Wirtschaft

Sewing verzichtet auf Gehalt Deutsche Bank setzt die Jobsense wieder an

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing muss mitten in der Corona-Krise 18.000 Jobs streichen.

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing muss mitten in der Corona-Krise 18.000 Jobs streichen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Corona-Schonfrist für die Deutsche-Bank-Belegschaft ist vorbei: Die Pandemie zwingt Konzernchef Christian Sewing, den zeitweise auf Eis gelegten Abbau von 18.000 Stellen wieder aufzunehmen und sogar noch zu beschleunigen. Auch die Chefetage bleibt nicht verschont.

Die Deutsche Bank drückt aus Sorge um die Folgen der Corona-Pandemie noch stärker auf die Kostenbremse und setzt ihren geplanten Radikalumbau fort. "Niemand kann derzeit vorhersagen, wie schnell die Wirtschaft wieder anspringt, wenn nun Ausgangssperren und andere Beschränkungen gelockert werden. Vom Normalbetrieb ist die Weltwirtschaft derzeit weit entfernt", sagte Vorstandschef Christian Sewing laut einer vorab veröffentlichten Rede, die er bei der virtuellen Hauptversammlung am kommenden Mittwoch halten wird. Das Aktionärstreffen am 20. Mai findet komplett als Online-Veranstaltung statt.

"Wenn wir unser Transformationsprogramm weiter verfolgen, müssen wir die Kosten konsequent weiter senken. Und dazu gehört leider auch, dass wir den Stellenabbau wie geplant umsetzen müssen", betonte Sewing. Die Personalabbaugespräche, die wegen der Pandemie Ende März auf Eis gelegt worden waren, würden nun wieder aufgenommen. "Das ist immer schmerzhaft und es ist ganz besonders schmerzhaft in diesen Zeiten. Aber wir müssen in diesem Umfeld an unseren Kostenprogrammen festhalten", sagte Sewing. Er bekräftigte zugleich: "Wir werden dabei alles tun, um den Stellenabbau so sozialverträglich wie möglich zu gestalten."

Sorge vor wachsenden Kreditausfällen

Die Deutsche Bank steckte schon vor der Corona-Pandemie in der größten Krise ihrer Geschichte. Nach fünf Verlustjahren in Folge - 2019 schloss die Bank mit einem Minus von 5,3 Milliarden Euro ab - verkündete Sewing im vergangenen Sommer radikale Sparmaßnahmen: 18.000 Jobs fallen weg, fast jeder fünfte Mitarbeiter muss gehen. Die Bank zieht sich aus einigen Ländern und Geschäftsbereichen wie dem Aktienhandel komplett zurück. Vor allem das Investmentbanking streicht sie radikal zusammen. Bis 2022 sollen die Kosten auf 17 Milliarden von 21,5 Milliarden Euro im vergangenen Jahr sinken.

Zu diesem Epochenwandel kommt nun die nicht minder historische Corona-Krise hinzu. Das erste Quartal schloss die Bank zwar noch mit einem Mini-Gewinn ab, musste die Risikovorsorge im Kreditgeschäft aber deutlich erhöhen und das Gewinnziel für das Gesamtjahr kassieren. Die Bank geht davon aus, dass die Krise sie "hart treffen" wird. Deshalb bleibt ihr nun offenbar keine andere Wahl, als den geplanten Stellenabbau trotz ohnehin hoher emotionaler Belastungen der Belegschaft durch die Corona-Krise fortzusetzen.

Wie schlimm der Einbruch wird, lässt sich noch nicht mit Sicherheit sagen, die Bank legt ihre nächsten Quartalszahlen am 29. Juli vor. Klar ist nur: "Natürlich werden Kreditausfälle steigen", wie Konzernchef Sewing selbst eingeräumt hat. Einen ersten Vorgeschmack auf die möglichen Corona-Folgen im Bankensektor liefert die Commerzbank: Sie rutscht im ersten Quartal in die roten Zahlen, vor allem wegen gestiegener Risikovorsorge für Kreditausfälle.

Mehr Homeoffice und Nachhaltigkeit

Angesichts der düsteren Aussichten geht Sewing nun bei der Deutschen Bank auf Nummer sicher. Weil die Bank bei der Umsetzung der Sparmaßnahmen im Plan liege, "haben wir entschieden, unser Kostensenkungsprogramm weiter zu beschleunigen". Auch die Chefetage bleibt davon nicht verschont. Die Zahl der Führungskräfte soll weiter verringert werden: Die Bank habe bereits heute 13 Prozent weniger Managing Directors, also Angestellte auf der höchsten Hierarchiestufe, als noch vor zwei Jahren, betonte Sewing in seiner Rede. Zudem verzichten alle Mitglieder des Vorstands und des erweiterten Führungsgremiums für einen Monat auf ihr Festgehalt.

Angesichts der krisenbedingten Veränderungen denkt die Deutsche Bank über weitere Einsparpotenziale nach. 60 Prozent der Belegschaft arbeiten laut Sewing derzeit weltweit vom Homeoffice aus. "Brauchen wir dann noch so viel Büroraum in teuren Metropolen?", fragte Sewing in seinem Redemanuskript. Und: "Wenn Videokonferenzen in vielen Fällen fast genauso gut sind wie ein Besuch beim Kunden - müssen dann unsere Kolleginnen und Kollegen noch so viel reisen und vor allem fliegen?"

Zugleich will er nicht nur den Rotstift ansetzen, sondern in Zukunftstechnologien investieren. In die als marode geltenden IT-Systeme sollen bis 2022 rund 13 Milliarden Euro fließen. Zudem will Sewing stärker auf grüne Investments setzen: Bis 2025 will der Deutsche-Bank-Chef mindestens 200 Milliarden Euro an nachhaltigen Krediten, platzierten Anleihen und nachhaltig verwaltetem Vermögen generieren. Dazu will die Bank bis zur nächsten Quartalsbilanz Ende Juli eine Richtlinie für Investments im Öl- und Gasbereich vorlegen. "In dieser Phase des Umbruchs müssen wir unsere Bank noch wetterfester machen", sagte Sewing. "Wir können zwar nicht die Stärke des Sturms bestimmen, wohl aber die Stabilität unseres Schiffs."

Quelle: ntv.de, mit rts

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