Wirtschaft
Wie geht es weiter an den Börsen?
Wie geht es weiter an den Börsen?(Foto: REUTERS)
Dienstag, 25. September 2018

Warnsignale nehmen zu: Die nächste Rezession kommt

Ein Gastbeitrag von Uwe Günther

Die US-Aktienindizes halten sich trotz extrem hoher Bewertungen noch auf Rekordniveau - dank der Psychologie der Anleger. Doch der Stimmungsumschwung hat bereits begonnen.

Noch bis vor wenigen Monaten hieß es, an den Finanzmärkten herrsche eine "neue Normalität": Angeblich angetrieben durch dauerhafte Nullzinsen, ewiges Wachstum der Unternehmensgewinne und informationstechnologische Dauerrevolutionen stiegen vor allem in den USA die Aktienindizes von Rekord zu Rekord.

Doch mittlerweile kehren die möglichen Risiken wieder zurück ins Bewusstsein der Börsianer. Die aktuelle - zugegebenermaßen noch weitgehend verlustschmerzfreie - Diskussion dreht sich jetzt mehr und mehr um den wahrscheinlichsten Zeitpunkt des Beginns der nächsten Rezession. Die meisten Schätzungen reichen von der ersten Jahreshälfte 2019 bis weit in das Jahr 2021 hinein. Der Fakt, dass die nächste Rezession kommt, wird hingegen bereits als Realität akzeptiert.

Beim Hinweis auf entsprechende Gefahren für die Finanzmärkte galt man noch bis vor wenigen Quartalen als ein Vertreter von Weltuntergangsszenarien. Mittlerweile machen sich jedoch sowohl institutionelle als auch private Anleger Gedanken über die bedrohlichen globalen Risiken. Dabei geht es vor allem um die historisch einmaligen Verschuldungsstände, die politische Neuordnung der Welt, die Vertiefung der Vermögensgräben zwischen den oberen fünf und den unteren 95 Prozent der Menschen.

Schenkt man den Aussagen amerikanischer Großbanken, bekannten Hedgefonds-Lenkern und veröffentlichten Statistiken Glauben, verabschiedet sich das "smarte Geld", also die Gruppe der bestinformierten Investoren, bereits seit vielen Monaten sukzessive aus risikobehafteten Anlagen. Wer aber nimmt Ihnen die "heißen Kartoffeln" ab?

Risiken bleiben bei Privatanlegern

Hier lohnt ein Blick in die Vergangenheit. Es darf davon ausgegangen werden, dass es wiederum Privatanleger sind, die am Ende der finanziellen Nahrungskette keine Chance haben, Ihre Vermögensverluste rechtzeitig zu begrenzen oder beim Steuerzahler abzuladen. Da spielt es auch keine Rolle, ob sie ihre Anlagen selbst tätigen oder über Fondsanlagen, Sparpläne oder ETFs aktiv wurden.

Bekannte Fondsmanager sprechen jedoch mittlerweile deutliche, teils apokalyptische Warnungen aus. Dies geht allerdings bisher nicht einher mit der expliziten Handlungsaufforderung an die Anleger, die aktuellen Vermögenspositionierungen aktiv zu hinterfragen beziehungsweise anzupassen.

Diese Strategie könnte eine perfide Schlussnote bekommen, wenn sich Preise von durch Kredite gehebelten Anlagen beim Platzen von Kreditblasen wieder deutlich nach unten bewegen - zum Beispiel bei Aktien oder Unternehmensanleihen schwacher Schuldner. Dann lapidar auf die vorherigen Warnungen an die Anleger hinzuweisen, wäre kaum verantwortungsvoll. Hier haben alle Banken, Vermögensverwalter und Fondsmanager eine enorme ethische Verantwortung.

Eine der aktuell erfolgreichsten US-Banken mit der vielleicht höchsten Prognosegüte der zurückliegenden Jahre ist Morgan Stanley. Deren Chef der Aktienstrategie, Michael Wilson, lange bekannt als aggressiver Daueroptimist, tritt mittlerweile scharf auf die Bremse. Er sieht den Markt bereits in einem rollenden Bärenmodus, der Sektor für Sektor erfassen wird und zweistellige Kursrückgänge wahrscheinlich werden lässt.

Rund 60 Prozent Kursverluste

Ebenfalls aus den USA kommt John Hussman von der Stanford-Universität, der die Kursrückgänge und das anschließende Aufwärtspotenzial der beiden letzten Zyklen 2000 und 2008 vorab mit beindruckender Genauigkeit berechnete. Noch vor Kurzem wurde Hussman belächelt, heute wird er von führenden Fondshäusern zitiert. Er sagt für das Ende des aktuellen Börsen-Zyklus beim S&P 500 Kursverluste von 64 Prozent voraus, beim Nasdaq von immerhin 57 Prozent. Für strategische Investoren wären das dann ideale Einstiegsgelegenheiten.

Die klassischen sicheren Häfen wie US-Staatsanleihen, Gold oder Silber sind aktuell so unglaublich aus der Mode und Gegenstand gigantischer Leerverkaufspositionen, dass es dem mittelfristig denkenden Anleger fast schon wie ein Traumszenario vorkommen muss. Spätestens wenn die US-Zinserhöhungen auslaufen, der Dollar schwächer tendiert und die aktuell kollabierenden US-Steuereinnahmen ihren globalen Tribut fordern, dürfte sich das Blatt wenden. Langsam nähern wir uns dem vorläufigen Endspiel. China, Türkei, Argentinien & Co. waren bisher nur das Vorprogramm. Vor dem Hauptprogramm sollten Anleger schleunigst in Deckung gehen. Noch gibt es ausreichend Optionen für mögliche Exitstrategien.

Uwe Günther ist Gründungsgesellschafter und Geschäftsführer der BPM - Berlin Portfolio Management GmbH

Disclaimer

Diese Publikation dient nur zu Informationszwecken und zur Nutzung durch den Empfänger. Sie stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung seitens oder im Auftrag der BPM - Berlin Portfolio Management GmbH zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Investmentfonds dar. Die in der vorliegenden Publikation enthaltenen Informationen wurden aus Quellen zusammengetragen, die als zuverlässig gelten. Die BPM - Berlin Portfolio Management GmbH gibt jedoch keine Gewähr hinsichtlich deren Zuverlässigkeit und Vollständigkeit und lehnt jede Haftung für Verluste ab, die sich aus der Verwendung dieser Information ergeben. www.berlin-pm.com

Quelle: n-tv.de