Wirtschaft

"Historischer Tag" Erdogan präsentiert türkisches E-Auto

Es ist der Traum von Präsident Erdogan, dass die Türkei ein eigenes Auto herstellt. Ein erster Versuch scheiterte. Nun soll es mit E-Autos klappen. Das Milliarden-Projekt soll ab 2022 mehrere Modelle hervorbringen. Der Staatschef gab seine Bestellung für das noch namenlose Auto schon auf.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat mit großer Fanfare eine heimische Automarke vorgestellt. "Heute erleben wir einen historischen Tag für unser Land, erleben, wie ein Traum von 60 Jahren wahr wird", sagte er während der Vorstellung der Prototypen in Gebze bei Istanbul und bestellte gleich ein erstes Auto vor. Bei dem Wagen handelt sich um ein Elektrofahrzeug, das 2022 in Herstellung gehen soll. Der Name soll 2020 bekannt gegeben werden. Insgesamt soll es fünf Modelle geben.

Der Hersteller, Togg, ist ein Joint Venture von fünf Firmen und einer Interessenvertretung für Industrieunternehmen und Börsen. Das Konsortium mit dem Namen Turkey's Automobile Initiative Group (TOGG) war Mitte 2018 von fünf Industrieunternehmen gegründet worden: Anadolu Group, BMC, Kok Group, dem Mobilfunkbetreiber Turkcell und Zorlu Holding, dem Mutterkonzern des TV-Herstellers Vestel. TOGG-Vorstandschef ist der frühere Bosch-Geschäftsführer Gurcan Karakas. Der für das operative Geschäft zuständige Manager ist Sergio Rocha, der früher Geschäftsführer von General Motors Korea war.

Staatliche Garantien

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Klotzen statt Kleckern: der E-Bosporus-Bomber und sein Käufer.

(Foto: via REUTERS)

Eine türkische Automarke ist ein lang gehegter Wunsch des Präsidenten, der sagte, die Türkei verdiene Besseres, als die Autos anderer Hersteller zusammenzusetzen. In den 1960er Jahren war ein erster Versuch der Türkei mit einer Eigenmarke - dem Devrim - gescheitert.

In einem im Staatsanzeiger veröffentlichten präsidialen Dekret heißt es, dass der Wagen in der nordwesttürkischen Stadt Bursa hergestellt werden soll. Bis zu 175.000 Autos sollen dort jährlich gebaut werden. Das Investitionsvolumen beträgt umgerechnet rund 3,3 Milliarden Euro. Die Regierung unterstützt das Projekt finanziell. Es ist auch die Rede von Garantien für die Abnahme von 30.000 Elektroautos bis Ende 2035.

Türkei ist bedeutender Exporteur

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Noch ohne Name - aber schon in mehreren Farbvarianten.

(Foto: via REUTERS)

Die Türkei ist bereits ein bedeutender Exporteur von Autos nach Europa, die in der Türkei jedoch von großen globalen Herstellern wie Ford, Fiat Chrysler, Renault, Toyota und Hyundai hergestellt werden. Der Automobilindustrie in dem Land ging es zuletzt schlechter. 2018 war unter anderem wegen einer Währungskrise der Binnenmarkt eingebrochen. 2019 hatte zudem Volkswagen wegen der Militäroffensive der Türkei im Norden Syriens Pläne für ein Werk im westtürkischen Manisa auf Eis gelegt. 

Der Chef des Zuliefererverbandes der Industrie, Alper Kanca, sagte: "Dass die Regierung gewisse Absatzzahlen verspricht und Geld für die Investition bereithält, zeigt, dass das nicht nur ein Projekt zum Stimmenfang ist". Kurzfristig könne das Projekt der Industrie in ihrer schwierigen Lage nicht helfen, weil das Auto ja erst 2022 in Serienproduktion gehen solle. "Aber wenn alles gut läuft, werden wir in drei Jahren davon profitieren." Kanca sagte, der Erfolg werde auch davon abhängen, wie hoch die traditionell saftigen Steuern auf den Wagen ausfallen. Wie teuer die Fahrzeuge sein sollen, blieb zunächst unklar.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa/rts