Wirtschaft

Postbank-Veräußerung Deutsche Bank muss "kreativ" werden

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Der Postbank-Kauf erwies sich nicht als der große Wurf.

(Foto: dpa)

Die Deutsche Bank muss die Postbank in einem schwierigen Kapitalmarktumfeld verkaufen. Der Dax-Konzern müsste dabei kräftige Abstriche machen. Die Spitze um John Cryan tüftelt deshalb an klugen Lösungen.

Die Deutsche Bank hat viel für die Postbank bezahlt, bekommt aber wohl nur wenig zurück. Sie rechnet jedenfalls nicht damit, "mit dem Verkauf der Postbank viel Geld zu verdienen", wie Vorstandschef John Cryan bei einer Investorenkonferenz in New York sagte. Die Deutsche Bank hatte die Postbank unter der Führung von Josef Ackermann für rund 6,5 Milliarden Euro gekauft. Dies schaffte sie nur mit Hilfe einer Kapitalerhöhung im Jahr 2010, bei der sie 10,2 Milliarden Euro einsammelte.

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Den Deal verkaufte Ackermann damals als großen Coup, doch für die Deutsche Bank und die Postbank selbst ging die Rechnung nicht auf. Die Finanzkrise und die damit einhergehenden Abschreibungen auf Staatsanleihen sowie die strengeren Kapitalvorschriften hingen wie Blei an den Füßen.

Die Deutsche Bank will die Postbank bis Ende 2017 dekonsolidieren, also bis dahin einen Anteil von weniger als 50 Prozent halten. Mit dem Verkauf der Postbank will sie in erster Linie Kapital freisetzen und ihre Verschuldungsquote von aktuell 3,4 Prozent verbessern. Von Investmentbanken erwarten die Kapitalmärkte eine deutlich bessere Quote. Die Postbank selbst hat eine Verschuldungsquote von ebenfalls 3,4 Prozent, was für eine Privatkundenbank ohne riskantes Geschäft als ausreichend gesehen wird.

Das Umfeld ist schwierig

Nun muss die Deutsche Bank in einem schwierigen Kapitalmarktumfeld verkaufen. Die Europäische Zentralbank drückt seit Jahren die Zinsen auf einem äußerst niedrigen Niveau und erschwert damit das Privatkundengeschäft enorm. Daher gestaltet sich die Trennung von der Postbank nicht nur als zäh, sie erfordert nach Worten von Cryan auch "kreative Lösungen". Wie diese aussehen könnten, ließ er zunächst im Dunkeln. Denkbar ist ein Börsengang in mehreren Schritten - oder eben ein Verkauf an Dritte.

Doch die Kaufinteressenten stehen nicht gerade Schlange. Banken sind für Investoren allein wegen der schärferen Regulierung weniger attraktiv geworden. Zudem ist der Privatkundenmarkt in Deutschland nicht nur wegen der niedrigen Zinsen margenarm, sondern auch wegen der hohen Bankendichte.

Postbank-Chef setzt auf Automatisierung

Mit mehr als 1000 Niederlassungen hat die Postbank ein eng geflochtenes Filialnetz, das Geld schluckt. Sie braucht die Filialen aber für die Kooperation mit der Post. Am Schalter wickeln die Postbank-Angestellten auch das ganz normale Brief- und Päckchengeschäft ab. Der Vertrag mit der Post wurde 2014 verlängert und läuft bis 2020.

Vorstandschef Frank Strauß modernisiert die Filialen nach und nach. Sein Fokus liegt aktuell auf die Automatisierung des Geschäfts mit Hilfe von Selbstbedienungsautomaten. Hier investiert die Postbank jährlich einen großen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag.

Quelle: ntv.de, wne/DJ