Wirtschaft

Aktienmärkte am Scheideweg Der Optimismus schwindet

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Warren Buffett: "Sei ängstlich, wenn andere gierig sind. Sei gierig, wenn andere ängstlich sind."

(Foto: imago/Hannelore Förster)

Der Herbst hat die Aktienanleger viel Nerven und noch mehr Geld gekostet. Und es spricht einiges dafür, dass es statt einer Jahresendrally zu weiteren Kursverlusten kommt. Erinnerungen an die frühen 2000er-Jahre werden wach.

Die Beben an den Aktienmärkten sind teilsweise heftig: Börsenliebling Apple hat Anfang November in nur wenigen Stunden circa 50 Milliarden Dollar an Wert verloren, IBM seit Anfang Oktober rund 20 Prozent. Der Kurs von General Electric hat sich seit Jahresanfang sogar in etwa halbiert.

Auch in China herrscht Baisse. Hier ist der gesamte Aktienmarkt innerhalb weniger Monate um 25 Prozent abgesackt. Probleme gibt es auch bei Anleihen. Denn riesige Teile der chinesischen Vermögen sind kreditfinanziert in den bekannten Geisterstädten investiert. Schon jetzt überschreitet die Ausfallrate von Anleiheschuldnern in der Volksrepublik die des Vorjahres deutlich. Aus medienwirksamen Einzelfällen wird zunehmend ein globales Problem.

Interessant ist in diesem Umfeld, wie sich die Dauer-Bären und -Bullen positionieren. Denn erstaunlicherweise geschieht hier bislang so gut wie nichts. Die Crash-Propheten jubeln nur sehr verhalten. Sie sehen sich zwar bestätigt. Aus ihrer Sicht ist die Entwicklung der vergangenen Monate aber lediglich der Auftakt zu Größerem. Auch die Fraktion der Bullen übt sich mehrheitlich in ungewohnter Zurückhaltung.

Déjà-vu

Uwe Günther ist Gründungsgesellschafter und Geschäftsführer der "BPM - Berlin Portfolio Management GmbH".

Uwe Günther ist Gründungsgesellschafter und Geschäftsführer der "BPM - Berlin Portfolio Management GmbH".

Anleger, die bereits in den frühen 2000er- Jahren und 2008/2009 dabei waren, erinnern sich sicherlich noch gut an die "Buy on dips"-Mentalität. Die vermeintlichen Schnäppchenjäger stuften Kursrückschläge immer wieder als günstige Einstiegschancen ein. Das fiel auch deswegen leicht, weil viele Anleger auf Gewinnpositionen saßen, die sie gedanklich zumindest teilweise riskieren konnten, weil sie "ja noch vorn lagen". Doch auch ein Großteil der Buchgewinne verschwand. Heute gilt wahrscheinlich erneut: "Verkaufe besser die Erholungsrallys, statt nachzukaufen."

Und wer oder was hat den Anlegern die Börsen-Suppe versalzen? Wahrscheinlich sind es die Zinsen. Die Rendite von US-Staatsanleihen mit zweijähriger Laufzeit ist auf fast drei Prozent gestiegen. Damit notiert sie so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr. Entsprechend hoch fielen die Kursverluste aus. Längere Laufzeiten schwächerer Schuldner bis hinauf ins BBB-Segment gerieten ähnlich stark unter Druck. Die neue Zinssituation führt buchstäblich in eine neue Welt - beziehungsweise in die alte Welt zurück - und macht aufgeblähte Bewertungskalkulationen zur Makulatur.

Warum erst jetzt?    

Die Zinsen steigen - vor allem in den USA - schon etwas länger. Doch erst seit Oktober schlägt dies auf die dortigen Aktienmärkte durch. Das ist durchaus normal. Erfahrungsgemäß reagieren diese mit einer zeitlichen Verzögerung von sechs bis zwölf Monaten. Zudem wirken die Steuersenkungen von US-Präsident Donald Trump zusätzlich verzögernd.

Schließlich ist eine extreme (Über-)Bewertung von Anlagen so lange möglich, wie es die Marktpsychologie zulässt. Es gilt daher intensiv zu beobachten, ob sich Stimmungslagen weiter verändern. Kippen diese in einem Maße, das die Marktfragilität sprunghaft steigt, könnten folgende Anlagen besonders stark betroffen sein:

  • Hochzins-Anleihen und sogenannte Junk Bonds sowie Investment-Grade-Bonds mit dem niedrigsten Rating (BBB),
  • Technologie- und E-Commerce-Anbieter, also die Lieblinge der Hedgefonds sowie
  • Passive Index-Fonds (ETFs), die im Stress schnell aktiv gehandelt – sprich losgeschlagen werden.

Dagegen sollten folgende Anlageklassen von einer weiteren Börseneintrübung, einer nahenden Rezession und den daraufhin zu erwartenden konzertierten Rettungsaktionen der Notenbanken profitieren:

  • US-Staatsanleihen
  • Edelmetalle, Rohstoffe und Minengesellschaften. Gerade bei Gold gibt es derzeit extreme Shortpositionen, die sich schnell auflösen und den Preis nach oben treiben könnten,
  • Aktien und Anleihen aus ausgewählten Schwellenländern und
  • Alternative Prämienstrategien.

In der ersten Phase eines möglichen Ausverkaufs ist ein anfänglicher Gleichlauf der genannten Profiteure mit anderen wenig attraktiven Anlageklassen durchaus möglich, bevor dann eine deutliche Abkopplung von diesen einsetzen könnte.

Anleger sollten Warren Buffett folgen. Von ihm stammt die Aussage: "Sei ängstlich, wenn andere gierig sind. Sei gierig, wenn andere ängstlich sind."

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Quelle: n-tv.de

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