Wirtschaft

Kommentar zum Brexit-Abkommen Eine schöne Bescherung!

Das Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Großbritannien steht. Das Chaos, das ein ungeordneter Brexit mit sich gebracht hätte, ist damit endlich abgewendet. Einfach wird der Neustart im Miteinander zwischen Brüssel und London trotzdem nicht. Im Gegenteil.

Zumindest die Symbolik ist unübertroffen. Zu Weihnachten, dem Fest der Freude, haben sich die Europäische Union und Großbritannien auf das lange erwartete Freihandelsabkommen geeinigt. Die nicht zu kalkulierenden Folgen, die ein ungeregelter, harter Brexit mit sich gebracht hätte - sie wurden kurz vor knapp abgewendet. Immerhin das.

Ausgerechnet die grassierende Corona-Pandemie war es wohl, die in London die Bereitschaft zum Last-Minute-Deal schürte. Großbritannien spürt die Corona-Folgen so hart wie bislang kaum ein anderes Land in Europa. Da hätten der britischen Regierung um Premier Boris Johnson ein weiteres Chaos mit Versorgungsengpässen durch einen ungeordneten Brexit gerade noch gefehlt.

Wird jetzt alles gut? Zweifel sind berechtigt. Selbst wenn die Parlamente und Regierungen der Europäischen Union und Großbritannien den Vertrag durchwinken, wird sich das Zusammenspiel zwischen der Insel und dem Kontinent gehörig ändern. Brüssel und London haben sich auf dem kleinstmöglichen Nenner geeinigt. Vor allem der Handel wird künftig nicht mehr so reibungslos ablaufen, wie wir das gewohnt sind. Das wird man in den kommenden Wochen und Monaten sehen.

Großbritannien ist nach den USA der zweitgrößte Exportmarkt der Europäischen Union. Für die Briten ist kein Absatzmarkt wichtiger als der der EU. Dass es künftig beim Warenverkehr keine Zölle und mengenmäßige Beschränkungen gelten sollen, hilft allzu große Probleme zu verhindern. Aber die Bürokratie befeuert das. Es wird verschärfte Güterkontrollen geben, die geölte Lieferketten belasten. Die neuen Regeln der wirtschaftlichen Zusammenarbeit werden hunderte Millionen an neuen Formularen erzwingen, die ausgestellt und bearbeitet werden müssen. Was Zeit und Geld kostet und die Firmen belastet - auch die deutschen.

Bis zu einer halben Million Arbeitsplätze hängen bislang in Deutschland am wirtschaftlichen Zusammenspiel mit der Insel. Großbritannien wird an wirtschaftlicher Attraktivität einbüßen. Investitionsentscheidungen werden wohl kritischer geprüft werden - was Jobs kostet. Freilich nicht annähernd so viele, wie dies bei einem No-Deal der Fall wären. Aber der Druck nimmt zu.

Die weihnachtliche Euphorie ist irgendwann verflogen. Streitigkeiten sind vorprogrammiert. Nicht ohne Grund ist im Brexit-Vertrag eine Schlichtungsroutine vorgesehen. Man wird sie brauchen.

Quelle: ntv.de