Wirtschaft
Online, größerer Handel oder kleiner Kaufmann: Jeder blickt anders auf das Weihnachtsgeschäft - nicht alle frohlocken.
Online, größerer Handel oder kleiner Kaufmann: Jeder blickt anders auf das Weihnachtsgeschäft - nicht alle frohlocken.(Foto: picture alliance / dpa)
Sonntag, 10. Dezember 2017

Ungleiche Weihnachtsgeschäfte: Die neue Drei-Klassen-Gesellschaft im Handel

Die Weihnachtszeit ist auch das alljährliche Fest für den Einzelhandel. Doch längst ist die Freude in der Branche nicht ungeteilt. Gerade die kleinen Einzelhändler leiden unter der Dominanz des Internets. Nicht einmal jeder vierte erwartet noch höhere Erlöse.

Kurz vor dem Weihnachtsfest ist die Konsumlaune in Deutschland fantastisch. Der Einzelhandel rechnet in diesem Jahr zum Fest der Liebe mit rekordverdächtigen Umsätzen von rund 94,5 Milliarden Euro. Doch die Wahrheit ist auch: Längst nicht alle Händler werden vom Einkaufstrubel profitieren. Weihnachten spaltet den Einzelhandel. Und zu den Verlierern dürften überdurchschnittlich viele kleine Händler gehören.

"Die Schere zwischen Groß und Klein öffnet sich immer weiter", klagte erst kürzlich der Präsident des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Josef Sanktjohanser. Während in der Branche insgesamt Optimismus vorherrscht, rechnete in der jüngsten Umfrage des Verbandes nicht einmal jeder vierte der befragten kleineren Händler - mit weniger als fünf Beschäftigten - für das zweite Halbjahr mit einem Umsatzplus.

Längst hat sich im Handel so etwas wie eine Drei-Klassen-Gesellschaft herausgebildet: Es gibt die großen Online-Player wie Amazon und Zalando, die dank des Online-Booms nach wie vor mit hohen Wachstumsraten glänzen. Es gibt die großen Einzelhändler wie H&M oder Media Markt, die unter großen Kosten inzwischen auch auf den E-Commerce-Zug aufgesprungen sind und Online-Shop und klassische Läden zu einem kanalübergreifenden Angebot verbinden. Und es gibt die vielen kleinen Händler, die dabei nicht mithalten können.

Goldene Monate für Online-Handel

Im Weihnachtsgeschäft wird dies besonders sichtbar. Denn Weihnachten ist wie gemacht für den Online-Handel. Nach einer aktuellen Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) werden auch in diesem Jahr neben Gutscheinen vor allem Spielwaren, Bekleidung und Bücher unterm Weihnachtsbaum liegen. Und das sind ausnahmslos Produkte, die ohnehin überdurchschnittlich oft im Netz gekauft werden. Kein Wunder also, dass der Online-Handel gut ein Viertel seiner Jahresumsätze im November und Dezember macht. Zum Vergleich: Beim stationären Handel entfallen auf diese Monate weniger als ein Fünftel des Gesamtgeschäfts.

Und die Rolle, die der Internethandel im Weihnachtsgeschäft spielt, wird von Jahr zu Jahr größer. Dieses Jahr dürfte da keine Ausnahme sein. Erwartet der Handel insgesamt im Weihnachtsgeschäft ein Plus von drei Prozent zum Vorjahr, so dürften die Online-Umsätze nach einer aktuellen HDE-Prognose um satte zehn Prozent zulegen. Auch in diesem Jahr werden die "klassischen" Händler in den Einkaufsstraßen also weitere Marktanteile an die Online-Konkurrenz verlieren.

Besuch in voller Innenstadt erspart

Das Online-Angebot werde dank schnellerer Lieferungen und weiter wachsender Auswahl immer attraktiver, erklärt der Handelsexperte Thomas Täuber von der Unternehmensberatung Accenture den Trend. Deshalb werde es am Ende auch in diesem Weihnachtsgeschäft viele enttäuschte Gesichter bei stationären Händlern geben. Zwar kaufen die Bundesbürger nach einer repräsentativen Umfrage der Unternehmensberatung EY ihre Weihnachtsgeschenke grundsätzlich nach wie vor lieber im Laden als im Internet. Und sie schätzen auch die Atmosphäre der Weihnachtsmärkte. Doch hindert sie das offensichtlich nicht daran, sich immer öfter den stressigen Besuch in überfüllten Innenstädten zu ersparen und im Internet zu shoppen. Mehr als die Hälfte der Verbraucher wollen laut GfK in diesem Jahr mindestens ein Geschenk im Internet erwerben. Generell wachse die Bereitschaft, Präsente online zu ordern, beobachten die Marktforscher. 

Während kleinere Händler um ihre Umsätze bangen, treibt die Online-Händler inzwischen eine ganz andere Sorge um. Angesichts der Meldungen von Post, Hermes und Co. über die vom Online-Boom befeuerten Rekorde im Paketaufkommen, befürchtet nach einer Branchenumfrage des Händlerbundes in diesem Jahr jeder zweite Online-Händler größere Probleme, die Geschenklieferungen rechtzeitig zum Kunden zu bringen, als in der Vergangenheit.

Quelle: n-tv.de