Wirtschaft

Was schiefläuft bei VW Der ewige Kampf um Wolfsburgs Kirchturm

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Bei Volkswagen gibt es wieder einmal Querelen an der Spitze.

(Foto: imago stock&people)

Die Revolte des übermächtigen Betriebsratschefs gegen den VW-Boss Herbert Diess wirft den weltgrößten Autobauer bei den wichtigen Zukunftsentwicklungen zurück - wieder einmal. Der Konzern hat ein grundlegendes Problem mit seiner Organisationsstruktur.

Es geht wieder um den Kirchturm von Wolfsburg - so wie seit mehr als 30 Jahren. Die Organisationsstruktur von VW, des größten Autobauers der Welt, hängt schief. Die paritätische Mitbestimmung, der Landesbesitz von Stammaktien sowie das schräge VW-Gesetz sind die Ursachen der vielfältigen Skandale bei VW. Früher waren es Mädchen aus Brasilien, die den übermächtigen Betriebsratschef von VW ruhigstellen sollten, später kam Dieselgate.

Die Ursachen waren immer wieder die schwierigen Kostenverhältnisse in Wolfsburg. Der frühere Porsche-Chef Wendelin Wiedeking sprach von heiligen Kühen. Jetzt hat erneut Betriebsratschef Bernd Osterloh mit einer Revolte den Vorstandsvorsitzenden des VW-Konzerns zur "Lame Duck" werden lassen. Über Monate wurde Herbert Diess öffentlich durch den Betriebsrat demontiert. Das Instrument von Osterloh war der verpatzte Produktionsanlauf des Golf 8, ein TV-Werbeclip und Software-Probleme beim neuen Elektroauto ID 3.

Dabei ist schon lange nicht mehr der Golf das Maß der Dinge, sondern die SUV-Varianten, die von Diess massiv vorangetrieben wurden. Der Golf spielt in China keine Rolle, auch schon deshalb ist er ein "überschaubares" Problem. Die angebliche Mitarbeiterunzufriedenheit kommt aus Wolfsburg, nicht etwa aus China, USA oder Lateinamerika, den entscheidenden VW-Standorten.

Osterloh hat den Machtkampf wieder gewonnen. VW hat in einer äußerst herausfordernden Zeit seine selbst angezettelte Führungskrise. Die Transformation zum Elektroauto und die vom Coronavirus ausgelöste Weltwirtschaftskrise fordern alle Kraft und sollten keinen Raum für Betriebsratsrevolten lassen. Der bisherige Chief Operating Officer (Vorstand für das operative Geschäft) Ralf Brandstätter, der gemeinsam mit Diess den Anlauf des Golf 8, die Software und den ID3 geplant und umgesetzt hat, wird sein Nachfolger als Markenchef. Auch dies mutet sonderbar an. Gleichzeitig teilt VW mit, dass Einkaufschef Sommer VW verlässt. Sommer stand wie Diess für den Auf- und Ausbau der Elektromobilität, für die großen Batterieprogramme des Konzerns und damit für die Zukunft.

Zurück bleibt mehr als zerbrochenes Porzellan. Der größte Autobauer der Welt fährt erneut in eine selbstverschuldete Krise. Ein übermächtiger Betriebsratschef, schlechte Kostenwettbewerbsfähigkeit in den VW-Werken in Niedersachsen und eine schräge Unternehmensverfassung, ausgelöst durch die paritätische Mitbestimmung in Kombination mit einer 20-prozentigen Landesbeteiligung und einem skurrilen VW-Gesetz, sind die Ursachen.

Quelle: ntv.de