"Krise ist noch nicht vorbei"Deutsche Wirtschaft legt leicht zu

Die Nachricht ist besser als erwartet: Die deutsche Wirtschaft wächst im letzten Quartal 2025 wieder. Sie habe sich "aus der Rezession gelöst", sagt zwar ein Chefvolkswirt. Doch für Jubel ist es zu früh.
Die deutsche Wirtschaft ist Ende 2025 wegen höherer Konsumausgaben überraschend kräftig gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt sei von Oktober bis Dezember um 0,3 Prozent zum Vorquartal gestiegen, teilte das Statistische Bundesamt mit. "Damit beendete die deutsche Wirtschaft das insbesondere für den Außenhandel turbulente Jahr 2025 im Plus", hieß es. Dafür sorgten vor allem wachsende private und staatliche Konsumausgaben. Eine frühere Schätzung von Mitte Januar hatte nur ein Wachstum von 0,2 Prozent ergeben. Diese basierte aber auf weniger Daten. Im dritten Quartal 2025 hatte es nur zu einer Stagnation gereicht, im zweiten war die Wirtschaftsleistung sogar um 0,2 Prozent gesunken.
"Das Plus im vierten Quartal zeigt, dass sich die deutsche Wirtschaft aus der Rezession gelöst hat", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. "Aber die Krise ist noch nicht vorbei." Das viele Geld der Bundesregierung für Infrastruktur und Aufrüstung werde kaum auf fruchtbaren Boden fallen, weil eine große Mehrheit der Unternehmen nicht an den lang ersehnten Neustart in der Wirtschaftspolitik glaube. Hinzu kämen die Zölle von US-Präsident Donald Trump.
2025 insgesamt legte Europas größte Volkswirtschaft wie bislang geschätzt um 0,2 Prozent zu, nachdem sie zuvor zwei Jahre in Folge geschrumpft war. Dafür sorgten steigende Konsumausgaben, während die Exporte unter höheren US-Zöllen, Euro-Aufwertung und stärkerer Konkurrenz aus China litten. Die Wirtschaftsleistung liegt dennoch nur in etwa auf dem Niveau von 2019, dem Jahr vor Ausbruch der Corona-Pandemie.
Freihandelsabkommen als Lichtblicke
"Die Abkommen mit den Mercosur-Staaten und Indien sind erste Lichtblicke", sagte der Chefvolkswirt der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe, Alexander Krüger. "Da aber kaum reformiert wird, müssen die Mittel aus dem Fiskalpaket jetzt richtig eingesetzt werden." Ansonsten drohe ein konjunkturelles Strohfeuer. Die Bundesregierung rechnet für das laufende Jahr mit einem Wachstum von 1,0 Prozent. Zwei Drittel des erwarteten Wachstums gehen demnach auf staatliche Impulse zurück. Das sind vor allem Investitionen in die Sanierung der Infrastruktur und zur Aufrüstung der Bundeswehr.
Erste Indikatoren deuten auf einen schwachen Jahresauftakt hin. Der Ifo-Geschäftsklimaindex verharrte im Januar auf dem Vormonatswert von 87,6 Punkten, wie das Münchner Institut bei seiner Umfrage unter rund 9000 Führungskräften ermittelte. Die Firmen blickten zwar etwas weniger skeptisch auf ihre Lage als zuletzt, bewerteten ihre Aussichten aber etwas ungünstiger. "Die deutsche Wirtschaft startet ohne Schwung ins neue Jahr", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Zentrales Problem bleibt der weitverbreitete Auftragsmangel: Im Januar berichteten 36,3 Prozent von einer mauen Nachfrage. "Die schwache Nachfrage belastet breite Teile der Wirtschaft und wird durch hohe Kosten sowie eine nachlassende Wettbewerbsfähigkeit zusätzlich verstärkt", sagte der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe.