Wirtschaft

Kuh und Klima Die Umweltbilanz unseres Fleischkonsums

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Die Rinderzucht gilt als besonders umweltschädlich.

(Foto: imago images / Gottfried Czepluch)

60 Kilogramm Fleisch isst jeder Deutsche rein statistisch im Jahr. Doch dessen Produktion belastet die Umwelt erheblich. Klimaschutz geht also auch durch den Magen. Doch was fällt eigentlich so an und ab bei der Fleischherstellung?

Klimaschutz hat Konjunktur. Schüler streiken seit fast einem Jahr freitäglich für das Thema. Erst jüngst schlug der Weltklimarat Alarm. Und von Teilen der Grünen kam der Vorschlag, die Mehrwertsteuervergünstigung für Fleisch aufzuheben und so den Konsum zu reduzieren. Das Umweltbundesamt bezeichnete die Mehrwertsteuervergünstigung auf Fleischprodukte - in Höhe von 5,2 Milliarden Euro - bereits 2017 als umweltschädliche Subvention. Bislang werden diese Produkte mit 7 statt 19 Prozent besteuert.

Zum Schutz des Klimas fordern Experten regelmäßig, die Viehbestände in Deutschland zu reduzieren. Vor allem eine Verringerung der Zahl von Wiederkäuern ist laut Umweltministerium die effizienteste Maßnahme, um Methanemissionen zu reduzieren. Denn Methan gehört zu den klimaschädlichsten Gasen.

Im "Fleischatlas" der den Grünen nahen Heinrich-Böll-Stiftung heißt es, dass ein um ein Fünftel geringerer Fleischkonsum die gleiche Menge an Klimagasen einsparen würde wie die Stilllegung des Braunkohlekraftwerks Weisweiler. Und das Werk in Nordrhein-Westfalen gilt immerhin als viertgrößter deutscher Kohlendioxid-Emittent.

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Zu viel Gülle und Tiermist kann das Grundwasser verunreinigen.

(Foto: imago/Christian Ohde)

Die Rinderzucht gilt als besonders umweltschädlich. In deutschen Ställen und auf den Äckern standen Ende Mai mehr als 11,7 Millionen Rinder, die beim Verdauen von Futter besonders viel Methan produzieren. Ein Gas, das laut Umweltbundesamt 25 Mal schädlicher ist als CO2. Das wirkt allerdings lachhaft im Vergleich zu Lachgas (N2O). Dieses verursacht die größte Schadstoff-Emission in der Landwirtschaft und ist 300 Mal schädlicher als CO2. Es entsteht bei der Düngung von Ackerflächen mit Gülle und Tiermist. Durch die hohe Zahl der Tiere - zu den Rindern kommen noch fast 26 Millionen Schweine - gelangen zudem deutlich mehr von deren Hinterlassenschaften in die Böden, als diese aufnehmen können.

Verunreinigtes Grundwasser

Und so sickert durch die Überdüngung der Stickstoff als Nitrat ins Grundwasser und verunreinigt dieses. Das sorgt in Deutschland immer wieder für Probleme. So werden die von der EU vorgeschriebenen Stickstoff-Grenzwerte überschritten. Deswegen droht nun eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof.

Für den Umweltschutz ist aber auch entscheidend, wie groß die Fläche ist, auf der Rinder, Schafe und Schweine gehalten werden. Hinzu kommt die Fläche, die für die Futtermittelproduktion genutzt wird. In Summe wird für die Herstellung von tierischen Produkten mehr Fläche benötigt als für alle anderen Konsumgüter.

So werden laut Greenpeace 80 Prozent der Agrarflächen weltweit für die Fleisch-, Milch- und Futtermittelproduktion benötigt. In Deutschland wachsen auf mehr als der Hälfte der Anbaufläche Futtermittel für Tiere. Der Rest wird hauptsachlich mit Soja aus Nordamerika gedeckt. Abgesehen von den zusätzlichen Emissionen durch den Transport des Futters, wird dort der Regenwald gerodet, um neue Anbauflächen für die Sojabohnen zu gewinnen.

Hoher Wasserverbrauch

Wer Ressourcen schonen möchte, sollte versuchen, häufiger auf tierische Produkte zu verzichten. Denn bei der Herstellung von Fleisch wird neben viel Fläche sehr viel Wasser verbraucht. So benötigt man beispielsweise für ein Kilo Rindfleisch 15.000 Liter Wasser. Für ein Kilo Getreide sind es um die 500 Liter.

Zudem entstehen im Vergleich zu tierischen Produkten bei der Produktion von Obst, Gemüse und Teigwaren generell deutlich weniger Emissionen. Das gilt allerdings nur, wenn die Produkte keinen langen Transportweg mit dem Flugzeug hinter sich haben oder in einem beheizten Gewächshaus gezüchtet wurden.

Laut Statista bezeichnen sich aktuell 6,1 Millionen Menschen in Deutschland als Vegetarier oder verzichten nach eigenem Bekunden weitgehend auf Fleisch. 2018 waren es noch 300.000 mehr. Dennoch strebt ein Großteil der Deutschen eine bewusste Ernährung zumindest an. In einer Umfrage der Heinrich-Böll-Stiftung sprachen sich knapp 70 Prozent der Befragten für eine ressourcenschonendere Landwirtschaft aus. Das Bewusstsein scheint also da zu sein. Doch was letztlich auf dem Teller landet, muss jeder selbst entscheiden.

Quelle: n-tv.de

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