Wirtschaft

Werden Express und Co. verkauft? DuMont stößt offenbar alle seine Zeitungen ab

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Traditionsadresse in Köln. Gibts hier bald keine Zeitungen mehr?

(Foto: picture alliance / Oliver Berg/d)

Der traditionsreiche Kölner DuMont Verlag plant nach Brancheninformationen einen radikalen Schnitt. Ohne dass die Belegschaft etwas ahnte, soll die Mediengruppe ihre Regionalzeitungen zum Verkauf angeboten haben. Die Gewerkschaften sind empört.

Die Mediengruppe DuMont will sich nach Informationen des Branchenmagazins "Horizont" von all ihren Regionalzeitungen trennen. Betroffen sind der "Kölner Stadt-Anzeiger" und der Kölner "Express", die "Berliner Zeitung" und der "Berliner Kurier" ebenso wie die "Mitteldeutsche Zeitung" in Halle und die "Hamburger Morgenpost". Hinzu kämen alle Druckereien, zentralen Dienstleistungen und Anzeigenblätter, berichtete das Branchenblatt.

Gegenüber "Horizont" sagte eine Unternehmenssprecherin zwar, man wolle zu Gerüchten grundsätzlich keine Stellung beziehen, doch das Branchenmagazin berief sich auf Unterlagen, die eine Münchner Finanzgesellschaft von DuMont für die Organisation des Verkaufs bekommen haben soll. Danach planen die Gesellschafter keine vier Jahre nach dem Tod des Verlegers Alfred Neven DuMont, das gesamte Regionalzeitungsgeschäft abzustoßen. Lediglich die beiden Geschäftsfelder „Marketing Technology“ und „Business Information“ sollten übrigbleiben.

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Trauerfeier im Kölner Dom im Juni 2015: Keine vier Jahre nach dem Tod von Verleger Alfred Neven DuMont planen seine Nachfolger den Abschied vom Zeitungsgeschäft.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die DuMont Mediengruppe bestätigte am Nachmittag, sie prüfe eine Neuausrichtung ihrer Aktivitäten und schließe dabei auch den Verkauf von Unternehmensteilen nicht aus. Derzeit würden "verschiedene Handlungsoptionen" entwickelt, sagte eine Sprecherin. "Dies beinhaltet unter anderem auch die mögliche Veräußerung von Teilen des Portfolios der Mediengruppe." Entschieden sei aber noch nichts. Es gehe darum, "die zukunftsfähige Aufstellung des Unternehmens sicherzustellen". Die Prüfung werde mindestens bis Mitte des Jahres dauern, schrieb der DuMont-Vorstand in einem Intraneteintrag an die Mitarbeiter.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) sprach von einem "verlegerischen Offenbarungseid" und einem Beleg für "eklatantes Managementversagen in der Branche". DJV-Präsident Frank Überall warf der Mediengruppe vor, ihr sei das "verlegerische Verantwortungsgefühl" abhanden gekommen. Die Zeitungstitel erwirtschafteten nach wie vor Gewinne, zudem sei Qualitätsjournalismus in Zeiten von Fake News wichtig. Der DJV-Präsident forderte die DuMont-Chefetage auf, die Verkaufspläne ad acta zu legen.

Die Gewerkschaft Verdi verlangte von DuMont, "die Belegschaft und die Öffentlichkeit unverzüglich und umfassend über eine geplante Zerschlagung der Mediengruppe zu informieren". Es sei "unerträglich, mit welcher Gleichgültigkeit die Gesellschafter des Unternehmens mit den Existenzen tausender Beschäftigter umgehen". Weder die Betriebsräte noch die Gewerkschaften seien über solche Pläne informiert worden.

Quelle: n-tv.de, mau/AFP

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