Wirtschaft

Fehlende Ticket-Erstattungen Druck auf Airlines wächst

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Bei der Lufthansa gingen nach Angaben von Vorstand Harry Hohmeister mehr als zwei Millionen Erstattungsanfragen ein.

(Foto: picture alliance/dpa)

Eine Richtlinie sieht vor, dass Passagiere nach annullierten Flügen ihr Geld innerhalb einer bestimmten Frist zurückbekommen. Bislang wurden aber nur einem Bruchteil der Kunden die Kosten für ausgefallene Flüge in der Corona-Krise erstattet. Jetzt mach das Luftfahrt-Bundesamt Druck bei den Airlines.

Die deutschen Behörden machen einem Zeitungsbericht zufolge Druck auf Fluggesellschaften, die nach wegen der Corona-Pandemie ausgefallenen Flügen das Geld für die Tickets noch nicht erstattet haben. Das Luftfahrt-Bundesamt (LBA) habe "zunächst gegen diverse Luftfahrtunternehmen Verwarnungen ausgesprochen", teilte die Behörde der "Welt am Sonntag" laut Vorabbericht mit.

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"Darüber hinaus sind zwischenzeitlich Ordnungswidrigkeitenverfahren gegen auffällig gewordene Luftfahrtunternehmen eingeleitet worden." Die Verfahren seien allerdings noch nicht abgeschlossen. Wegen der Corona-Pandemie sind zahlreiche Flüge gestrichen worden. Der Flugverkehr kam weltweit fast komplett zum Erliegen und erholt sich nur langsam. Zahlreiche Fluggesellschaften stecken nun in der Klemme und bekommen teilweise Staatshilfen, wie etwa die Lufthansa. Die Rückzahlungen bedeuten eine zusätzliche Belastung für die Airlines.

Bei der Lufthansa gingen nach Angaben von Vorstand Harry Hohmeister mehr als zwei Millionen Erstattungsanfragen ein. Die Fluggesellschaft sei von der Corona-Krise "überrollt" worden, sagte Hohmeister vor wenigen Tagen. Die Bearbeitung der Anträge dauert demnach derzeit zehn bis fünfzehn Minuten, vor der Krise seien es drei bis vier Minuten gewesen. Viele Forderungen von Passagieren seien auch unberechtigt. Lange Wartezeiten auf eine Erstattung gebe es möglicherweise wegen "komplexer Buchungen". Hohmeister sagte aber zu: "Jeder Kunde, der Anrecht auf Erstattung hat, wird diese auch auf jeden Fall von uns bekommen."

Erstattung eigentlich klar geregelt

Nach dem europäischen Fluggastrecht muss die Rückerstattung für gestrichene Flüge binnen sieben Tagen nach der Mitteilung über die Annullierung erfolgen. Das gilt nicht nur für europäische Fluglinien, sondern bei jeder Buchung eines Flugs mit Abflugort in einem EU-Land. Die von Airlines nach den Corona-bedingten Stornierungen vielfach ausgestellten Gutscheine müssen die Kunden nicht akzeptieren. Lehnen sie den Gutschein ab, behalten sie Anspruch auf Kostenerstattung.

Diese Erstattung verläuft aber teilweise schleppend und je nach Fluggesellschaft offenbar unterschiedlich, wie aus dem Bericht hervorgeht. So habe das Reiserechtsportal Fairplane 54.000 Fälle ausgewertet. Demnach seien Kunden von Easyjet in 96 Prozent der Fälle bereits entschädigt worden. Am Ende stehen Airlines wie Ryanair mit fünf Prozent, sowie die Lufthansa-Töchter Eurowings und Swiss mit vier und fünf Prozent.

Quelle: ntv.de, jki/dpa