Wirtschaft

Ifo-Index hellt sich auf Deutsche Wirtschaft trotzt dem Abschwung

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Die Stimmung in der deutsche Wirtschaft hellt sich auf: Das Ifo-Institut meldet ein freundlicheres Geschäftsklima als zuletzt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Seit einem halben Jahr herrscht bei deutschen Managern eine trübe Stimmung. Nun verspricht der Ifo-Index erstmals einen Lichtblick beim Geschäftsklima. Analysten machen dafür eine stärkere Binnennachfrage verantwortlich. Doch der nahende Brexit macht die Manager weiter nervös.

Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft haben sich im März überraschend etwas aufgehellt. Wie das Ifo-Institut in München mitteilte, stieg das von ihm erhobene Geschäftsklima um 0,9 Punkte auf 99,6 Zähler. Es ist der erste Anstieg nach sechs Rückgängen in Folge. Analysten hatten eine stabile Unternehmensstimmung erwartet und sprachen von einer "Riesenüberraschung".

"Die deutsche Wirtschaft stemmt sich dem Abschwung entgegen", kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Das Ifo-Geschäftsklima gilt als wichtigstes Stimmungsbarometer für die deutsche Wirtschaft. Es ergibt sich aus der Befragung von etwa 9000 Unternehmen. Der Indikator wird als gute Schätzgröße für das künftige Wirtschaftswachstum angesehen. Am Freitag hatten enttäuschende Konjunkturdaten aus Deutschland und Frankreich noch Rezessionssorgen rund um den Globus geschürt.

Die rund 9000 befragten Unternehmen bewerten laut Ifo ihre aktuelle Geschäftslage "etwas zufriedener". Sie blicken zudem "merklich optimistischer" auf die kommenden sechs Monate. Im Verarbeitenden Gewerbe beurteilen die Firmen ihre aktuelle Lage laut Umfrage allerdings weniger gut. Auch der Ausblick verschlechterte sich: Er fiel auf den niedrigsten Stand seit 2012.

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"Die deutsche Wirtschaft stemmt sich dem Abschwung entgegen", sagt Clemens Fuest.

(Foto: picture alliance/dpa)

Im Dienstleistungssektor dagegen stieg der Index deutlich, vor allem wegen merklich optimistischerer Erwartungen. Auch im Handel verbesserte sich das Klima deutlich. Die Einschätzungen zur aktuellen Lage stiegen laut Ifo auf den höchsten Wert seit Mai 2018, und die Erwartungen hellten sich auf.  Auch im Bauhauptgewerbe schätzten die Betriebe ihre Lage wieder deutlich besser ein. Ihre Erwartungen an die kommenden sechs Monate blieben nahezu unverändert. Die fünf Wirtschaftsweisen hatten vergangene Woche ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr deutlich gesenkt. Sie erwarten nur noch ein Plus von 0,8 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt.

Noch kein Wendepunkt bei der Konjunktur

Eine Umfrage bei Analysten ergab, dass die Finanzexperten trotz des Anstiegs der Zufriedenheit noch nicht von einer Trendwende sprechen wollten. Jörg Zeuner von der KfW-Bankengruppe erläuterte: "Die Klimaaufhellung ist ein Hoffnungszeichen, aber nicht mehr. Denn der Konjunkturzug fährt weiter auf der Kriechspur - und der größte Bremsklotz ist die Industrie." Hier sei nicht nur die langsamere Gangart von Weltwirtschaft und Welthandel besonders spürbar. "Gleichzeitig steuert der Brexit seinem dramatischen Höhepunkt zu und droht bei einem ungeregelten Ausscheiden Großbritanniens vor allem die exportstarken Industriebranchen hierzulande in Mitleidenschaft zu ziehen", sagte Zeuner.

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Auch Andreas Rees von Unicredit mahnte zur Vorsicht, wertete das Plus im Index dennoch als gutes Vorzeichen: "Der Ifo ist eine Riesenüberraschung, insbesondere nach dem letzten Einkaufsmanagerindex." Trotzdem sei es noch zu früh, von einem konjunkturellen Wendepunkt zu sprechen. Der starke Anstieg der Erwartungskomponente passe aber durchaus zum historischen Muster bei vergangenen Zyklen. "Nach Rückgängen von rund anderthalb Jahren ging es danach wieder aufwärts. Basierend auf der Ifo-Erwartungskomponente ist jetzt die Rezessionswahrscheinlichkeit von knapp 40 Prozent auf unter 30 Prozent zurückgegangen."

Ähnlich zweischneidig äußerte sich Uwe Burkert, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg: "Eine Schwalbe macht noch keinen Konjunktursommer, ja nicht einmal einen Frühling. Aber wir haben zuletzt gesehen, dass die Stimmung schlechter war als die Lage." Diese Dissonanz habe sich mit dem heutigen Geschäftsklima minimal entschärft, sagte Burkert und fügte hinzu: "Man hat auch gesehen, dass es in der Industrie weiter abwärts ging. Am Bau und im Einzelhandel haben wir dagegen eine Verbesserung. Das eine dürfte durch den Außenhandel gebremst, das andere durch die Inlandsnachfrage getrieben sein. Die Konjunkturerholung nach zwei oder sogar drei schwachen Quartalen wird also aus dem Inland kommen oder überhaupt nicht."

Quelle: n-tv.de, mau/dpa/rts/AFP

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