Wirtschaft

Politik drängt zu Fusionen Deutsche Bankenlandschaft wird umgepflügt

108486370.jpg

Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Deutsche Bank über eine Fusion nachdenkt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bundesfinanzminister Olaf Scholz erzeugt mehr oder weniger subtil Druck auf die Deutsche Bank, in eine Fusion einzuwilligen. Dass es zu Zusammenschlüssen kommt, ist so gut wie sicher. Die Frage ist nur: Wer mit wem?

Wenn Bundesfinanzminister Olaf Scholz und der Vorstandschef der Deutschen Bank Christian Sewing dieser Tage über die Zukunft der deutschen Bankenlandschaft reden, sind sie so etwas wie Brüder im Geiste. Beide üben sich in größtmöglicher Zurückhaltung und beschränken sich auf Äußerungen, die keinerlei Tendenz für eine Fusion zweier Geldhäuser zulassen. Wird der Bundesfinanzminister danach gefragt, sagt er: "Ich will keine Kurse beeinflussen." Sewing belässt es bei Aussagen wie dieser: "Unser globaler Anspruch wird unter meiner Führung nicht zur Debatte stehen." Alles andere wäre eine Überraschung und würde den Kurs der Aktie weiter in den Keller drücken.

Deutsche Bank
Deutsche Bank 7,10

Aber offizielle Verlautbarungen sind etwas ganz anderes als das, was intern abläuft. Sewing und Scholz haben das gleiche Ziel: Sie wollen eine starke Bank mit Sitz in Deutschland, die in der Weltliga der Finanzkonzerne mitspielen kann. Der Finanzminister hat zuletzt öffentlich dafür geworben. Seine Anregung zu klären, wie sich deutsche Banken aufstellen müssten, "um global mithalten zu können", verband er zwar nicht mit einem Votum für eine bestimmte Fusionsvariante. Doch Druck auf Sewing übt Scholz damit sehr wohl aus. Denn welches Unternehmen sollte er meinen, wenn nicht die Deutsche Bank?

Im internationalen Vergleich sind die deutschen Geldhäuser zurückgefallen. Während französische, schweizerische und amerikanische Konkurrenten den Lehman-Schock schneller verkraftet haben und wieder üppige Gewinne einfahren, wird die Deutsche Bank laut Sewing dieses Jahr erstmals seit 2014 wieder einen Gewinn ausweisen. Die Commerzbank ist gar aus dem Club der 30 Dax-Unternehmen geflogen.

Die italienische Unicredit - Muttergesellschaft der deutschen Hypovereinsbank - und die französische Société Générale sind seit Monaten im Austausch über eine Fusion. Ein Zusammenschluss zu einer europäischen Großbank brächte Sewing noch mehr in Zugzwang. Im Bundesfinanzministerium wird die Entwicklung aufmerksam beobachtet. "Wenn die europäische Bankenlandschaft neu geordnet wird, müssen die deutschen Banken eine relevante Rolle spielen", heißt es im Hause Scholz.

Wie attraktiv ist Deutschland für Finanzinstitute?

Hintergrund ist auch die Sorge in der Regierung, dass die Bundesrepublik einen Global Player in der Finanzbranche brauche, um seinen Titel als Exportweltmeister zu verteidigen. Scholz übt sich deshalb in Industriepolitik mit dem Ziel, über die Banken den Standort Deutschland zu sichern. Das ist allerdings umstritten. "Ich halte nichts davon, dass man jetzt auf Teufel komm raus nationale Champions kreiert", sagt etwa Dorothea Schäfer, Bankenexpertin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) auf Anfrage. "Das Argument, Deutschland habe keine Großbank, die die exportorientierte Wirtschaft unterstützt, zieht aus meiner Sicht nicht." Die Deutsche Bank sei groß genug. Ihre Bilanzsumme betrage trotz aller Schwierigkeiten noch immer mehr als 1000 Milliarden Euro.

Ungeachtet dessen ist es ein offenes Geheimnis, dass die Deutsche Bank über eine Fusion nachdenkt. Die Frage ist nur: Mit wem? Der heimischen Commerzbank oder einem ausländischen Finanzkonzern? Oder gar erst das eine und dann das andere? "Ich fürchte, wenn man die Coba und die Deutsche Bank zusammenlegt, kommt ein Scheinriese heraus", sagt ein Insider und verweist darauf, dass sich der Kauf der Dresdner Bank für die Commerzbank "nicht wirklich" gelohnt habe. "Die Wachstumsphantasien waren schnell ausgeträumt." Bei der deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz hieß es schon im Februar: "Bei einer Fusion hätten wir national eine sehr starke Bank, aber international immer noch keine führende."

Commerzbank
Commerzbank 6,65

Durchgerechnet haben sollen die Experten der Deutschen Bank bereits sowohl ein Zusammengehen mit der Commerzbank als auch der UBS. In letzterem Fall könnte - schaut man auf die Börsenzahlen - kaum von einer Fusion unter Gleichen gesprochen werden. Der Schweizer Finanzkonzern, der sich vom Lehman-Desaster längst erholt hat, ist doppelt so viel wert wie der deutsche Mitbewerber. Ob der Hauptsitz der Muttergesellschaft in Frankfurt am Main wäre? DIW-Expertin Schäfer hält das Szenario für unrealistisch: "Die UBS ist als eigenständiges Institut ganz gut aufgestellt, die Deutsche Bank könnte da ohnehin wenig gewinnen."

Wie auch immer: Die deutsche Bankenlandschaft wird in naher Zukunft umgepflügt werden, auch durch Fusionen. Wie attraktiv der Standort für Finanzinstitute ist, zeigen der Kauf der HSH Nordbank durch ein Konsortium um die Finanzinvestoren Cerberus und JC Flowers Flowers und die sich abzeichnende Bieterschlacht um einen Einstieg bei der Norddeutschen Landesbank, der NordLB. Auch hier mischt die New Yorker Investmentgesellschaft Cerberus wieder mit. Ihre Finger nach der Nord LB ausgetreckt haben zudem mindestens zwei Landesbanken und - selbst für Insider überraschend - die Commerzbank.

Scholz gilt als Befürworter der angedachten Fusion

Der NordLB wird von Fachleuten prinzipiell bescheinigt, recht solide dazustehen. Wären da nicht die Lasten der Vergangenheit, viel zu viele angefaulte oder bereits toxische Schiffskredite. Ihr fehlt es an Eigenkapital irgendwo zwischen 2,5 und 3,5 Milliarden Euro. Das Land Niedersachsen - es hält als Mehrheitseigner 60 Prozent an dem Unternehmen - bastelt seit Monaten an einem Rettungspaket, das auch die Öffnung für private Anteilseigner einschließt. Das ist juristisch allerdings kompliziert. Käme tatsächlich Cerberus zum Zuge, würde das den Boden bilden für Spekulationen über eine Fusion mit der HSH.

Während der niedersächsische CDU-Finanzminister Reinhold Hilbers einem Einstieg privater Investoren wohl nicht den Weg versperren würde, lehnen die Kommunen und die ebenfalls an der NordLB beteiligten Sparkassen eine Teilprivatisierung ab. Kein Wunder, dass der Vorstoß für eine Megafusion der NordLB sowie den Landesbanken Hessen-Thüringen (Helaba) und Baden-Württemberg (LBBW) auf den Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Helmut Schleweis, zurückgeht.

"Die Sparkassen wären gut beraten, durch den Zusammenschluss der Landesbanken ein einziges Spitzeninstitut zu bilden, maximal zwei", sagt DIW-Forscherin Schäfer. "Dann würden sich die Landesbanken, die inzwischen alle global unterwegs sind, nicht mehr länger untereinander Konkurrenz machen." Es wäre für sie wesentlich einfacher, Gewinne zu erzielen. Sie glaube, dass es zu diesem Konzentrationsprozess bei den Landesbanken kommen werde. "Wie sehr der private Sektor davon erfasst sein wird, ist nicht absehbar."

Scholz gilt als Befürworter der angedachten Fusion unter den Landesbanken. Spekuliert wird, dass er sogar auf Grund der 15-Prozent-Beteiligung des Bundes an der Commerzbank mitmischt. Mit dem Ziel, die Helaba und die LBBW in Zugzwang zu bringen, habe der Bundesfinanzminister der Commerzbank nahegelegt, sich um die NordLB zu bemühen, berichtet ein Kenner der Materie. "Wenn es so war, könnte die Rechnung aufgehen."

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema