Wirtschaft

Großer Leistungsbilanzüberschuss Deutschland übertrifft alle anderen Länder

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Deutsche Waren - hier Krane von Liebherr in Rostock - sind weltweit gefragt.

(Foto: imago/blickwinkel)

Auch wenn deutsche Unternehmen mehr im Ausland eingekauft haben - die Ausfuhren übertreffen die Einfuhren weiter deutlich. Dieser Überschuss ist politisch brisant. Das höchste Defizit haben weiter die USA. Eine Trendwende deutet sich in China an.

Deutschlands bleibt die Volkswirtschaft mit dem größten Leistungsbilanzüberschuss. Dieser dürfte sich im vergangenen Jahr auf 294 Milliarden Dollar (260 Milliarden Euro) summiert haben, wie das Ifo-Institut mitteilte. Auf Platz zwei liegt Japan mit 173 Milliarden Dollar. Es folgt Russland mit 116 Milliarden Dollar. Beide zusammen weisen also einen geringeren Überschuss auf als Europas größte Volkswirtschaft. Der deutsche Überschuss kommt vor allem durch den Warenhandel zustande. Hier übertrafen im vergangenen Jahr die Exporte die Importe dem Statistischen Bundesamt zufolge um gut 228 Milliarden Euro.

Dennoch ging der deutsche Überschuss das dritte Jahr in Folge zurück. Von 2015 bis 2018 sank er von 8,9 auf 7,4 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung. Ursachen seien zum einen mehr Importe aus Europa, zum anderen der Anstieg der Wirtschaftsleistung einschließlich Inflation. Die EU-Kommission hält Werte über der Marke von sechs Prozent für stabilitätsgefährdend. Sie verweist auf die Defizite, die solch großen Überschüssen gegenüberstehen, und warnt vor den hohen Schulden von Defizitländern. Die Bundesregierung erwartet, dass der Überschuss in diesem Jahr mit 7,3 Prozent über der Zielmarke verharren wird.

Leistungsbilanzüberschüsse bedeuten Kapitalexport: Deutschland baut damit mehr finanzielle Forderungen gegenüber dem Ausland auf als das Ausland gegenüber Deutschland. Das sei auf Dauer problematisch, wenn Forderungen nicht mehr eingelöst werden, erklärten die Münchner Wirtschaftsforscher.

Die Daten bergen viel politischen Zündstoff: Deutschland wird wegen seines enormen Überschusses von US-Präsident Donald Trump kritisiert. Er sieht sein Land im Handel benachteiligt und erwägt deshalb die Einführung von Strafzöllen auf deutsche Autos.

Die USA dürften derweil das Land mit dem größten Leistungsbilanzdefizit bleiben mit etwa 455 Milliarden Dollar, was aber nur 2,3 Prozent ihrer Jahreswirtschaftsleistung entspricht. Der US-Export nach China sank, der US-Import aus China stieg kräftig, "der Warenhandel wurde noch defizitärer", erklärte das Ifo-Institut. Die höheren US-Überschüsse beim Verkauf von Dienstleistungen und bei den Einnahmen aus Auslandsvermögen konnten das nicht ganz ausgleichen.

Chinas Warenüberschuss war im vergangenen Jahr deutlich geringer, weil die Volksrepublik viel mehr Maschinen importierte für den geplanten Aufstieg zur weltweit führenden Industriemacht. Russlands Überschuss stieg stark, weil Öl und Gas teurer verkauft wurden, die Einfuhr jedoch stagnierte.

Quelle: n-tv.de, jwu/rts/dpa

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