Wirtschaft

Reisen in leeren Zügen Deutsche Bahn fährt Milliarden-Minus ein

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Alle Züge fahren, aber leer: Die Corona-Krise vermiest der Deutschen Bahn das Geschäft.

(Foto: picture alliance/dpa)

Homeoffice statt Pendeln, leere Züge in Deutschland und Schwierigkeiten mit dem Auslandsgeschäft drücken die Deutsche Bahn tief in die roten Zahlen. Allein von Januar bis Juni muss der Staatskonzern ein Minus von 3,7 Milliarden Euro verkraften. Eine Besserung? Ist nicht in Sicht.

Die Deutsche Bahn steuert Konzernkreisen zufolge in diesem Jahr auf einen Verlust von mehreren Milliarden Euro zu. Bereits im ersten Halbjahr habe der Staatskonzern in der Coronakrise einen Betriebsverlust von 1,8 Milliarden Euro eingefahren, sagten mit den Zahlen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Aus Sorge vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus ist der Reiseverkehr eingebrochen. Zudem blieben viele Pendler im Homeoffice. Eine Besserung werde bis Jahresende nicht erwartet, sagten Konzernvertreter.

Im Gegenteil: Die Tochter Arriva, bei der das Auslandsgeschäft im Nahverkehr gebündelt ist, müsse 1,4 Milliarden Euro auf den Firmenwert abschreiben. Dies habe eine Sonderprüfung im Zuge der Corona-Krise ergeben. Noch im vergangenen Jahr wollte die Bahn mit dem Arriva-Verkauf um die zwei Milliarden Euro erlösen. Eine ähnliche Prüfung laufe noch bei der angeschlagenen Gütersparte.

Der Umsatz der Bahn sackte den Konzernvertretern zufolge auf 19,4 Milliarden Euro im ersten Halbjahr ab und lag damit etwa 2,5 Milliarden Euro unter dem Vorjahreszeitraum. Angesichts der Krise vor allem beim Geschäft in Deutschland stiegen die Schulden stark an. Ende Juni hätten sie bei 27,5 Milliarden Euro gelegen, hieß es. Zu Jahresbeginn waren es noch 3,3 Milliarden Euro weniger. Ein Bahn-Sprecher wollte sich nicht äußern und verwies auf die Halbjahrespressekonferenz am Donnerstag.

Arriva sollte Bahn aus Schuldenfalle befreien

Gerade auf die Nahverkehrstochter Arriva hatte die Bahn-Führung große Hoffnung gesetzt: Das Unternehmen mit Sitz in Großbritannien war 2010 von der Bahn für rund 2,7 Milliarden Euro inklusive Schulden gekauft worden. Lange galt es als Ertragsperle mit 50.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von zuletzt mehr als fünf Milliarden Euro. Um die steigenden Schulden des Konzerns aufzufangen, sollte Arriva zunächst an Investoren verkauft oder an die Börse gebracht werden. Unter anderem der Brexit und zuletzt noch die Corona-Krise ließen die Pläne platzen.

Tief in die Krise sind nach Aussage von Insidern auch praktisch alle Töchter im Inland gerutscht: Der lange erfolgreiche Fernverkehr büßte im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum rund eine Milliarde Euro an Umsatz ein und fuhr in die Verlustzone. Der Regionalverkehr verzeichnete ein Minus von fast 600 Millionen Euro. Die Güterbahn DB Cargo schnitt mit einem Fehlbetrag von 350 Millionen Euro relativ glimpflich ab. Allerdings hatten Wirtschaftsprüfer schon in den vergangenen Jahren wiederholt gewarnt, der Sparte drohten Abschreibungen auf den Unternehmenswert, wenn die Lage sich dort nicht bessere. Konzernvertreter sprachen angesichts der Sonderprüfung von einer hohen Wahrscheinlichkeit, dass wie bei Arriva Wertberichtigungen unvermeidlich seien.

Schon 2015 hatte eine Abschreibung bei DB Cargo dem gesamten Konzern einen Verlust von über einer Milliarde Euro eingebrockt. Die Regierung will der Bahn unter anderem mit einer Kapitalspritze von fünf Milliarden Euro helfen, damit sie weiter investieren und die Passagier- und Güterzahlen auch aus Klimaschutzgründen steigern kann.

Quelle: ntv.de, mau/rts