Wirtschaft

Delle für EU-Konjunktur möglichEZB-Chefvolkswirt fürchtet Inflationsschub durch längeren Iran-Krieg

03.03.2026, 09:55 Uhr
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An der Zapfsäule lassen sich Preissprünge schnell ablesen. (Foto: picture alliance / Rene Traut Fotografie)

Nachdem die USA und Israel ihre Angriffe auf den Iran starten, steigen die Preise für Öl und Gas sprunghaft. Infolgedessen könnte die Inflation generell klettern, erklärt EZB-Chefvolkswirt Lane. Wie stark, das hängt vor allem von der Dauer des Krieges ab.

Ein längerer Krieg im Nahen Osten kann nach den Worten des Chefvolkswirts der Europäischen Zentralbank (EZB), Philip Lane, die Inflation in der Eurozone anheizen und die Wirtschaft ausbremsen. "Ein Anstieg der Energiepreise übt tendenziell Inflationsdruck aus, insbesondere kurzfristig", sagte Lane der "Financial Times" in einem Interview. Dies könne sich auch negativ auf die Konjunktur auswirken.

Am Montag hatte sich der Krieg der USA und Israels gegen den Iran ausgeweitet. Israel griff den Libanon an, während der Iran seine Attacken auf die ölreichen Golfstaaten fortsetzte. Dies trieb die Ölpreise um mehr als zehn Prozent in die Höhe.

Die Folgen für die Inflation hängen von der Dauer des Konflikts ab, sagte der Notenbanker weiter. Die Europäische Zentralbank werde die Lage beobachten. Lane verwies auf frühere Analysen der Währungshüter. Diesen zufolge würde ein längerer Krieg zu einem "deutlichen Anstieg" der energiepreisbedingten Inflation und einem "starken Rückgang" der Wirtschaftsleistung führen, sollte es zu einem dauerhaften Rückgang der Energielieferungen aus der Region kommen. Eine separate Analyse der EZB vom Dezember deutet darauf hin, dass ein dauerhafter Ölpreisanstieg in dieser Größenordnung die Inflation um 0,5 Prozentpunkte anheben und das Wachstum um 0,1 Prozentpunkte dämpfen könnte.

Zuvor hatten bereits Banken-Ökonomen gewarnt, dass ein sich über Wochen oder gar Monate hinziehender Krieg im Nahen Osten auf die Verbraucherpreise durchschlagen könnte. "In einem solchen Risiko-Szenario würde die Inflationsrate im Euroraum schätzungsweise um mehr als einen Prozentpunkt steigen, also von zuletzt 1,7 auf knapp 3 Prozent", sagte etwa Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. "Das wäre ein spürbarer Verlust an Kaufkraft für die Konsumenten."

Die EZB neigt dazu, über kurzfristige, energiepreisbedingte Schwankungen hinwegzusehen. Dies gilt, solange die längerfristigen Inflationserwartungen nicht beeinträchtigt werden und die Teuerung nicht für Zweitrundeneffekte sorgt - also auch andere Waren sowie Dienstleistungen verteuert. Die Geldpolitik wirkt zudem mit großer Verzögerung und wird als weitgehend wirkungslos gegen kurzfristige Preisschwankungen betrachtet. Vorerst sind die auf den Märkten basierenden längerfristigen Inflationserwartungen kaum verändert. Die Märkte erwarten für das gesamte Jahr keine Änderung des maßgeblichen EZB-Einlagensatzes von derzeit zwei Prozent.

Quelle: ntv.de, als/rts

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