Wirtschaft

Kritik an Berliner Mietspiegel Deutsche Wohnen verdient mehr

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Deutsche Wohnen hätte einen Anstieg der Berliner Mieten um zehn Prozent für realistischer erachtet.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen hat einen Großteil seiner Wohnungen in Berlin. Und dort weht dem Vermieter der Wind derzeit kalt ins Gesicht. Eine Initiative will die Enteignung und der neue Mietspiegel ist nach Sicht des Unternehmens zu niedrig angesetzt. Auf die Geschäftszahlen wirkt sich das noch nicht aus.

Der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen hat erneut von steigenden Mieten profitiert und im gleichen Zuge den neuen Berliner Mietspiegel als zu niedrig kritisiert. "Das bildet eindeutig nicht die realen Marktentwicklungen ab", sagte Finanzchef Philip Grosse bei der Vorlage der jüngsten Quartalszahlen. Am Vortag hatte der Berliner Senat den neuen Mietspiegel für die Hauptstadt vorgestellt. Statt der dort ausgewiesen 2,5 Prozent wäre ein Anstieg der Mieten um rund 10 Prozent laut Grosse eine deutlich realistischere Größe.

Dabei kann sich Deutsche Wohnen über geringe Mieteinnahmen nicht beklagen. Das operative Ergebnis des MDax-Unternehmens stieg in den ersten drei Monaten im Jahresvergleich um 16,5 Prozent auf 144 Millionen Euro. Grund waren höhere Mieten - vor allem in Berlin. Die Vertragsmieten des Unternehmens stiegen im ersten Quartal 2019 auf vergleichbarer Basis um 6,1 Prozent auf 205 Millionen Euro. Im Durchschnitt betrug die Miete pro Quadratmeter 6,68 Euro, in Berlin lag sie mit 6,75 Euro darüber. Unter dem Strich blieben nach den ersten drei Monaten 111 Millionen Euro als Gewinn hängen  - etwas mehr als im Vorjahr.

Den Ausblick für 2019 bestätigte der Konkurrent von Vonovia, LEG Immobilien und TAG Immobilien. Deutsche Wohnen peilt weiterhin ein operatives Ergebnis von 535 Millionen Euro an. Daran ändert auch der neue Mietspiegel nichts. Laut Grosse habe man "im aktuellen politischen Umfeld" damit gerechnet und ihn entsprechend in den Prognosen berücksichtigt.

Deutsche Wohnen vermietet bundesweit mehr als 160.000 Wohnungen und Gewerbeeinheiten und steht wegen seines Umgangs mit Mietern häufig in der Kritik. Die meisten Wohnungen - rund 112.000 - liegen in Berlin. Zum Portfolio gehören auch Pflegeheime. In der Hauptstadt fordert ein Volksbegehren die Enteignung von Firmen mit mehr als 3000 Wohnungen. Das Land Berlin soll die Wohnungen den Firmen zwangsweise abkaufen. Grosse kritisierte den "politischen Lärm", der um die Mieten und den Mietspiegel entstanden sei. Dennoch bleibe der Konzern "sehr fokussiert auf Metropolen".

Deutsche Wohnen steckt wie andere Immobilienkonzerne mehr Geld in die Modernisierung. Die Ausgaben hierfür sowie für Instandhaltungen betrugen im ersten Quartal insgesamt 73 Millionen Euro - das war ein Fünftel mehr als im Vorjahr. Für sanierte Wohnungen können Vermieter in der Regel auch die Mieten anheben.

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Quelle: n-tv.de, jwu/dpa

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