Wirtschaft

Varoufakis trifft Sinn "Der Euro ist zum Fetisch geworden"

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Yanis Varoufakis hält einen Grexit nach wie vor für falsch.

(Foto: picture alliance / dpa)

Yanis Varoufakis und Hans-Werner Sinn sind sich einig: "Ohne Euro würde es allen besser gehen." Diese Ansicht ist nicht neu, stößt aber trotzdem auf großes Interesse.

Yanis Varoufakis füllt die Säle. Vor Kurzem in der Berliner Volksbühne, jetzt in der Uni München auf Einladung des Ifo-Instituts: Hunderte wollen hören, was der ehemalige Finanzminister Griechenlands zu sagen hat. Dabei spielt keine Rolle, dass er nichts Neues zu sagen hat. Varoufakis war das Gesicht der Krise. Und er ist es noch immer.

In München tritt er nicht alleine vors Publikum, an seiner Seite findet sich Hans-Werner Sinn. Auch er begleitet die deutsche Öffentlichkeit seit Langem durch die Eurokrise. Auch bei ihm ist absehbar, was er zu sagen hat.

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Hans-Werner Sinn hält den Euro zumindest in seiner jetzigen Form für einen Fehler.

(Foto: picture alliance / dpa)

Und so ist es wenig überraschend, dass sich beide Ökonomen einig sind: Der Euro sei – zumindest in seiner bisherigen Konstruktion – ein riesengroßer Fehler. Griechenland hätte nie der Eurozone beitreten dürfen. "Ich stimme Professor Sinn zu. Ohne Euro würde es uns allen besser gehen", sagt Varoufakis.

Das ist nicht neu, genauso wenig wie die Kritik an den Milliardenkrediten, die in Richtung Athen geflossen sind. Es sei doch absurd, einem bankrotten Schuldner noch mehr Schulden aufzuladen – obwohl man genau wisse, dass der das Geld nicht zurückzahlen könne, schimpfen Varoufakis und Sinn.  Und dann knüpfe man die Kredite an ein Sparprogramm, das den Schuldner immer mehr leiden lasse.

Euro als Selbstzweck

Der Euro sei ein Fetisch geworden, stellen beide fest. Er solle doch Frieden und Wohlstand bringen – und treibe Europa stattdessen auseinander. "Leihe dem Freund kein Geld. Denn dann ist er nicht mehr dein Freund", meint Sinn und spricht vom Euro als Selbstzweck. Das sei wie mit dem Kommunismus. Als sich herausstellte, dass der nicht funktioniere, habe man trotzdem an ihm festgehalten.

Bei aller Einigkeit gibt es einen nicht unwesentlichen Unterschied: Sinn hält den Grexit für die beste Idee. Varoufakis hält ihn für eine ganz schlechte Idee.  Sinns Vorschlag von einem Austritt auf Zeit quittiert er mit einem Lächeln: "Wenn wir den Preis für den Austritt zahlen, dann treten wir auch nicht wieder ein. Warum sollten wir?"

Dabei ist es nicht so, dass Varoufakis den Grexit nicht erwogen hätte. Doch der Preis sei ihm zu hoch erschienen, sagt er. Er habe in seinem Finanzministerium  mit einer kleinen Gruppe über einen "Plan X" nachgedacht. Der Abschied vom Euro sei aber nicht durchführbar: "Je länger man da hineinschaut, umso mehr Panik bekommt man." Die griechische Regierung habe allein schon aus praktischen Gründen keine Alternativwährung über Nacht einführen können, argumentiert Varoufakis. Das hätte rund ein Jahr in Anspruch genommen – und in der Übergangszeit in Griechenland zu Chaos geführt. Auch die Konsequenzen für den Rest der Eurozone seien unabsehbar.

"Ein mutiger Ökonom"

Dieses Risiko wollte Varoufakis nicht eingehen. Sinn besteht dagegen darauf, dass der Gexit möglich sei. Er wiederholt seine Zauberformel: Raus aus dem Euro, durch Abwertung wettbewerbsfähig werden. Nach einem Jahr sei das Schlimmste überstanden. Die "technischen Schwierigkeiten" seien lösbar.

Am Ende wird Sinn gebeten, seine Meinung über Varoufakis kundzutun. "Er ist ein mutiger Ökonom, der den Elfenbeinturm verlassen hat und dahin gegangen ist, wo die Löwen kämpfen", sagt Sinn.

Genau hier liegt ein Problem: Varoufakis ist als Finanzminister gescheitert. In dieser Position hätte er viel erreichen können. Nun ist er wieder im Elfenbeinturm, den Sinn nie verlassen hat.

Quelle: ntv.de

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