Wirtschaft

Eisiges Schweigen für Achleitner Deutsche Bank will ihr Image aufmöbeln

10ed1861a5be8dcd1febb08f4b85a7a8.jpg

Zu Beginn der Hauptversammlung in der Frankfurter Festhalle

(Foto: dpa)

Die Deutsche Bank bemüht sich mit Hochdruck um den Abbau ihrer zahlreichen juristischen Altlasten und sieht sich selbst auf der "Zielgeraden". Zudem betont die Bank nach der Aufregung um Briefkastenfirmen die "Gesetzmäßigkeit ihrer Geschäfte".

Nach der Aufregung um Briefkastenfirmen in Panama hat die Deutsche Bank die Gesetzmäßigkeit ihrer Geschäfte betont. "Die Deutsche Bank bietet keine Konten für Gesellschaften an, bei denen sie nicht die Person kennt, die letztlich dahintersteht", versicherte der scheidende Co-Chef des Instituts, Jürgen Fitschen, bei der Hauptversammlung des Dax-Konzerns in Frankfurt. "Außerdem tun wir im Rahmen der Geldwäscheprüfungen alles, um sicherzustellen, dass über diese Firmen keine illegalen Transaktionen abgewickelt werden."

Fitschen, der sich seit seinem Amtsantritt im Juni 2012 um einen "Kulturwandel" bei Deutschlands größtem Geldhaus bemüht, räumte ein: "Ja, wir haben in der Vergangenheit Fehler gemacht und bedauern, dass einige in unserer Bank Regeln und teilweise sogar Gesetze gebrochen haben." Jedem Mitarbeiter müsse klar sein: "Jeder, der für uns arbeitet, muss ein sicheres Gefühl entwickeln, welche Geschäfte wir machen und welche Geschäfte und Kunden wir besser meiden." Fitschen verlässt mit Ablauf der Hauptversammlung den Vorstand, Co-Chef John Cryan übernimmt dann die alleinige Führung.

Die Deutsche Bank hatte kurz nach Veröffentlichung der sogenannten Panama Papers Anfang April eingeräumt, Kunden bei der Vermittlung von Briefkastenfirmen im Ausland geholfen zu haben.

Derweil verteidigte Aufsichtsratschef Paul Achleitner das Geldhaus und sich selbst gegen die heftige Kritik von Aktionären. "Nach allen Turbulenzen des vergangenen Jahres sind wir hier im Aufsichtsrat zuversichtlich, dass die Deutsche Bank in die richtige Spur bekommen ist. Wir sind noch nicht dort, wo wir sein wollten. Aber: Die Ziele stimmen, der Weg ist klar definiert, der neue Vorstand kommt gut voran."

Achleitner hatte im Sommer 2015 Co-Chef Anshu Jain ausgetauscht, nach der Hauptversammlung in diesem Jahr tritt Fitschen ab. Die Bank wird dann alleine von Cryan geführt. Viele Aktionäre sind der Ansicht, dass Achleitner den Wechsel zu spät vorgenommen hat. Achleitner sieht das anders. Es sei richtig gewesen, erst die neue Strategie festzulegen, die nötigen Strukturen zu entwickeln und dann die richtigen Personen dafür zu suchen. "Eine Strategie ist keine Lego-Bauanleitung für das Management. Eine Strategie ist vielmehr ein Kompass, der zeigt, wo wir hinwollen", sagte Achleitner, dessen Rede mit einem eisigen Schweigen aus der Halle bedacht wurde. Applaus erntete dagegen Cryan.

Grund für den "ungewöhnlich radikalen Umbau" sei auch das Verhältnis zu den Aufsichtsbehörden gewesen. Die Finanzaufsicht BaFin hatte vor allem Jain hart kritisiert. Bei vielen Deutsche-Bank-Investoren ist der Frust wegen des Rekordverlustes 2015, diverser Skandale und des vor sich hin siechenden Aktienkurses groß. "Die Reputation hat gelitten, das Vertrauen am Kapitalmarkt ist erschüttert, der Aktienkurs ist ein Desaster", sagte Fondmanager Ingo Speich von Union Investment auf der Hauptversammlung. "Die Deutsche Bank steckt in der schwersten Krise ihrer Geschichte."

Beispiellose Indiskretion

Kritik äußerte Speich auch an den "beispielslosen Indiskretionen" rund um das Ausscheiden des Aufsichtsrats Georg Thoma aus dem Kontrollgremium. Der Jurist war Ende April auf Druck seiner Kollegen zurückgetreten, weil diese ihm Übereifer bei der Aufarbeitung von Skandalen vorwarfen. Achleitner tut diese Entwicklung nach eigenem Bekunden "besonders leid", da ihn eine langjährige Freundschaft mit Thoma verbindet. Der Rückzug war aus seiner Sicht aber unvermeidbar. Bei dem Streit sei es "weniger um den Inhalt, als vielmehr um die Form der Prüfhandlugen gegangen. Das Vertrauensverhältnis war derart belastet, dass der Rücktritt von Herrn Thomas schließlich im Interesse des Unternehmens war."

Einige Aktionäre fordern hinter vorgehaltener Hand auch einen Rückzug von Achleitner, dessen Vertrag im kommenden Jahr ausläuft. Der Österreicher will jedoch kämpfen und bekräftigte, er wolle weiter an Bord bleiben. "Deshalb stehe ich heute hier und würde mich auch wieder hier hinstellen, wenn dieses Jahr eine Wiederwahl anstünde." Mehrere Großaktionäre wollen Achleitner Stand heute dabei allerdings nicht unterstützen.

Fitschen bleibt dem Geldhaus allerdings verbunden. Der 67-Jährige soll Unternehmenskunden in Europa und Asien beraten und dafür "sein über Jahrzehnte aufgebautes Kundennetzwerk nutzen", erklärte die Deutsche Bank. "Jürgen Fitschen hat sich mit Leib und Seele um die Bank verdient gemacht", sagte Vorstandschef Cryan. "Ich bin sehr froh, dass Jürgen sein wertvolles Wissen und sein hervorragendes Netzwerk auch weiter in den Dienst der Bank und unserer Kunden stellen wird."

Quelle: ntv.de, ppo/dpa/rts

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.