Wirtschaft

Geschäfte mit den Saudis Es geht um viel Geld

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Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman.

(Foto: AP)

Der saudische Kronprinz war bisher ein Glücksfall für ausländische Unternehmen. Doch sein Image bekommt nach dem Verschwinden des Oppositionellen Khashoggi erhebliche Kratzer - und zwingt Geschäftspartner, sich kräftig zu verbiegen.

Ob im Silicon Valley oder in München: Weder fundamentalistischer Islam, autokratische Herrschaft oder das Auspeitschen von Oppositionellen hindern Unternehmen daran, mit Saudi-Arabien Geschäfte zu machen. Trotzdem kam es Firmenchefs in Europa und den USA sehr gelegen, dass Mohammed bin Salman Kronprinz wurde. Denn angesichts der unschönen Ausprägungen saudischer Willkür lassen sich Deals mit dem Königreich mit Hinweis auf den Thronfolger besser rechtfertigen - schließlich kommt es besser rüber, wenn man Geschäfte mit einem Modernisierer macht als mit einem Autokraten.

Der unter dem hippen Kürzel MBS bekannte 33-Jährige hat dafür gesorgt, dass sich das Saudi-Arabien als ein Land darstellen kann, das sich öffnet und modernisiert. Dieses Image hat mit der vermutlichen Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi allerdings erhebliche Kratzer bekommen.

Nun wird plötzlich darüber geschrieben und gesprochen, wie hässlich Saudi-Arabien hinter der glitzernden Fassade sei. Das kommt den ausländischen Geschäftspartnern äußerst ungelegen. Denn für sie verkörperte bin Salman bisher die Aussicht auf eine lukrative Zukunft. Er will sein Land aus der Abhängigkeit vom Öl führen und dafür viel Geld in die Hand nehmen. Symbol für diese Transformation ist das riesige Infrastruktur-Projekt "Neom". Saudi-Arabien veranschlagt die Investitionen für die Industriezone auf 500 Milliarden Dollar. Auf einer Fläche von 26.500 Quadratkilometern sollen zwischen dem Roten Meer und dem Golf von Akaba Firmen von der Energie- und Wasserwirtschaft über die Biotechnologie bis zur Unterhaltungsbranche angesiedelt werden. Und daran hätten zahlreiche ausländische Unternehmen gerne ihren Anteil.

Hinzu kommt, dass die Saudis eine große Einkaufstour gestartet haben. Über den Staatsfonds hat sich das Land beispielsweise an Twitter, Uber und Tesla beteiligt. Das Königreich ist dem "Wall Street Journal" zufolge der größte Finanzierer für Startups in den USA. Bin Salman habe seit Mitte 2016 mindestens elf Milliarden Dollar in solche Firmen geleitet.

Das Vorbild heißt Katar

In Deutschland wollen die Saudis ebenfalls einkaufen. Im Visier sind nicht nur Großkonzerne, sondern auch Mittelständler, die in ihrem Gebiet zu den Weltmarktführern gehören. Doch daraus wurde noch nicht viel. Denn finanziert werden sollte das Ganze mit dem Teil-Börsengang des staatlichen Ölkonzerns Aramco. Den legte das saudische Herrscherhaus aber aufs Eis und so stehen die erhofften 100 Milliarden Dollar zunächst nicht zur Verfügung.

Wohin der Weg in Deutschland gehen soll, zeigt das Vorbild der Saudis, Katar. Das Emirat gehört bei Volkswagen und der Deutschen Bank zu den größten Investoren. In den nächsten fünf Jahren sollen etwa zehn Milliarden Dollar in deutsche Firmen gesteckt werden, vor allem in mittelständische Unternehmen.

Die deutsche Wirtschaft dürfte froh darüber sein, dass die angekündigte Einkaufstour noch keine Fahrt aufgenommen hat. Denn US-Unternehmen bekommen derzeit die Kehrseite von saudischen Investitionen zu spüren. Ein Beispiel ist Uber. Der Fahrdienst-Anbieter hat nach diversen Skandalen und einem Chefwechsel einen Kulturwandel angekündigt und sich dem Motto "Das Richtige machen" verschrieben. Nun bringt ein 3,5-Milliarden-Dollar Investor vermutlich einen Oppositionellen in einem ausländischen Konsulat um und lässt ihn mit Hilfe einer Knochensäge verschwinden.

Siemens bleibt den Saudis treu

Derweil dürfte sich Amazon-Gründer Jeff Bezos ungern an sein Treffen mit dem saudischen Kronprinzen erinnern, bei dem darüber gesprochen wurde, wie sich der US-Konzern an unter dem Begriff "Vision 2030" gebündelten Projekten bin Salmans beteiligen könne. Denn der verschwundene Journalist war Kolumnist der "Washington Post", die Bezos gehört.  

Die Sorge um das Firmen-Image hat dafür gesorgt, dass vor allem US-Konzerchefs ihre Beraterfunktionen bei "Neom" aufgekündigt oder ihre Teilnahme an der Wirtschaftskonferenz "Wüsten-Davos" Ende Oktober abgesagt habe. Das heißt nicht zwingend, dass sie die Zusammenarbeit mit den Saudis einstellen werden. Derzeit sieht es vielmehr so aus, als wollten sie in Deckung gehen und abwarten, bis die Empörungswelle verebbt ist.

Siemens hält der Herrscherfamilie dagegen auch öffentlich die Treue. Der Konzern bleibt Sponsor der Veranstaltung, und Konzernchef Joe Kaeser will weiterhin teilnehmen. Man kennt sich, schließlich ist Ex-Siemens-Chef Klaus Kleinfeld Berater des Kronprinzen und soll am Umbau der saudischen Wirtschaft mitwirken. Siemens ist das prominenteste deutsche Unternehmen, das in Saudi-Arabien aktiv ist. Insgesamt sind es etwa 800.

Manchen Firmen, die Geschäfte mit den Saudis machen, gelingt ein bemerkenswerter Spagat. So hat der Büroflächen-Vermieter WeWork rotes Fleisch von Firmen-Veranstaltungen verbannt, es darf auch nicht mehr über Spesen abgerechnet werden - aus Sorge um die Umwelt. Eine milliardenschwere Geldspritze des saudi-arabischen Herrscherhauses ist für das Startup dagegen völlig in Ordnung.

Quelle: n-tv.de

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