Wirtschaft

Streit zwischen Bund und Berlin Droht Tegel das Corona-Aus?

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Sonst überlastet, derzeit leer: der Flughafen Tegel.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ende Oktober soll der neuen Hauptstadtflughafen öffnen. Für den Flughafen Tegel wäre dies planmäßig das Ende des Betriebs. Möglicherweise ist es schon ein halbes Jahr früher so weit, denn durch das Coronavirus bricht das Flugaufkommen ein. Der Bund möchte den Flughafen trotzdem offen halten.

Die Berliner Landesregierung und der Bund streiten über eine vorübergehende Schließung des Flughafens Tegel. Während der Senat eine Schließung aus finanzieller Sicht während der Corona-Krise für sinnvoll hält, will das Bundesverkehrsministerium grundsätzlich alle Flughäfen offen halten. Das Passagieraufkommen in Tegel war eingebrochen, nachdem wegen der Pandemie weltweit Grenzen geschlossen und viele Flugverbindungen gestrichen wurden.

"Ich werde hier nicht das Versprechen abgeben, dass zum Beispiel Tegel oder eine andere Betriebsstätte des Flughafens nicht temporär geschlossen wird", sagte Berlins Finanzsenator Matthias Kollatz im Hauptausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Er sprach von zweistelligen Millionenverlusten, die derzeit eingefahren würden. Ein Antrag dazu wurde bei Berlins Luftfahrtbehörde aber noch nicht gestellt, wie die Senatsverkehrsverwaltung mitteilte.

Im Bundesverkehrsministerium gibt es dagegen starke Vorbehalte gegen eine vorübergehende Schließung. Demnach drängt der Bund darauf, beide Berliner Flughäfen offen zu halten, um die Funktionsfähigkeit der Infrastruktur zu gewährleisten - vor allem auch für Frachtflüge und Urlaubsrückkehrer, verlautet es aus Regierungskreisen. Gegen eine Schließung spricht aus Bundessicht auch, dass von Tegel aus die Regierungsflieger starten.

Nur noch 100 Flüge in der Stadt

Berlin hat neben Tegel noch den kleinen Flughafen Schönefeld in Brandenburg an der südöstlichen Stadtgrenze. An beiden Airports sind die Fluggastzahlen wegen der Corona-Krise um 90 Prozent eingebrochen. Pro Tag starten und landen in der Hauptstadt nur noch etwa 100 Flugzeuge - alleine in Schönefeld ließe sich das Dreifache abfertigen.

Der Aufsichtsratschef der Berliner Flughafengesellschaft, Rainer Bretschneider, hatte am Montag erklärt, im Moment stehe die Entscheidung nicht an. Man sei aber in der Absprache mit den Luftfahrtbehörden, um in den nächsten Wochen einen der beiden Flughäfen zu schließen. Die Flughafengesellschaft selbst habe eine Betriebspflicht, nur die Behörden könnten die Schließung verfügen.

Das Land Berlin ist wie Brandenburg zu 37 Prozent an den Hauptstadt-Flughäfen Schönefeld und Tegel beteiligt. Der Bund hält die restlichen Anteile an der Flughafengesellschaft und ist in deren Aufsichtsrat vertreten. Der Flughafen Tegel soll mit der Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER Ende Oktober ohnehin komplett geschlossen werden.

Quelle: ntv.de, chr/dpa