Wirtschaft

Volksrepublik als Fitnesscenter?Deutsche Unternehmen steigern China-Investitionen deutlich

13.09.2026, 14:07 Uhr
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"Deutschen Unternehmen bleibt kaum eine Wahl, als weiter in China zu investieren", sagt ein Experte des Instituts der deutschen Wirtschaft. (Foto: Peerapon Boonyakiat)

Ob als Test für den Weltmarkt oder aus Alternativlosigkeit: Firmen aus Deutschland engagieren sich in der ersten Jahreshälfte stärker in China als noch ein Jahr zuvor. Auf einem anderen Markt hingegen üben sich Unternehmen in Zurückhaltung.

Deutsche Unternehmen haben ihre Investitionen in China einer Studie zufolge im ersten Halbjahr deutlich hochgefahren. Sie investierten rund 5,6 Milliarden Euro zusätzlich in der Volksrepublik, wie aus einer Auswertung von Bundesbank-Daten durch das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) hervorgeht. Der Betrag liegt rund ein Drittel über dem des Vorjahreszeitraums. Im längerfristigen Vergleich bewegt er sich jedoch im üblichen Rahmen: Der Durchschnitt der Halbjahreswerte von 2020 bis 2025 lag ebenfalls bei 5,6 Milliarden Euro. Die deutschen Unternehmen finanzieren den Ausbau aber immer mehr aus eigenen Gewinnen vor Ort.

"Deutschen Unternehmen bleibt kaum eine Wahl, als weiter in China zu investieren", sagte IW-Experte Jürgen Matthes. "Das Land ist ein wichtiger Absatzmarkt und einige Firmen nutzen es als 'Fitnesscenter'." Dahinter stecke ein Kalkül: Wer sich gegen die harte Konkurrenz vor Ort durchsetze, schaffe das auch eher auf dem Weltmarkt.

Zum Vergleich: Bei Investitionen in den USA treten die deutschen Unternehmen auf die Bremse. Im ersten Halbjahr fuhren sie ihr Engagement um fast zwei Drittel auf rund 4,3 Milliarden Euro zurück. US-Präsident Donald Trump hat mit seiner Wirtschaftspolitik viele wichtige Handelspartner verprellt und mit hohen Zöllen überzogen, darunter die EU und damit Deutschland.

"Staat subventioniert Unternehmen"

Die anhaltend hohen China-Investitionen haben dem IW zufolge auch mit dem Yuan-Kurs zu tun. "Die Produktion in China ist künstlich vergünstigt - der Staat subventioniert Unternehmen, und die unterbewertete Währung verbilligt chinesische Waren zusätzlich", erklärte Matthes. Wer im scharfen globalen Preiswettbewerb gegen chinesische Firmen bestehen wolle, müsse deshalb selbst stärker dort produzieren und die Wettbewerbsverzerrungen auch für sich nutzen. "Für Deutschland heißt das: Produktion und Arbeitsplätze wandern nach China ab", betonte der IW-Experte. "Die EU sollte diesem unfairen Spiel einen Riegel vorschieben und Ausgleichszölle auf chinesische Importe erheben."

Hinter der stabilen Gesamtzahl der deutschen Investitionen steht dem IW zufolge eine gespaltene Entwicklung: Manche Firmen fahren ihr China-Geschäft zurück, weil dort das Umfeld schwieriger geworden und der Konkurrenzdruck enorm ist. Seit 2017 übersteigt demnach der Wert der aufgelösten Beteiligungen den der neuen: Zwischen 2017 und 2024 investierten deutsche Firmen jährlich zwei Milliarden Euro in neue Beteiligungen. Zugleich lösten sie bestehende im Wert von 3,6 Milliarden Euro auf. Unterm Strich flossen so 1,6 Milliarden Euro pro Jahr ab, 2025 ebenso viel. Ein ähnliches Bild zeigen die Direktinvestitionskredite: Seit 2023 holen sich die deutschen Mutterkonzerne Geld von ihren chinesischen Töchtern, 2025 waren es 2,7 Milliarden Euro.

Die deutsche Industrie hat zuletzt den Druck auf Bundeskanzler Friedrich Merz erhöht, einen härteren Kurs gegenüber China einzuschlagen. Angesichts des aus ihrer Sicht unfairen Wettbewerbs fordern Wirtschafts- und Firmenvertreter schärfere Maßnahmen. Die wachsende Entschlossenheit der Wirtschaftslobby markiert eine Wende, nachdem Deutschland aus Sorge vor chinesischen Vergeltungsmaßnahmen lange vor Handelsbarrieren zurückschreckte. Die Bundesregierung will nun Vorschläge erarbeiten, um auf die Handelsungleichgewichte zu reagieren. Die Position Deutschlands dürfte auch die Haltung der gesamten Europäischen Union prägen, deren Gespräche mit der Regierung in Peking für Oktober angesetzt.

Einem Bericht der Industriestaaten-Gruppe OECD vom Juni zufolge erhielten chinesische Hersteller im Verhältnis zu ihrem Umsatz drei- bis achtmal mehr staatliche Hilfe als Konkurrenten aus den OECD-Ländern. Deutschlands Handelsdefizit mit China als seinem größten Handelspartner weitete sich im vergangenen Jahr um rund 22 Milliarden Euro auf etwa 89 Milliarden Euro aus. "Wir müssen mit China diskutieren, was da los ist", sagt Volker Treier, Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK). "Wenn sich bestätigt, dass dies auf Subventionen oder unfairen Wettbewerb zurückzuführen ist, dann ist das ein Thema."

Quelle: ntv.de, nbr/rts

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