Wirtschaft

Geldpolitik bleibt locker Draghi sieht EZB noch nicht am Ziel

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Der Chef der Bank of Japan, Haruhiko Kuroda (von l.), Fed-Chefin Janet Yellen EZB-Präsident Mario Draghi in Jackson Hole.

(Foto: REUTERS)

Hoffnungen auf ein schnelles Ende der lockeren Geldpolitik erteilt EZB-Chef Draghi beim Notenbanker-Treffen in Jackson Hole eine Absage. Deutliche Worte findet er beim Thema Bankenregulierung. Er appelliert eindringlich an Washington.

Die EZB ist Notenbank-Präsident Mario Draghi zufolge mit ihrem extrem lockeren Kurs noch nicht am Ziel. Die ultraexpansive Geldpolitik sei zwar bislang erfolgreich gewesen, sagte Draghi auf der Notenbank-Konferenz in Jackson Hole in den USA im Anschluss an eine Rede. Geduld sei aber erforderlich. "Wir haben bislang noch keine selbsttragende Annäherung der Inflation an das mittelfristige Ziel gesehen."

Die EZB strebt mittelfristig knapp zwei Prozent Inflation an. Im Juli waren die Verbraucherpreise aber nur um 1,3 Prozent gestiegen.

Zu den Gründen zählte der Italiener unter anderem einen nur langsamen Anstieg der Löhne. "Daher ist ein erhebliches Ausmaß an geldpolitischer Unterstützung immer noch gerechtfertigt", sagte Draghi. Die Erholung im Euro-Raum sei noch nicht so weit fortgeschritten wie in den USA, sagte Draghi weiter. "Aber sie gewinnt an Boden."

Zurückhaltung treibt Eurokurs

An den Börsen hatten sich manche Investoren Hinweise von Draghi erhofft, wie es vor allem mit den in Deutschland umstrittenen Anleihekäufen der Euro-Notenbank weitergeht. Dazu hielt sich Draghi aber bedeckt.

Der Euro weitete nach dem Auftritt des EZB-Chefs seine zuvor erzielten Kursgewinne aus und markierte bei 1,1940 Dollar, der höchste Stand seit Januar 2015. "Die Leute haben sich gefragt, ob er sich gegen die Euro-Stärke stemmen würde", sagte Keith Lerner, Marktstratege von SunTrust Advisory Services in Atlanta. "Und das tat er nicht."

Die EZB hat eine Diskussion über die Zukunft ihrer billionenschweren Anleihenkäufe für den Herbst angekündigt. Die Käufe im Umfang von 60 Milliarden Euro pro Monat sind aktuell das wichtigste Instrument der EZB im Kampf gegen die schwache Inflation. Die Käufe laufen zum Jahresende aus. Die meisten Experten gehen davon aus, dass die Notenbank beschließen wird, sie ab Januar 2018 herunter zu fahren, sofern Konjunktur- und Inflationsentwicklung mitspielen.

Plädoyer für offenen Welthandel und Regulierung

In seiner Rede warnte Draghi mit Blick auf Gefahren für das Wachstum der Weltwirtschaft vor Abschottung und Protektionismus. Offenheit im Handel und Kooperation seien entscheidend, um Wachstum zu befördern, sagte Draghi. Ein Wechsel hin zum Protektionismus würde ein erhebliches Risiko darstellen. "Um eine dynamische Weltwirtschaft zu befördern, müssen wir protektionistischen Bestrebungen widerstehen."

Draghi mahnte zudem, angesichts der expansiven Geldpolitik der Notenbanken die Regulierung der Finanzwirtschaft nicht aufzuweichen. Wegen der erheblichen Folgekosten für die Gesellschaft gebe es niemals einen guten Zeitpunkt für lasche Regulierung. Aber es gebe Zeiten, zu denen dies besonders unangemessen sei. "Insbesondere, wenn die Geldpolitik locker ist, birgt eine lasche Regulierung die Gefahr finanzielle Schieflagen zu befördern", warnte Draghi.

Der EZB-Chef haute damit in die gleiche Bresche wie zuvor Fed-Chefin Janet Yellen. Adressiert waren die expliziten Äußerungen an Washington, wo die US-Regierung sich mit Deregulierungsplänen trägt.  Auf die aktuelle Zinspolitik der Fed ging Yellen nicht ein.

Die von der US-Notenbank Fed organisierte hochkarätige Konferenz in Wyoming am Fuße der Rocky Mountains gilt neben der Notenbank-Veranstaltung der EZB im portugiesischen Sintra als wichtigstes geldpolitisches Forum im Jahr. 2014 hatte Draghi mit einer Rede in Jackson Hole den Boden für die laufenden, billionenschweren EZB-Anleihenkäufe gelegt, die dann im März 2015 starteten.

Quelle: n-tv.de, ddi/rts

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