Wirtschaft

"Uneffektiv" und "zynisch" Elon Musk, der umstrittene Visionär

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Elon Musk ist aktuell laut dem "Forbes"-Magazin der 106. reichste Mensch der Welt.

(Foto: dpa)

Hinter zukunftsgewandten Unternehmen wie Tesla, SpaceX und Paypal steht ein Mann, der polarisiert: Elon Musk. Für manche ist er der größte Vordenker der Gegenwart, andere halten ihn lediglich für einen Blender.

Kaum ein Name verbindet sich so sehr mit Innovationen in der Technologiebranche wie Elon Musk. "Er ist ein besessenes Genie hinter der größten Mission, die jemals irgendjemand gewagt hat", beschreibt ihn der Wirtschaftsjournalist Ashlee Vance, der 2015 eine Biografie über den Visionär veröffentlichte. Musk löst gleichermaßen Bewunderung und Kopfschütteln aus. Doch wer ist der Mann hinter Tesla, SpaceX, Paypal und Hyperloop?

Der gebürtige Südafrikaner, der mittlerweile eine kanadische Staatsbürgerschaft besitzt, setzte sich schon früh ehrgeizige Ziele. Mit zwölf Jahren programmierte er sein erstes Computerspiel, das er an eine PC-Zeitschrift verkaufte. Im Alter von 24 Jahren erkannte Musk die Möglichkeiten, die das Internet künftig bieten würde und gründete gemeinsam mit seinem Bruder Kimbal sein erstes IT-Start-Up. Zip2 bot bereits im Jahr 1995 den Dienst an, den heutzutage Portale wie Yelp oder Google Maps anbieten - eine Art Branchenverzeichnis für Händler und Unternehmen. Vier Jahre nach der Firmengründung verkauften die Musk-Brüder ihr Unternehmen für eine damalige Rekordsumme von etwa 300 Millionen Euro an den Computergiganten Compaq.

Mit umgerechnet 18,8 Millionen Euro, die Elon Musk mit dem Zip2-Verkauf verdiente, widmete er sich seinem nächsten Projekt: X.com. Das Online-Bezahlsystem fusionierte nach nur einem Jahr mit der Konkurrenz und entwickelte sich zu Paypal. Das Portal, das Bezahldienste im Internet anbietet, hat mittlerweile beinahe 17.000 Mitarbeiter und wurde 2002 für umgerechnet fünf Milliarden Euro an Ebay verkauft. Musks Anteil an dem Megadeal belief sich auf 155 Millionen Euro.

Mit SpaceX zum Mars

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2018 sollen bereits erste unbemannte Schiffe auf dem Mars landen, verkündet Musk.

(Foto: AP)

Damit hatte er genug Geld verdient, um sich einer weiteren Leidenschaft zu widmen: der bemannten Raumfahrt. Seine dritte Firma SpaceX dreht sich um dieses Thema und existiert seit 2002. Mit dem Unternehmen will Musk Flüge ins All für jedermann technisch möglich und finanzierbar machen, denn er plant in naher Zukunft die Kolonialisierung des Mars. "Er hat Ziele, die er erreichen will, egal was es kostet", schreibt Biograf Vance in "Wie Elon Musk die Welt verändert". Während die US-Raumfahrtbehörde Nasa von einer Mars-Besiedlung frühestens im Jahr 2030 ausgeht, will der Kanadier seine Pläne bereits bis 2025 realisieren. Fragen zu der für den Menschen gefährlichen Strahlung auf dem Mars oder dem nicht vorhandenen Magnetfeld weicht Musk aus. Lieber spricht er von Tankstellen im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter und weiteren Reisezielen im Sonnensystem.

Doch SpaceX hat noch weitere Pläne. Musks Raumfahrtkonzern gelang bereits die Konstruktion wiederverwendbare Trägerraketen, die Satelliten und Versorgungsgüter ins All transportieren können und nach ihrer Mission kontrolliert wieder auf der Erde landen, ohne beim Eintritt in die Erdatmosphäre zu zerschellen oder ins Meer zu stürzen. Somit soll die Raumfahrt nicht nur nachhaltiger, sondern wesentlich rentabler gestaltet werden. Einige Versuche zum Start einer derartigen Rakete misslangen, doch "sogar bei schlimmen Rückschlägen bricht Musk nicht zusammen, sondern fängt noch einmal von vorn an", so Vance.

Das gilt auch für seinen Tech-Konzern Hyperloop, mit dem der fünffache Familienvater eine schnellere Fortbewegung ermöglichen möchte. Hierzu entwickelt die Firma Druckluftröhren, in denen bemannte Transportkapseln zirkulieren sollen. Die futuristische Rohrpost soll es laut Aussage Musks möglich machen, eine Strecke von 600 Kilometern Länge innerhalb von 35 Minuten zu bewältigen. Ein erster Test für einen Hyperloop ist für die Entfernung zwischen Los Angeles und Las Vegas geplant.

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Tesla und die "Petrolheads"

Bekannt ist Musk vor allem durch den Elektroautokonzern Tesla Motors. 2004 stieg er als Investor in das Unternehmen ein und trug seitdem dazu bei, Tesla international bekannt zu machen. Rote Zahlen gehören jedoch zum Alltag bei Tesla. Erst zweimal gelang es dem börsennotierten Autobauer, schwarze Zahlen zu schreiben - zuletzt im dritten Quartal 2016. Für seine mangelnde Profitabilität stehen Musk und der Tesla-Konzern deshalb in der Kritik. Musks Widersacher werfen ihm vor, den technologischen Fortschritt über die Rentabilität zu stellen. 2015 machte der Elektromobilitätskonzern noch ein Verlustgeschäft in Höhe von über 275 Millionen Euro.

Trotzdem bringt Tesla stetig neue Automodelle wie den Model X auf den Markt und überarbeitet ältere wie den Model S. Vor allem aber setzt Musk den Fokus auf autonomes Fahren und erntet dafür Lob, aber auch Kritik. Denn die Tesla-Software Autopilot wird unter anderem für einen tödlichen Verkehrsunfall im Mai in Florida verantwortlich gemacht. Der 45-jährige Musk ignoriert indes die Stimmung, die gegen selbstfahrende Elektroautos gemacht wird, und bezeichnet seine Konkurrenten geringschätzig als "Petrolheads" (Benzinmotorenfreaks). Künftig will Musk es seinen Kunden ermöglichen, ihr Tesla-Modell eigenständig als Taxi loszuschicken und greift damit Branchenprimus Uber an.

Doch damit nicht genug. Der neueste Clou von Elon Musk ist sein 2,4 Milliarden Euro teurer Einstieg in den Ökostromkonzern SolarCity. Bisher schreibt der Solarzellenanbieter rote Zahlen, doch Musk spricht von einer "idealen Verbindung" zwischen SolarCity und Tesla. Das Unternehmen wurde 2006 von Musks Cousins Lynson und Peter Rive gegründet. Kritiker des Visionärs wie Berkeley-Professor Steven Davidoff Salomon werfen ihm deshalb "inzestuöse" Vetternwirtschaft und einen Interessenkonflikt vor, da Musk zugleich größter Anteilseigner und Verwaltungratsschef ist.

Das US-Portal "Salon" bezeichnet den Geschäftssinn des Visionärs indes als "uneffektiv" und Musk als "zynisch". Alle seine Unternehmen seien durch Schulden und mangelnden Geldfluss belastet, so der Vorwurf. Diese Kritik dürfte ihn angesichts seines aktuell vom "Forbes"-Magazin geschätzten Vermögens von 10,4 Milliarden Euro (Rang 106) wenig kümmern.

 

Quelle: ntv.de