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Tenhagens Tipps Kommen jetzt die Strafzinsen für Sparer?

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Unser Experte sieht keine Negativzinsen auf breiter Front.

(Foto: imago/Joko)

Die Notenbanken machen die Rolle rückwärts und sagen die Zinswende ab. Was Kreditnehmer freuen dürfte, sorgt bei Sparern für Verdruss. Nicht wenige erwarten jetzt negative Zinsen für das Ersparte. Und was meint Finanztip-Chef Hermann-Josef Tenhagen? 

n-tv.de: Herr Tenhagen, die Zinswende ist abgesagt. Die US-Notenbank hat die Leitzinsen sogar unlängst wieder gesenkt. Die EZB wird wohl nachziehen. Ein notwendiger Schritt?

Hermann-Josef Tenhagen: Geld wird weiter sehr billig bleiben. Eigentlich möchte die EZB ja nur erreichen, dass die Banken ihr Geld auch mal verleihen, also in den Wirtschaftskreislauf bringen, anstatt es bei der EZB gegen Gebühren zu parken.

Der traditionelle Deal ist doch: Ich trage mein Geld zur Bank und diese findet jemanden, der das Geld gebrauchen kann und investiert. Dafür zahlt der Kreditnehmer dann Zinsen und den Reibach teilt sich die Bank mit mir. Das zentrale Problem ist aber, dass die Banken offenbar nicht in der Lage sind, geeignete Abnehmer für das ihnen anvertraute Geld zu finden und ich dann dastehe und keine Zinsen für mein Geld bekomme.

Wobei ja die Zinssenkung der US-Notenbank noch andere Gründe hat.

Genau. Entgegen der EZB hat die US-Notenbank auch einen wirtschaftspolitischen Auftrag. Und der sagt: Sorge dafür, dass die Wirtschaft boomt. Gerade mit der US-Wahl im nächsten Jahr werden Trump und seine Mannschaft alles dafür tun, um die Notenbank dahingehend zu beeinflussen, damit der Arbeitsmarkt funktioniert und dann auch der Konsum brummt. Insbesondere sollen Jobs für die Arbeiterklasse erhalten beziehungsweise geschaffen werden. Denn die sollen Trump ja wieder wählen.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Für diese sogenannte "White Working Class" ist sogar der angezettelte Handelskrieg oberflächlich gesehen positiv. Zwar bezahlt auch sie dafür, aber eben auch der Rest der Gesellschaft. Und ihre Arbeitsplätze sind durch diese protektionistischen Maßnahmen teilweise geschützt.

Müssen Sparer denn nun damit rechnen, dass auch sie mittelfristig mit negativen Zinsen belastet werden?

Ich glaube nicht, dass wir Negativzinsen auf breiter Front bekommen werden. Es gibt die zwar bei relativ vielen Banken schon für Gewerbekunden und für private Sparer, die sehr viel Geld auf irgendwelchen tagesfälligen Konten haben. Für Normalsparer sehe ich das aber nicht. Die erste Sparkasse, die das macht, bekommt so viel Haue, dass sie dies tunlichst vermeiden wird. Ich persönlich kann über die Fantasielosigkeit der Geldinstitute, das ihnen zur Verfügung gestellte Geld an den Mann zu bringen, nur staunen. Abgesehen davon gehören höhere Beträge ohnehin nicht auf ein Tagesgeldkonto.

Sondern?

Die klassische Strategie, die wir bei Finanztip schon immer empfohlen haben. Nämlich, dass hier maximal zwei Monatsgehälter für unvorhergesehene Ausgaben lagern. Dies dient dazu, dass Verbraucher nie - wirklich nie - in einen teuren Dispokredit rutschen. Alles andere gehört fest angelegt. Zum Beispiel auf einem Festgeldkonto für zwei oder drei Jahre. Das kommt immer dann infrage, wenn man jetzt schon weiß, dass zum Beispiel dann ein neues Auto fällig wird oder der Nachwuchs ein Auslandsjahr plant.

Das Geld, das weder für das eine noch für das andere gebraucht wird, gehört langfristig angelegt. Entweder in Form eines Immobilienkaufs oder indem es in einen Indexfonds (ETF) an die Börse getragen wird. Letzteres nur bei einer Anlagedauer von 15 Jahren. Denn dann braucht man sich auch nicht mehr für den neuesten Schluckauf der Märkte zu interessieren.

Okay, also keine Strafzinsen. Dafür wird dann aber an der Gebührenschraube gedreht ...

So oder so, im Kern geht es immer darum, sich eine Bank zu suchen, die die günstigsten Konditionen bietet. Das beinhaltet die Gebührenstruktur fürs Giro genauso wie das beste Angebot fürs Tagesgeldkonto zu wählen. Sich also nicht mit Zinsen in Höhe von 0,01 Prozent zufrieden zu geben, sondern das halbe Prozent anzustreben. Das sind immerhin 50 Mal so viel. Selbst wenn der tatsächliche Mehrbetrag dann nur für ein nettes Abendessen reicht.

Immerhin. Wer bietet denn am meisten Geld fürs Geld?

Beim Tagesgeld gibt es für Neukunden bei der ING nach wie vor 1 Prozent für vier Monate. Für Bestands- und Neukunden gibt es 0,5 Prozent bei der LeasePlan Bank, 0,31 bei Cosmosdirekt und 0.3 bei Moneyou und bei der RaboDirect.

Beim Festgeld liegt die Crédit Agricole Consumer Finance (CA) vorn. Hier gibt es 0,91 Prozent pro Jahr für das halbe Jahr und 1,21 Prozent für eine Laufzeit von zwei Jahren. Für drei Jahre bekommt der Kunde 0,10 Prozent mehr. Sowohl bei unseren Tages- als auch Festgeldempfehlungen bewerten wir sowohl die Einlagensicherung als auch die Bank an sich als solide.

Wie lange sollte man sich beim Festgeld binden?

Wenn ich das Geld nicht in absehbarer Zeit brauche, würde ich mich ruhig auf drei Jahre festlegen.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Axel Witte

Quelle: n-tv.de

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