent der Stammaktien und die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat lassen sich in ihrem bisherigen Kurs nicht beirren – und der lautet: Reformen und Strukturwandel ja, aber innerhalb des "Systems Volkswagen".

So hat Volkswagen-Chef Matthias Müller zwar ein weitreichendes Rerfomprogramm verkündet, das die Konzernstruktur effizienter machen und vor allem im Sinne der Aktionäre die Kosten reduzieren und die im Vergleich zu anderen Autobauern magere Rendite erhöhen soll. Das geht alles genau in die von vielen Aktionären geforderte Richtung. Dennoch reichen Müllers Ankündigungen einer wachsende Zahl institutioneller Investoren wie Hedge- oder Pensionsfonds nicht, sie glauben dass nur ein komplett neu aufgestellter Aufsichtsrat den Riesenkonzern wirklich auf einen Reformkurs bringen kann.

Auf der Hauptversammlung allerdings beschlossen die stimmberichtigten Großaktionäre mit ihrer komfortablen Mehrheit, dass bei dem Aufsichtsgremium alles beim alten bleibt - bei dem, was ein Kleinaktionär auf der Hauptversammlung als "Filzokratie" beschreibt. Die Besetzung des 20-köpfigen Aufsichtsrats, bei der etwa das Land Niedersachsen als "politischer Aktionär" gemeinsam mit den zehn Vertreten der Arbeitnehmer jede Entscheidung im Sinne der Aktionäre blockieren kann, sei verantwortlich für die "Unternehmensführung und Kultur, in der der Abgasskandal entstehen und über Jahre unentdeckt bleiben konnte", so Hans-Christoph Hirt vom britischen Großinvestor Hermes EOS.

Für die Aktionäre geht es dabei um viel Geld, und zwar nicht in erster Linie um die Summen, die sie durch Kursverluste im Zuge der Dieselaffäre verloren haben. Sie glauben, dass Investoren an den Finanzmärkten der gegenwärtigen VW-Führung einen echten Kurswechsel nicht zutrauen, und ihre Aktien deswegen zu wenig wert sind. Man sei "stark davon überzeugt", dass Investoren Wechsel in der Unternehmensführung belohnen würden", teilte der niederländische Pensionsfonds und VW-Aktionär APG mit. Das heißt, eine neue Führungsstruktur bei VW würde den Kurs der VW-Anteile steigen lassen.

Quelle: n-tv.de, von Max Borowski