Wirtschaft

Staatshilfe für Karstadt Kaufhof Ein Rettungsversuch ohne Perspektive

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Wider die Verödung der Innenstädte? Das ist kein Argument! Die sich ändernden Stadtbilder werden sich nicht vermeiden lassen.

(Foto: imago images/Arnulf Hettrich)

Die angeschlagene Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof soll mit rund einer halben Milliarde Euro aus dem Pandemie-Fonds der Bundesregierung gerettet werden. Das geschieht wider besseres Wissen. Die Chancen, dass der Konzern das Geld je zurückzahlen kann, laufen gegen null.

Hinterher ist man immer schlauer. Beim Versuch, den Warenhaus-Riesen Galeria Karstadt Kaufhof mit einem Staatskredit vor dem Untergang zu bewahren, gilt das allerdings schon im Vorhinein. Das Darlehen von rund einer halben Milliarde Euro aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds der Bundesregierung kann den Niedergang des Unternehmens lediglich verzögern. Der Salami-Lockdown hat die Lage des Konzerns jetzt nur noch verschärft. Unfähig, nachhaltige Gewinne zu erwirtschaften, waren die so traditionsreichen Warenhäuser, schon lange vorher.

Schon vor der Fusion Ende 2019 kämpften Karstadt und Kaufhof über viele Jahre mit Kundenschwund, Ineffizienzen und Verlusten. Eine Pandemie, wie wir sie derzeit erleben, war damals noch nicht vorstellbar. Der Zusammenschluss sollte die angeschlagenen Warenhäuser wieder wettbewerbsfähiger machen. Inzwischen weiß man: Die Beteiligten rechneten sich die Fusion schön. De facto war der Deal aus der Not geboren.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die unter massiven Kunden- und Umsatzschwund leidende Gruppe, den dreistelligen Millionenkredit jemals wieder wird zurückzahlen können, läuft gegen null. Die Ineffizienzen sind nach wie vor hoch. Der bei Konkurrenten wie Amazon und Otto so gewinnbringende Online-Handel dümpelt bei Karstadt Kaufhof vor sich hin.

Dass der Einzelhandelsverband dem vor sich hin siechenden Riesen eine Systemrelevanz bescheinigt, ist bloßer Lobbyismus. Für die Versorgung des Landes spielt das Unternehmen eine untergeordnete Rolle. Würden die Verbraucher zu normalen Zeiten in die Warenhäuser strömen, wäre die wirtschaftliche Lage des Konzerns nicht annähernd so angespannt.

Die Politik greift das Argument fahrlässig, aber gerne auf. Es geht um die drohende Verödung von beinahe 130 Innenstädten, wenn Karstadt Kaufhof seine Häuser dichtmacht. Doch die sich ändernden Stadtbilder werden sich nicht vermeiden lassen!

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Weil Kunden verstärkt online einkaufen und im stationären Handel immer häufiger auf Einkaufserlebnisse achten, dünnen immer mehr Einzelhandelsketten ihr Filialnetz aus. Leerstehende Läden führen jedem Umherschlendernden die wirtschaftlichen Schäden, die wir - geschürt durch die Corona-Pandemie - in immer stärkeren Maße erleben, mitten im Wahljahr vor Augen. Viel deutlicher als das die Bundesregierung in ihrer gerade nach unten korrigierten Wachstumsprognose für das laufende Jahr erklären mag.

Der Staatskredit lenkt ab - von unternehmerischem Versagen und einem sich ändernden Verhalten der Konsumenten. Das Scheitern der traditionsreichen Warenhäuser wird dadurch kaum aufzuhalten sein.

Quelle: ntv.de