Weiße aussterbende Minderheit?Elon Musk sorgt mit "Rassenpanik" zunehmend für Kopfschütteln

Milliardär Elon Musk steht kurz vor einem rekordverdächtigen Börsengang. Doch zuletzt äußert sich Musk zunehmend zu einem anderen Thema: Er sieht weiße Menschen diskriminiert und verbreitet Verschwörungstheorien über ihr Aussterben.
Elon Musk, der reichste Mensch der Welt, verprellt mit seinen Aufrufen zur Rettung der weißen "Rasse" zunehmend auch Tesla-Fans. "Weiße sind eine schnell aussterbende Minderheit", schrieb Musk im Januar in einem Beitrag auf seiner Social-Media-Plattform X, der mehr als 17 Millionen Aufrufe und 150.000 Likes erhielt. Wie die "Washington Post" berichtet, hat Musk in letzter Zeit die Häufigkeit seiner Online-Beiträge zum Thema ethnische Herkunft sowie seine Besorgnis über vermeintliche Bedrohungen für "die Weißen" - oder das, was er als Aufrufe zum "Völkermord" an Weißen ansieht - deutlich erhöht.
In den vergangenen sieben Monaten drehten sich sechs Prozent von Musks Beiträgen auf X - insgesamt etwa 850 - um ethnische Zuschreibungen, fast dreimal so viel wie in den beiden Jahren zuvor. In mehr als der Hälfte dieser Beiträge wurde das Wort "weiß" verwendet. Der Milliardär hat von Oktober vergangenen Jahres bis Mitte April fast täglich - an 166 von 197 Tagen - Beiträge zum Thema ethnische Herkunft auf X gepostet, wie die Analyse der Zeitung ergab.
In einem Beitrag vom Februar, der von mehr als 365.000 Accounts geliked wurde, erklärte Musk, dass "es im Westen seit mehr als einem Jahrzehnt unerbittlichen Hass und giftige Propaganda gegen jeden Weißen, Heterosexuellen oder Mann gibt", und fügte hinzu: "Keine Schuldgefühle mehr. GENUG."
Dem Bericht zufolge dient Musks X-Feed seit Jahren als Sprachrohr für seine konservativen Ansichten, insbesondere seit er sich im US-Präsidentschaftswahlkampf 2024 als einer der prominentesten Unterstützer von Donald Trump hervortat. Doch mittlerweile hätten seine Behauptungen eine neue Qualität erreicht.
Demnach behauptet Musk nicht nur, dass Weiße unerbittlichen Verleumdungen ausgesetzt seien, sondern habe auch angedeutet, dass ihre ethnische Zugehörigkeit bei der Personalauswahl von Unternehmen eine nachteilige Rolle spiele. Zusätzlich hebe er die Rolle der Weißen bei der Abschaffung der Sklaverei hervor und habe sogar Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sowie ein KI-Tool, das mit seinem eigenen Chatbot "Grok" konkurriert, des Rassismus gegenüber Weißen und Asiaten bezichtigt.
Erzählung über "weißen Genozid" in Südafrika
Musk habe sich "in politische Debatten über sein Heimatland Südafrika gestürzt, in dem seiner Meinung nach weiße Menschen in der Zeit nach der Apartheid weitgehend diskriminiert wurden", heißt es. Fachleute widersprechen der Darstellung, mit der er eine in rechtsextremen Kreisen verbreitete Verschwörungstheorie vom angeblichen "weißen Genozid" übernimmt. Diese ist auch schon von US-Präsident Donald Trump verbreitet worden.
Zwar gibt es in Südafrika Gewaltkriminalität, die auch Landwirte betrifft - allerdings quer durch alle Bevölkerungsgruppen. Laut der südafrikanischen Medienwissenschaftlerin Nicky Falkof greift der Mythos gezielt tief sitzende Ängste vieler Weißer auf - etwa davor, benachteiligt oder verdrängt zu werden - und stellt sie zugleich unrechtmäßig als besonders bedrohte Opfer dar.
Musk teilt seinen Followern schon seit Jahren ungefilterte Gedanken mit - ein Publikum, das mittlerweile mehr als 238 Millionen Nutzer auf X umfasst. Einige der Ansichten, die er in letzter Zeit zum Thema ethnischer Zugehörigkeit vertreten hat, haben laut Experten extreme Züge. "Soweit ich das beurteilen kann, stimmt Musk derzeit mit den gängigen Argumenten der 'White Supremacy' (die Erzählung weißer Überlegenheit) überein", sagte Heidi Beirich, Mitbegründerin des "Global Project Against Hate and Extremism", der Zeitung.
Rekordverdächtiger Börsengang geplant
Die Äußerungen des Milliardärs zum Thema Ethnie haben dem Bericht zufolge auch die Aufmerksamkeit ehemaliger Musk-Anhänger auf sich gezogen, die in Kommentaren gegenüber der Zeitung und in ihren eigenen Online-Beiträgen argumentierten, dass Musks Obsessionen ihn von seinen geschäftlichen Anforderungen ablenken und seinen Ambitionen schaden.
"Rivian: konzentriert sich auf Autonomie und sein nächstes Fahrzeug", schrieb im Dezember ein beliebter Tesla-Fan-Account auf X, der Musk mittlerweile kritisch gegenübersteht, und verwies dabei auf einen konkurrierenden Elektrofahrzeughersteller. "Elon: konzentriert sich auf den Anteil der weißen Bevölkerung in Neuseeland."
Musks Weltraumfirma SpaceX steht kurz vor einem Börsengang in den USA. Das angepeilte Emissionsvolumen von 75 Milliarden Dollar würde den bisherigen Weltrekord des Ölkonzerns Saudi Aramco aus dem Jahr 2019 um das Dreifache übertreffen.