Wirtschaft

Cryans neuer Strategiewechsel Deutsche Bank-Kurs bricht ein

Wieder will sich die Deutsche Bank Milliarden am Kapitalmarkt besorgen. Wieder versucht das Finanzinstitut sich neu aufzustellen. Die Postbank spielt dabei eine wichtige Rolle. Analysten und Anleger reagieren unterschiedlich.

Mit einem Abschlag von mehr als sieben Prozent haben sich die Aktien der Deutschen Bank zum Start in die neue Handelswoche präsentiert. Die Titel waren damit der mit Abstand größte Verlierer im deutschen Börsenleitindex Dax. Der Kurs sackte im Tief bis auf Kurse um 17,60 Euro.

Deutsche Bank
Deutsche Bank 11,40

Deutschlands größte Bank hatte mitgeteilt, sich neu aufstellen zu wollen und gleichzeitig erneut eine milliardenschwere Kapitalerhöhung angekündigt. Acht Milliarden Euro sollen so dem Finanzinstitut zufließen. Dafür werden neue Aktien zu einem Kurs von 11,65 Euro ausgegeben. Das entspricht einem Abschlag von rund 40 Prozent zu den Kursen vom Freitag.

"Damit dürfte das Bezugsverhältnis bei 2 zu 1 liegen", kommentierte ein Händler. Den niedrigen Preis führte er darauf zurück, "dass das Institut die Kapitalerhöhung auf jeden Fall erfolgreich durchziehen will". Die Chance dafür sei hoch: "Wer Rang und Namen hat, ist nun auch dabei", sagte er mit Blick auf die begleitenden Banken. n-tv-Börsenexpertin Katja Dofel gab allerdings zu bedenken, dass die Bank über die Jahre nun mittlerweile 30 Milliarden Euro frisches Kapital eingesammelt habe und das mehr sei als der derzeitige Börsenwert.

Neben der Kapitalerhöhung kündigte das Institut eine ganze Reihe von Schritten an, mit denen es wieder in die Wachstumsspur zurückfinden will: Die Postbank will die Deutsche Bank nun doch behalten und in ihr Privat- und Firmenkundengeschäft integrieren. Beratungs- und Finanzierungsgeschäft, Kapitalmarktgeschäft sowie Transaktionsbank werden zusammengelegt. Nicht zuletzt will die Bank einen Teil der Vermögensverwaltung an die Börse bringen. Zudem stellte man trotz eines Milliardenverlusts eine Dividende in Aussicht.

Neuausrichtung kein Selbstläufer

Die Analysten von S&P Global werteten die Schritte der Bank positiv und heben das Kursziel auf 21 nach 19 Euro an. Die Kapitalerhöhung und die Entscheidung, die Postbank zu behalten, stellten einen klaren Richtungswechsel gegenüber der Strategie dar. Die beabsichtigte Veräußerung weiterer Vermögenswerte berge allerdings das Risiko einer zu großen Schrumpfung.

"Es geht jetzt vor allem darum, die Postbank glaubwürdig zu integrieren und Details zum geplanten Umbau des Investmentbankings zu geben", sagte Magdalena Stoklosa von Morgan Stanley. "Die neuen Ziele sehen auf den ersten Blick ambitioniert aus. Obwohl die Dividende gering ausfällt, ist sie ein Signal für die Zukunftsfähigkeit des neuen Geschäftsmodells."

"Wir gehen davon aus, dass die Großaktionäre die Kapitalerhöhung zeichnen werden. Auch scheint uns das Umfeld ausreichend stabil, um zu erwarten, dass die Maßnahme erfolgreich durchgeführt werden kann", kommentiert Ingo Frommen von der LBBW. "Allerdings liegen weitere schwierige Umbaujahre vor der Deutschen Bank." Die Neuausrichtung des Instituts sei kein Selbstläufer.

Quelle: ntv.de, bad/DJ/rts

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