Wirtschaft

"USA spielen gefährliches Spiel" EU startet Gegenoffensive im Handelsstreit

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Auch Harley Davidson dürfte von möglichen Gegenzöllen betroffen sein.

(Foto: picture alliance / dpa)

Seit dem Morgen erheben die Vereinigten Staaten hohe Strafzölle auf Importe von Stahl und Aluminium aus der EU - nun reagiert Brüssel mit einer Beschwerde bei der WTO. Auch Gegenzölle sind geplant. Sie kommen allerdings frühestens zum 20. Juni.

Nach Inkrafttreten der US-Strafzölle auf Stahl und Aluminium hat die EU ihre Gegenoffensive gestartet. Die Europäer legten bei der Welthandelsorganisation WTO in Genf offiziell Beschwerde ein und trieben die Vorbereitung von Gegenzöllen auf US-Waren voran. EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström warnte US-Präsident Donald Trump davor, auch Strafzölle auf europäische Autos zu verhängen. "Die USA spielen ein gefährliches Spiel", sagte Malmström in Brüssel.

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Die am Morgen in Kraft getretenen US-Strafzölle von 25 Prozent auf Stahl und zehn Prozent auf Aluminium seien nicht gerechtfertigt und "purer Protektionismus", sagte Malmström. Sie brächten Jobs in Europa, aber auch in den USA in Gefahr. Die EU-Kommission hat bereits eine Liste mit US-Waren im Wert von 2,8 Milliarden Euro erstellt, die nun ihrerseits mit Strafzöllen belegt werden könnten. Sie umfasst neben Stahlprodukten auch Bourbon-Whiskey, Erdnussbutter, Harley-Davidson-Motorräder und Levi's-Jeans.

Die Liste werde nun mit den Mitgliedstaaten beraten, sagte Malmström. Davon werde abhängen, in welchem Umfang Gegenzölle verhängt würden. "Wir können einen Teil der Liste nutzen, die ganze Liste, wir können einen Teil jetzt und einen Teil später nutzen." Laut EU-Kommission wäre die Verhängung frühestens ab dem 20. Juni möglich. Im ARD-Interview betonte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier die Geschlossenheit der Europäer gegenüber Washington. Die Antwort der EU werde "sehr stark und sehr geschlossen" sein.

Autobauer äußern sich besorgt

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Cecilia Malmström warnt Donald Trump.

(Foto: AP)

Trump hat für den Fall europäischer Gegenzölle bereits mit Strafzöllen auch auf europäische Autos und Autoteile gedroht. Der US-Präsident lässt diese seit vergangener Woche offiziell prüfen. Sie würden vor allem deutsche Hersteller treffen. Diese haben 2017 fast eine halbe Million Fahrzeuge in die USA exportiert. Solche Zölle könnten "enorme Schäden" in der EU, aber auch in den USA anrichten, sagte Malmström. Sollten die Zölle kommen, wäre dies "äußerst beunruhigend".

Volkswagen erklärte, es stehe zu befürchten, dass die Strafzölle auf Stahl und Aluminium "den Auftakt für eine Negativentwicklung von Maßnahmen und Gegenmaßnahmen darstellt", an deren Ende es keinen Gewinner geben werde. BMW verwies auf eigene Produktionsstätten in den USA. Der deutsche Autobauer sei gemessen am Wert der größte Exporteur von Pkw aus den Vereinigten Staaten.

Regierung will im Dialog bleiben

Um eine weitere Eskalation zu verhindern, will die Bundesregierung den Gesprächsfaden mit Washington nicht abreißen lassen. "Wir müssen auch in schwierigen Zeiten im Dialog bleiben", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. In Kanada kommen am nächsten Wochenende die Staats- und Regierungschefs von sieben großen Industrienationen (G7) zusammen, zu denen auch die USA und Deutschland gehören.

Malmström schloss aber aus, dass die Europäer derzeit breiter angelegte Handelsgespräche mit den USA aufnehmen könnten. "Wir werden nicht in irgendwelche Verhandlungen eintreten", sagte sie. Die EU habe dies während der Gespräche über die angestrebte Ausnahme von den Stahl- und Aluminiumzöllen angeboten. Die US-Seite sei aber nicht darauf eingegangen. Nun sei "die Tür dafür im Augenblick geschlossen".

Quelle: n-tv.de, jug/AFP

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