Wirtschaft

Dank Trump über 30.000er Marke Dow Jones schließt auf Rekordniveau

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Der amtierende US-Präsident erkennt den gewählten Präsidenten an. Irgendwie. Den Börsen reicht das vorerst.

(Foto: imago images/Xinhua)

Ironie der Geschichte: Lange Zeit rühmt sich US-Präsident Donald Trump als Freund der Börsen. In seiner Amtszeit legte der Dow-Jones-Index zu. Nun überspringt er eine historische Marke. Allerdings, weil der Mann im Weißen Haus offenbar endlich das Ende seiner Amtszeit akzeptiert.

Die Aussicht auf eine geordnete Machtübergabe in den USA und Erfolge bei der Entwicklung von Impfstoffen gegen das Coronavirus geben der Wall Street Auftrieb. Der US-Standardwerteindex Dow Jones überspringt in der Folge erstmals die 30.000er Marke - und kann die Gewinne halten.

Am Ende schloss der Dow-Jones-Index 1,5 Prozent fester bei 30.046 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 sowie der technologiebasierte Nasdaq-Composite verbesserten sich um 1,6 und 1,3 Prozent. "Obwohl die Wahlergebnisse keine ernsthafte Bedrohung für den Markt darstellten, jubeln Anleger über die Beseitigung eines potenziell chaotischen politischen Vorgangs", urteilte Marktökonom Peter Cardillo von Spartan Capital Securities.

Anleger sind Börsianern zufolge erleichtert, dass US-Präsident Donald Trump eingelenkt und den Weg für eine geordnete Machtübergabe an seinen gewählten Nachfolger Joe Biden freigemacht hat. Positiv sei außerdem die Nominierung der als wirtschaftsfreundlich geltenden ehemaligen US-Notenbankchefin Janet Yellen als künftige Finanzministerin. Parallel dazu setzten Investoren auf eine rasche Zulassung von Coronavirus-Impfstoffen und eine Rückkehr zur Normalität.

Öl-Werte gesucht

Mit der Hausse bei den Erdölpreisen waren auch die Sektorwerte gesucht: Exxon Mobil zogen um 6,7 Prozent an, Chevron um 5 Prozent. Die Titel des Öldienstleisters Baker Hughes legten um 5,2 Prozent zu. Der Sektorindex stieg um 5,2 Prozent.

JP Morgan rückten um 4,6 Prozent vor. Eine Tochter der Großbank hatte einen Streit mit der Währungsaufsicht OCC um mangelhafte interne Kontrollen beigelegt. Die US-Bank muss im Gegenzug eine Zivilstrafe von 250 Millionen US-Dollar zahlen.

DB Dow Jones Indikation
DB Dow Jones Indikation 30.980,00

Damit krönte der im Börsenjargon schlicht "Dow" genannte Auswahlindex zugleich eine monatelange, beeindruckende Aufholjagd: Nach dem Coronavirus-Ausbruch in China im Februar war der US-Leitindex in nur vier Wochen von über 29.000 Punkten um mehr als 10.000 Punkte oder fast 40 Prozent eingebrochen. Doch schon Anfang September waren diese Verluste wieder wettgemacht.

Der Dow Jones gehört zu den ältesten Börsen-Indizes der Welt. Erstmals wurde er 1896 berechnet. Im Juni 2018 schied mit General Electric das letzte Unternehmen aus, das seit Beginn im Index notiert war. Zur Amtseinführung Trumps im Januar 2017 stand der Dow bei rund 20.000 Punkten. Durch die andauernde Niedrigzinspolitik der Notenbanken rund um den Globus, Steuererleichterungen in den USA und Aufhebung von Auflagen und internationalen Verpflichtungen in dessen Amtszeit legte der Index um rund 50 Prozent zu.

In Deutschland Autowerte gesucht

Die gleiche Gemengelage sorgte auch in Europa für steigende Kurse. Der deutsche Leitindex Dax schloss 1,3 Prozent fester bei 13.292 Punkten und beendete den Handel auf dem höchsten Schlussstand seit dem 21. Februar. Großes Thema am Markt war zusätzlich die Index-Reform - so soll der Dax ab September 40 statt 30 Werte umfassen.

Am Markt setzten die Anleger auf eine Normalisierung des Lebens und der Wirtschaft im kommenden Jahr, was auch mit einer höheren Mobilität der Menschen verbunden sein dürfte. Die Autowerte Daimler, BMW und VW sowie der Zulieferer Continental verbuchten Gewinne. Gleiches gilt für den Reisesektor: Die Papiere der Fluggesellschaft Lufthansa verteuerten sich deutlich. Dafür wurden unter anderem defensive Immobilienaktien gemieden: Vonovia und Deutsche Wohnen verloren. Beide hatten allerdings am Vortag auch einen Investitionstopp für ihren Bestand in der Hauptstadt verkündet. Grund ist der Mietendeckel.

"Das Umfeld hat sich weiter aufgehellt", sagte ein Händler. Erste Analysten sehen inzwischen schon wieder Möglichkeiten für einen neuen Dax-Rekord oberhalb von 13.800 Punkten. "Die Wahrscheinlichkeit für eine weitaus bessere konjunkturelle Lage in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres wächst mit jeder neuen Impfstoff-Nachricht", sagte Analyst Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets.

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Auch europaweit ging es deutlich nach oben: Der EuroStoxx 50 als Leitbarometer der Eurozone verbuchte einen Aufschlag von 1,3 Prozent auf 3508 Punkte, der französische Cac 40 und der britische FTSE 100 verzeichneten ähnlich starke Kursgewinne.

Quelle: ntv.de, jwu/rts/dpa/DJ