Wirtschaft

Sparer in Sorge Das müssen Sie zu Strafzinsen wissen

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Üppige Zinsüberschüsse sind Vergangenheit.

(Foto: imago/Future Image)

Banken und Sparkassen stöhnen: Die Europäische Zentralbank hält an Strafzinsen nicht nur fest, sondern wird sie wohl bald erhöhen. Welche Konsequenzen hat das? n-tv.de beantwortet die wichtigsten Fragen zu den Negativzinsen.

Was sind eigentlich Strafzinsen?

Seit Mitte Juni 2014 müssen Geschäftsbanken Zinsen zahlen, wenn sie überschüssiges Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. Aktuell sind es 0,4 Prozent.

Warum macht die EZB das?

Die Banken sollen dazu bewegt werden, überschüssige Liquidität nicht zu horten, sondern stattdessen mehr Kredite zu vergeben. Das soll Investitionen und Konsum in der Eurozone anregen, was wiederum Wachstum und Inflation anschieben soll.

Zur Einordnung: Das Wirtschaftswachstum im Euroraum verliert an Fahrt. Das Bruttoinlandsprodukt legte im vergangenen Quartal nur noch um 0,2 Prozent zu. Zugleich entfernt sich die Inflationsrate von der Zielmarke von knapp unter 2 Prozent, bei der die EZB Preisstabilität erreicht sieht. Im Juli lag die Inflation mit 1,1 Prozent auf dem tiefsten Stand seit Februar 2018.

Was kostet das die Banken?

Nach Berechnungen des Bundesverbandes deutscher Banken müssen die Banken im Euroraum derzeit monatlich mehr als 600 Millionen Euro an Negativzinsen für überschüssige Liquidität an die EZB zahlen. Aufs Jahr gerechnet komme eine Summe von rund 7,5 Milliarden Euro zusammen. Besonders betroffen vom Strafzins sind deutsche Banken, die traditionell einen Überhang an Kundeneinlagen haben. Sie tragen demnach etwa ein Drittel der Belastungen aus dem negativen Einlagenzins im Euroraum.

Welche weiteren Folgen haben Negativzinsen für deutsche Banken?

Lange verdienten Banken und Sparkassen gut daran, dass sie mehr Zinsen für Kredite kassierten, als sie Sparkunden auf deren Einlagen zahlten. Doch üppige Zinsüberschüsse sind Vergangenheit: Die EZB hat die Zinsen auf ein Rekordtief gedrückt, der Branche brechen die Erträge weg.

Die Probleme der deutschen Bankenbranche sind mit den Strafzinsen also erheblich größer geworden. Sie leiden bereits unter starkem Wettbewerb und der Konjunkturschwäche. Hinzu kommen hohe Regulierungskosten und teure Investitionen in Digitalisierung. Traditionelle Banken mit Filialen haben zudem mit schlanken Direktbanken und Fintech-Herausforderern zu kämpfen.

Was bedeuten Strafzinsen für Sparer?

Einzelne Häuser geben die Negativzinsen an Unternehmen, große Investoren wie Fonds und an vermögende Privatkunden weiter. In Deutschland kassieren laut einer Umfrage des Portals biallo.de 30 Institute ein sogenanntes Verwahrentgelt für Privatkunden, in der Regel ab einer Summe von 100.000 Euro. Bei den meisten beträgt dieses Entgelt 0,4 Prozent. Die allermeisten Kunden bleiben von Negativzinsen also verschont.

Sind bald auch Normal-Sparer davon betroffen?

Derzeit sieht es nicht danach aus. Denn ein solcher Schritt würde Kunden zur Konkurrenz treiben. "Ich glaube nicht, dass wir Negativzinsen auf breiter Front bekommen werden", sagt Finanztip-Chef Hermann-Josef Tenhagen im Gespräch mit n-tv.de. "Die erste Sparkasse, die das macht, bekommt so viel Haue, dass sie dies tunlichst vermeiden wird."

Können die Banken die Kosten nicht anders weitergeben?

Das können sie - und das werden einige wohl auch versuchen. Je länger das Zinstief anhält, umso wahrscheinlicher wird es, dass Institute Gebühren erhöhen. Preiserhöhungen sind in der Branche ein Dauerthema. "Man kann das Zinsumfeld nicht nur mit Kostenreduzierungen auffangen", sagte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing Mitte Juli dem "Handelsblatt" - kurz nachdem er einen Sanierungsplan inklusive des Abbaus Tausender Stellen angekündigt hatte. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Banken, die aktuell ein kostenloses Konto anbieten, dies angesichts der Zinspolitik die nächsten Jahre oder Jahrzehnte durchhalten."

Ist ein Ende der Strafzinsen im Blick?

Nein, im Gegenteil. Die EZB hatte jüngst angedeutet, der Strafzins von aktuell 0,4 Prozent weiter zu verschärfen. Die von Sparern erhoffte und Kreditnehmern befürchtete Zinserhöhung rückt damit in die Ferne.

Quelle: n-tv.de, mit rts/dpa

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