Wirtschaft

US-Politiker fordern Flugverbot Druck auf Boeing in den USA steigt

RTX6QPK8.jpg

Produktion von Boeing 737 Max 8 im Bundesstaat Washington.

(Foto: REUTERS)

Anders als viele andere Flugaufsichtsbehörden weltweit hält die amerikanische FAA dem US-Flugzeugbauer Boeing weiter die Stange. Doch auch in den USA mehren sich Zweifel an der Sicherheit des Modells 737 Max 8. Der Konzernchef trommelt gegen ein Flugverbot.

Rund um den Globus werden nach dem Absturz einer Boeing 737 Max 8 in Äthiopien Flugverbote verhängt, doch die USA hält weiter stramm dagegen - bislang. Der Druck auf die US-Luftfahrtbehörde FAA wird immer größer. Spitzenpolitiker beider großen Parteien sowie Flugbegleiter fordern inzwischen, dass Boeings Krisenflieger vorerst am Boden bleibt. Der Hersteller beharrt indes auf der Sicherheit seiner Jets.

Boeing
Boeing 326,35

Konzernchef Dennis Muilenberg sprach einem Medienbericht zufolge direkt mit Präsident Donald Trump. Die "New York Times" berichtete unter Berufung auf zwei mit dem Gespräch vertraute Personen, Muilenberg habe bei Trump dafür geworben, kein Startverbot für baugleiche Maschinen in den USA zu verhängen. Auch der Sender CNN vermeldete das Telefonat. Eine offizielle Bestätigung gab es zunächst nicht.

FAA wartet Auswertung ab

Trotz internationaler Flugverbote für Jets vom Typ Boeing 737 Max 8 nach zwei Abstürzen binnen eines knappen halben Jahres sieht die FAA bisher keinen Anlass für ein Flugverbot. Bislang hätten die Überprüfungen der Behörde keine "systemischen Leistungsprobleme" bei dem Flugzeugtyp und keine Grundlage für ein Startverbot ergeben, teilte der FAA-Chef Daniel Elwell mit. Auch hätten Luftfahrtbehörden anderer Länder der FAA keine Daten zur Verfügung gestellt, die Maßnahmen erforderlich machten.

Weiter hieß es in der Mitteilung, die "dringende Auswertung" der Daten der am Sonntag abgestürzten Boeing dauere an. Sollten sich dabei Hinweise ergeben, die die Flugtauglichkeit der Maschinen infrage stellten, werde die FAA "sofortige und angemessene Maßnahmen" ergreifen. Knapp fünf Monate vor dem Crash in Äthiopien war bereits eine Boeing 737 Max 8 in Indonesien abgestürzt, dabei starben 189 Menschen. Bei dem Absturz am Sonntag wurden 157 Menschen getötet.

Politiker und Gewerkschaft einig

Alle Flieger sollten am Boden bleiben, bis die Ursachen der jüngsten Abstürze und die Flugtauglichkeit geklärt seien, twitterte dagegen der frühere republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney. Die einflussreichen demokratischen Senatoren Elizabeth Warren, Richard Blumenthal und Dianne Feinstein sowie Spitzenpolitiker Ted Cruz von den Republikanern schlossen sich der Forderung an.

Die Gewerkschaft APFA, die die über 27.000 Flugbegleiter von American Airlines vertritt, forderte die größte US-Fluggesellschaft zu diesem Schritt auf. Auch die Gewerkschaft der Transportarbeiter (TWU), in der unter anderem die Flugbegleiter von Southwest Airlines organisiert sind, verlangte ein Startverbot.

"Wir haben volles Vertrauen"

Abgesehen vom Nachbarstaat Kanada stehen die USA mit ihrer Einschätzung, dass die Boeing-Jets flugtauglich sind, mittlerweile ziemlich allein da. In Europa, Australien und weiten Teilen Asiens erteilten Luftfahrtbehörden bereits Flugverbote für alle baugleichen Maschinen. Zahlreiche Airlines legten die Flugzeuge am Dienstag wegen Zweifeln an der Sicherheit der Baureihe ebenfalls zunächst still. Damit ist gut die Hälfte der seit 2017 ausgelieferten rund 350 Flugzeuge aus dem Verkehr gezogen.

Die 737-Max-Serie ist der gefragteste Flugzeugtyp des Airbus-Rivalen. Bei andauernden Problemen mit dem Kassenschlager drohen Boeing massive Umrüstungskosten und Geschäftseinbußen. Der Aktienkurs des Unternehmens sackte den zweiten Tag in Folge ab.

Boeing beharrt unterdessen weiter auf der Verlässlichkeit der in die Kritik geratenen Baureihe. "Wir haben volles Vertrauen in die Sicherheit", teilte der Konzern mit. Die Sperre des deutschen Luftraums für das Boeing-Modell 737 Max gilt für drei Monate. Bis einschließlich 12. Juni dürfe kein Flugzeug des Typs Boeing 737 Max 8 und Max 9 über der Bundesrepublik fliegen, erklärte die Deutsche Flugsicherung (DFS) in Langen bei Frankfurt.

Quelle: n-tv.de, shu/rts

Mehr zum Thema