Auto

Fehlt nur "der letzte Schliff"? VW ID.3 weiter mit Startschwierigkeiten

DB2019NR01054_medium.jpg

Seit wenigen Tagen wird der VW IF.3 in Zwickau wieder produziert. Doch ganz ohne Probleme ist der Wagen wohl nicht.

(Foto: Oliver Killig)

So richtig kommt VW mit seinem ID.3 nicht aus den Puschen. Dabei sollte der kompakte Stromer doch das Startsignal für eine komplette Elektrifizierung sein. Am Ende ist es aber nicht allein die Corona-Krise, die die Produktion momentan stoppt.

VW will seinen Elektro-Golf, den ID.3, wie angekündigt "im Sommer" auf die Straße bringen. Einen genauen Starttermin kann aber auch E-Auto-Vertriebschefin Silke Bagschik nicht nennen. Zuletzt waren Gerüchte laut geworden, VW bekäme sein neues Elektroauto wegen Schwierigkeiten mit der Software nicht auf die Straße.

DB2019AL01955_medium.jpg

VW widerspricht dem Gerücht, dass Software-Probleme die Ursache für die Verzögerung der Produktion des ID.3 seien.

(Foto: VW)

Es wurde gemunkelt, das sich die Systeme komplett aufhängen, wenn die Fahrzeug-Software versucht, ein Update aufzuspielen. Dem widerspricht Bagschik vehement und verweist vielmehr darauf, dass dem Fahrzeug nur noch der "letzte Schliff" fehle. Spätestens im September, verspricht man bei VW, sollten die ersten Kunden den Schlüssel ihres ID.3 in den Händen halten.

Vorgestellt worden war der batteriebetriebene Kompaktwagen bereits im September 2019 auf der IAA in Frankfurt. Kurz darauf - im November - begann die Produktion, die nun nach dem erzwungenen Corona-Stillstand erneut in Zwickau anläuft. Dass die ersten Autos vielleicht erst ein gutes Dreivierteljahr nach Fertigungsstart beim Kunden sind, hat also sicher auch mit der Corona-Krise zu tun.

Bau von E-Autos ist nicht trivial

DB2019AU01062_medium.png

VW hat mit dem ID.3 ein komplett neues Fahrzeug entwickelt, was ebenfalls für Startprobleme sorgen kann.

(Foto: VW)

Dennoch ist eine solche Verzögerung eher ungewöhnlich, vor allem für einen Hersteller wie VW. Zu den Gründen dürfte also weiter zählen, dass der ID komplett neu konstruiert wurde. Konventionelle Modelle fußen in der Regel auf ihrem Vorgänger, was Entwicklung und Produktion stark erleichtert. Dass der Bau von E-Autos nicht so trivial ist, wie es gemeinhin aussieht, musste auch Tesla mit dem Model 3 erfahren. Auch der US-Konzern hatte massive Startschwierigkeiten.

Bevor die ersten ID.3 zu den Kunden fahren, vertreibt man sich bei VW die Zeit bis zum Marktstart mit empirischen Studien bei Probefahrten. Bagschik hat jüngst ebenso wie ihr Chef Jürgen Stackmann einen frisch gebauten ID.3 bekommen. Demnächst sollen auch noch weitere Manager der Vertriebsorganisation mit einem Modell versorgt werden.

DB2019AL01954_medium.jpg

Im September, verspricht VW, sollen die ersten ID.3 bei den Kunden sein.

(Foto: VW)

Das bis auf Weiteres kein ID.3 in Kundenhand kommt, ist möglicherweise auch der Angst geschuldet, sich mit einem unfertigen Fahrzeug den perfektionistischen Ruf zu verderben. Was technikaffine Tesla-Kunden an Kinderkrankheiten akzeptieren, winkt der skeptisch-rationale VW-Käufer mit Sicherheit nicht durch. Hier muss alles stimmen: von den Spaltmaßen bis zum Sitzkomfort. Wer in einen VW einsteigt, möchte in der Regel nach Hause kommen. Und da fühlt man sich eben besonders wohl und kennt sich mit allem bestens aus.

Betriebskostenrechnung geht momentan nicht auf

Aber auch die Betriebskostenrechnung soll potenzielle Käufer überzeugen. Im Ergebnis, so Silke Bagschik, sei der ID nicht teurer, sondern eher günstiger als ein Verbrenner. Dabei spielen die geringeren Wartungskosten, die Steuererleichterungen und die staatlichen Förderprogramme ebenso eine Rolle wie die niedrigen Energiekosten.

Das Problem: Aktuell sind Benzin und Diesel so billig zu haben, dass selbst der günstigste aktuelle Fahrstromtarif dagegen wie Beutelschneiderei aussieht. So gesehen hat die Verzögerung beim Marktstart am Ende vielleicht sogar noch eine gute Seite.

Quelle: ntv.de, hpr/sp-x