Wirtschaft

Riesige Marktmacht missbraucht? EU-Kommission ermittelt gegen Facebook

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Die europäische Wettbewerbskommission will den Kleinanzeigendienst Facebook Marketplace intensiv prüfen.

(Foto: picture alliance / empics)

Facebook ist in den Fokus der EU-Kartellbehörde gerückt: Das weltgrößte Online-Netzwerk könnte gegen EU-Recht verstoßen, indem es Daten seiner Werbekunden missbräuchlich verwendet. Dabei ist Facebook nicht der erste US-Internet-Konzern, den die EU unter die Lupe nimmt.

Die EU-Kartellbehörde hat Ermittlungen gegen Facebook wegen Verstößen gegen das Wettbewerbsrecht aufgenommen. In dem Verfahren gehe es darum, ob der Online-Gigant mit seinem Kleinanzeigendienst Facebook Marketplace gegen EU-Recht verstößt. Dies teilte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager mit.

Über den Marketplace können Nutzer des sozialen Netzwerks privat Waren voneinander kaufen und verkaufen. Die EU-Kommission will nach eigenen Angaben klären, ob Facebook seine Stellung auf anderen Märkten für diesen Dienst wettbewerbswidrig ausnutzt. Wenn Konkurrenzunternehmen bei dem größten sozialen Netzwerk für ihre Dienste Werbung trieben, könnte Facebook in Besitz wirtschaftlich wertvoller Daten gelangen und diese dann gegen Wettbewerber nutzen, lautet der Verdacht.

Facebook hält das Verfahren für unbegründet. "Wir werden weiter voll mit der Untersuchung kooperieren, um zu zeigen, dass sie grundlos ist", erklärte der US-Konzern. Zu den Vorwürfen hieß es nur: "Wir entwickeln immer neue und bessere Dienste, um die sich entwickelnde Nachfrage der Menschen zu decken, die Facebook nutzen. Marketplace und Dating bieten den Menschen mehr Auswahl und beide Produkte funktionieren in einem sehr kompetitiven Umfeld mit vielen großen Anbietern."

Verfahren gegen Google, Apple, Amazon

Die EU-Kommission sieht dennoch Anlass für eine intensive Prüfung. "Facebook wird jeden Monat von fast drei Milliarden Menschen genutzt und verfügt über insgesamt fast sieben Millionen Werbekunden", sagte Vestager. Das Unternehmen sammle riesige Mengen an Daten über die Aktivitäten der Nutzer seines sozialen Netzwerks und anderer Dienste und sei daher in der Lage, bestimmte Kundengruppen gezielt zu erreichen. So könnte Facebook etwa aus den Werbeaktivitäten seiner Wettbewerber genaue Informationen über Vorlieben der Nutzer ableiten.

Unabhängig von der EU hat auch die britische Wettbewerbsbehörde Ermittlungen gestartet. Facebook ist der letzte große US-Technologiekonzern, der von Vestager unter die Lupe genommen wird. Verfahren gegen Google, Apple wie auch Amazon gab es bereits.

Das 2016 eröffnete Marktplatz-Geschäft von Facebook zählt inzwischen 800 Millionen Nutzer in 70 Ländern, die über die Plattform Waren kaufen und verkaufen. Kleinanzeigen-Anbieter haben sich Insidern zufolge beschwert, dass Facebook seine Marktmacht ausnutzt, um Wettbewerbsvorteile zu erzielen.

Quelle: ntv.de, spl/rts/dpa

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