Wirtschaft

Ist die Deutsche Bank zu retten? Drei Tipps für den Cryan-Nachfolger

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Hand in Hand arbeiten ist auch keine Kernkompetenz im Hause Deutsche Bank.

(Foto: picture alliance / Andreas Arnol)

Die Deutsche Bank sucht angeblich einen Nachfolger für Vorstandschef John Cryan. Der Neue wird das Geldhaus radikal umstrukturieren müssen, um es aus der Krise zu führen. Hier könnte er ansetzen.

Die Tage von John Cryan als Vorstandschef der Deutschen Bank scheinen gezählt. Laut einem Bericht der britischen Zeitung "The Times" ist das Unternehmen auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger. Jeder potenzielle Kandidat dürfte sich allerdings zwei Mal überlegen, ob er den Job übernehmen will. Denn  er würde nicht weniger als eine Herkulesaufgabe antreten. Die erfolglosen Strategieschwenks der vergangenen Jahre haben das klar gezeigt. Damit dem hiesigen Branchenprimus die Kehrtwende gelingt, müsste der Wandel umso radikaler sein. Mit folgenden drei Maßnahmen könnte er dennoch gelingen:

Derivate-Risiken drastisch abbauen

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Der Deutschen Bank fällt es weiterhin schwer, viele der während der Krise im Herbst 2016 verlorenen Kunden zurückzugewinnen. Sorge dürfte ihnen vor allem das enorme Engagement des Instituts im Derivate-Bereich bereiten. Im vergangenen Jahr ist der Wert um 5,4 Billionen Euro auf herbe 48,3 Billionen Euro gestiegen. Das ist das 14,8fache der Wirtschaftsleistung Deutschlands für das Jahr 2017. "Laut dem Financial Stability Board (FSB) gehört die Deutsche Bank in einer Gruppe mit Instituten wie Citigroup und HSBC zu den systemrelevanten Instituten", so Carlo Alberto De Casa, Chef-Analyst beim britischen Broker ActivTrades. Weltweit wird nur eine Bank als noch relevanter für die internationale Finanzstabilität eingeschätzt: das US-Geldhaus JP Morgan. Für einen möglichen Nachfolger Cryan sollte es daher von größter Bedeutung sein, dass Engagement im Derivate-Bereich zügig zurückzufahren. Gleichzeitig gilt es die Risiken insgesamt herunterzufahren, wie bei den risikogewichteten Aktiva.

Abhängigkeit vom Investmentbanking verringern

Das Geschäft der Deutschen Bank ist enorm abhängig vom Handelsgeschäft mit Anleihen, Währungen und Aktien und damit vom stark schwankenden Investmentbanking. Das Institut sollte sich daher auf stabilere Geschäftsbereiche, wie die Vermögensverwaltung oder Unternehmenskredite fokussieren. Damit kann man zwar nicht so viel Gewinn machen wie im Investmentbanking, dafür ist das Geschäft aber auch wesentlich solider. Nachdem sich die Schweizer Konkurrenten UBS und Credit Suisse verstärkt auf die Vermögensverwaltung fokussiert haben, ist zuletzt auch Cryan mit dem Börsengang der DWS in diese Richtung gegangen.

Rückzug aus dem US-Geschäft

Die US-Notenbank verlangt, dass die ausländischen Banken ihr US-Geschäft bündeln und quasi wie eine eigene US-Bank führen. Im Visier hat die Fed dabei vor allem die Deutsche Bank, die nach dem Geschmack der Aufseher nicht ausreichende kapitalisiert ist. Möglicherweise sollte sich die Deutsche Bank überlegen, sich aus den USA zurückzuziehen.

Ohnehin verliert das Institut seit etlichen Quartalen deutlich Marktanteile im Handelsgeschäft gegenüber den US-Geldhäusern, wie JP Morgan oder der Bank of America. Zugegebenermaßen dürfte es der Deutschen Bank allerdings auch extrem schwer fallen, sich aus den USA zurückzuziehen, weil dann das Profil als internationale Investmentbank dahin ist. Allerdings könnte es sich lohnen, die knappen Investitionsmittel auf Regionen wie Europa zu fokussieren, in denen der hiesige Branchenprimus eine starke Marktstellung hat. Dabei könnte er eine bessere Rendite auf das eingesetzte Kapital erwirtschaften als derzeit.

Cryans Versuche, die Deutsche Bank zu restrukturieren, sind weitgehend im Sande verlaufen. Umso mehr hoffen Investoren auf einen Neustart. Ein Nachfolger Cryans wird allerdings einen erheblichen Strategieschwenk durchführen müssen, um das Geldhaus aus der schweren Krise zu führen.

Quelle: ntv.de