Wirtschaft

Alle politischen Lager einig Deutsche befürworten Strafzinsverbot

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Strafzinsen und die schwache Kreditnachfrage machen Sparkassen das Leben schwer.

In dieser Frage sind sich die Deutschen von links bis rechts einig: Negative Zinsen auf private Sparguthaben gehören verboten. Banken laufen Sturm gegen den von Bayerns Ministerpräsidenten Söder vorgeschlagenen Plan.

Eine große Mehrheit der Deutschen will, dass negative Zinsen auf private Sparguthaben bis 100.000 Euro verboten werden. Laut einer Forsa-Umfrage für das RTL/ntv-Trendbarometer befürworten 72 Prozent der befragten Bundesbürger ein gesetzliches Verbot für Kreditinstitute, derartige Zinsen zu erheben. 23 Prozent lehnen ein solches Verbot ab, 5 Prozent antworteten mit "weiß nicht".

Die breite Befürwortung zum Strafzinsverbot geht durch alle Einkommensschichten und politischen Lager. Am niedrigsten ist die Zustimmung bei Anhängern der FDP mit 67 Prozent, am höchsten bei denen der Linken mit 76 Prozent. Befragt wurden 1001 Personen zwischen dem 23. und dem 26. August.

Die Idee, negative Zinsen für private Sparer bis zu einer gewissen Summe per Gesetz zu verbieten, war vergangene Woche von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ins Spiel gebracht worden. Der CSU-Politiker kündigte an, einen entsprechenden Vorschlag in den Bundesrat einzubringen. Bundesfinanzminister Olaf Scholz will den Plan prüfen.

Private Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken laufen Sturm gegen Söders Initiative. Ihnen zufolge müssten Kreditinstitute die Zinsen - wie auch andere Unternehmen die Preise für ihre Waren und Dienstleistungen - gemäß Angebot und Nachfrage frei festlegen können. Zu befürchten ist zudem, dass Banken die zunehmenden Kosten, die die Sparguthaben ihnen verursachen, auf andere Weise, etwa als Gebühren, an die Kunden weitergeben könnten.

Bislang sind private Kleinsparer von negativen Zinsen kaum betroffen. Lediglich für große Guthaben von 100.000 Euro oder mehr erheben manche Institute Strafzinsen. Das traditionelle Geschäftsmodell der Banken besteht darin, Geld der Sparer in Form von Krediten weiterzuverleihen und dabei mehr Zinsen von den Kreditnehmern zu erheben, als den Sparern auf ihre Guthaben zu zahlen. Dies funktioniert aufgrund der geringen Kreditnachfrage aber kaum noch. Zudem müssen die Banken für überschüssige Liquidität, die sie bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken, ebenfalls Strafzinsen zahlen.

Die Branche fürchtet, dass diese bereits negativen Zinsen bei der EZB bald noch weiter sinken können - daher die Furcht, dass die Banken künftig die Strafzinsen an noch mehr Sparer weitergeben könnten. Wie die Banken und vor allem viele kleinere Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken, die kaum noch Geld verdienen, ihre Kosten bei einem Strafzinsverbot decken sollen, sagten Söder und andere Befürworter des Plans bislang allerdings nicht.

Quelle: n-tv.de, mbo