Wirtschaft

Teherans Atompolitik Diese Ziele verfolgt der Iran mit der Uran-Anreicherung

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Das Standbild des TV-Senders IRIB zeigt drei Zentrifugen in der Atomanlage Natanz, einer iranischen kerntechnischen Anlage zur Anreicherung von Uran. (Archivbild)

(Foto: picture alliance/dpa/Islamic Republic Iran Broadcasting/AP)

Der Iran reichert Uran mit einem Reinheitsgrad von 60 Prozent an. 80 Prozent werden für den Bau einer Atombombe benötigt. Nach innen verkauft das Regime seine Atompolitik als ein Zeichen von Selbstbestimmung. Nach außen schafft es eine Drohkulisse gen Westen. Eine Strategie, die bald scheitern könnte.

Die Mullahs fahren einen harten Kurs: Die internen Angelegenheiten der Islamischen Republik Iran gehen den Westen nichts an, heißt es seitens des Regimes. Keinem anderen Land sei es erlaubt, sich einzumischen. Diese Aussage bezieht sich auf die aktuelle Protestbewegung und auf den Ausbau der Atomtechnologie im Land.

Nutzt der Iran Atomkraft wirklich nur zu friedlichen Zwecken? Oder will das Regime unter zivilem Deckmantel eine Atombombe bauen? Für den Islamwissenschaftler Guido Steinberg ist die Antwort klar: Der Iran stehe gerade an der Schwelle, sich nuklear zu bewaffnen, sagte er im ntv Podcast "Wirtschaft Welt & Weit". Er rechnet damit, dass der Iran in den nächsten Monaten mit einer entsprechenden Erklärung an die Öffentlichkeit gehen wird. Nur eine militärische Drohung - etwa von Israel oder den USA - könne das Regime noch davon abhalten.

"Weiß genau, was für Ängste geschürt werden"

Der Politologe Ali Fathollah-Nejad erklärt, welches Ziel seiner Meinung nach dahintersteckt: Teheran setze das Atomprogramm strategisch ein, "weil es genau weiß, was für Ängste im Westen geschürt werden", sagt der gebürtige Iraner. Seiner Ansicht nach möchte das Regime auf diese Weise immun werden gegen ausländische Angriffe - so wie es Nordkorea, das über Atomwaffen verfügt, seit Jahren gelingt.

Für ihre Atompolitik zahlt die iranische Regierung jedoch einen hohen Preis. Die USA sind 2018 aus dem internationalen Atomabkommen ausgestiegen und haben Sanktionen gegen den Iran verschärft. Das hatte erhebliche Auswirkungen auf die dortige Wirtschaft. Davon betroffen sind auch deutsch-iranische Geschäftskontakte: Maschinen "made in Germany", einst ein Exportschlager im Iran, werden kaum noch verkauft. Ein Faktor, der sich auf Dauer nur schwer durch russische oder chinesische Importe ausgleichen lässt.

Seit der Iran vom Zahlungssystem SWIFT ausgeschlossen wurde, ist auch der deutsch-iranische Außenhandel massiv eingebrochen. Innerhalb eines Jahres hat er sich von über 3 Milliarden Euro auf rund 1,7 Milliarden Euro fast halbiert. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres lag das bilaterale Handelsvolumen laut Deutsch-Iranischer Industrie- und Handelskammer bei 1,072 Milliarden Euro. Unternehmen könnten die Sanktionen zwar über den Umweg Türkei aushebeln, erklärt Steinberg. Kleinere Geschäfte würden sogar wieder per Geldkoffer abgewickelt. Doch all das spiele sich in einem Bereich ab, der "volkswirtschaftlich kaum noch eine Rolle spielt."

Recht auf Atomtechnologie?

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Dabei werde seitens des Regimes propagiert, dass es ein Recht auf Atomtechnologie gäbe, das für die Industrialisierung des Landes unverzichtbar sei, erklärt Fathollah-Nejad. Es gehe darum, nationalen Stolz zu verbreiten, um sich die Zustimmung in der Bevölkerung zu sichern. Allerdings schwächen die Sanktionen die iranische Wirtschaft enorm. Der Versuch des Regimes, das Atomprogramm als "ein Zeichen der Selbstbestimmung" des Iran zu verkaufen, trifft daher immer mehr auf Ablehnung, so der Politologe.

Aktuell ist die Lage im Land unübersichtlich: Guido Steinberg hält die Machtbasis des Regimes trotz der schlechten wirtschaftlichen Entwicklung für weitgehend intakt und sieht "mehrere Hunderttausend Mann, die bereit sind, für dieses Regime massenhaft zu töten, zu verhaften und zu foltern." Ali Fathollah-Nejad glaubt trotzdem fest an einen revolutionären Prozess. Selbst wenn die Proteste aktuell keinen Erfolg bringen sollten, ist für ihn "die nächste Explosion des Zorns nur eine Frage der Zeit." Und eins ist für den Islamwissenschaftler klar: "Es besteht durchaus Potenzial für Veränderung. Wenn nicht kurzfristig, dann mittelfristig."

Wirtschaft Welt & Weit

Was muss Deutschland tun, um in der Wirtschaftswelt von morgen noch eine wichtige Rolle zu spielen? Von wem sind wir abhängig? Welche Länder profitieren von der neuen Weltlage? Das diskutiert Mary Abdelaziz-Ditzow im ntv-Podcast "Wirtschaft Welt & Weit" mit relevanten Expertinnen und Experten.

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Quelle: ntv.de

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