Wirtschaft

Rettung aus dem Morgenland Etihad fliegt mit Air Berlin

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Etihad greift mit Air Berlin Lufthansa an.

(Foto: picture alliance / dpa)

Etihad steigt bei Air Berlin ein. Die arabische Fluglinie beteiligt sich mit knapp 30 Prozent. Während Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft so aus den finanziellen Turbulenzen herausfliegt, greift Etihad mit dem Deal Platzhirsch Lufthansa an. Die Finanzaufsicht ist alarmiert.

Die arabische Fluggesellschaft Etihad kauft sich im großen Stil bei Air Berlin ein. Deutschlands zweitgrößte Airline erhält so eine dringend benötigte Geldspritze und Konzernchef Hartmut Mehdorn mehr Zeit für die Sanierung. Etihad wiederum schafft sich einen Brückenkopf in Europa. Ärgern dürfte das die Lufthansa : Einer ihrer größten Konkurrenten aus der Golf-Region macht sich nun in Deutschland breit.

Etihad werde ihre Aktienbeteiligung an Air Berlin für 73 Mio. Euro auf 29 Prozent aufstocken, teilten die beiden Gesellschaften mit. Air Berlin werde dazu neue Aktien ausgeben. Die Araber, die bereits 3 Prozent an Air Berlin halten, legen pro neuem Anteilsschein 2,31 Euro auf den Tisch. Dabei bleibt es aber nicht: Etihad räumt den Berlinern noch ein 200 Mio. Euro schweres Darlehen ein. Es sei nicht geplant, den Anteil an Air Berlin auszubauen, sagte Etihad-Chef James Hogan.

BaFin schaut genauer hin

Die Finanzaufsicht BaFin ist alarmiert: "Wir schauen uns das an", sagte eine Sprecherin der Bonner Behörde. Für eine formelle Prüfung sei es zu früh. Insidern zufolge geht es unter anderem um die Frage, ob die Araber mit einem Dementi vor zwei Wochen die Kapitalmärkte in die Irre geführt haben könnten. Ein Etihad-Sprecher hatte damals einen Medienbericht über einen kurz bevorstehenden Einstieg mit folgender Email kommentiert: "Der ganze Bericht ist fehlerhaft."

Das "manager magazin" hatte damals unter Berufung auf Branchenkreise gemeldet, dass Air Berlin innerhalb weniger Tage den Einstieg der staatlichen Fluglinie verkünden werde.

Von Berlin zum Drehkreuz Abu Dhabi

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Air-Berlin-Chef Mehdorn verordnet der Fluggesellschaft einen harten Sparkurs.

(Foto: picture alliance / dpa)

"Die strategische Partnerschaft mit Etihad Airways eröffnet einzigartige Möglichkeiten für die Zukunft unseres Unternehmens", sagte Air-Berlin-Chef Mehdorn. Als erstes werde Air Berlin ab Januar von der deutschen Hauptstadt das Golf-Emirat Abu Dhabi anfliegen, aus dem Etihad kommt. Von dort hätten Reisende viele Möglichkeiten, nach Asien oder Australien zu kommen.

Zudem sei geplant, die Vielfliegerprogramme zu koordinieren und gemeinsam Flüge anzubieten. Das neue Streckennetz der beiden Airlines umfasse 240 Städte in 77 Ländern. Air Berlin erhofft sich durch die Zusammenarbeit im kommenden Jahr Einsparungen von 35 Mio. bis 40 Mio. Euro.

Hohe Schulden, keine Gewinne

Air Berlin war schon länger auf Partnersuche und braucht das Geld. Unter Leitung von Gründer Joachim Hunold war die Airline rapide gewachsen und hatte Konkurrenten wie DBA, LTU und Niki geschluckt. Das machte sich in der Bilanz bemerkbar: Die Einkaufstour hinterließ Schulden von 600 Mio. Euro. In den vergangenen drei Jahren wurde kein einziger Überschuss eingefahren. Vor vier Monaten übernahm der frühere Bahn-Chef Mehdorn das Ruder und schlug einen Schrumpfkurs ein, um in die schwarzen Zahlen zu kommen.     

An der Börse hob die Air-Berlin-Aktie ab und war mit einem Plus von mehr als 8 Prozent auf 2,49 Euro mit Abstand größter Gewinner im Kleinwerteindex SDax. Der Zeitpunkt und der niedrige Preis der Aktien aus der Kapitalerhöhung seien zwar als Zeichen der Schwäche von Air Berlin zu werten, das Unternehmen sei aber nun auf der sicheren Seite, urteilte DZ-Bank-Analyst Robert Czerwensky in einem Kurzkommentar. "Etihad ist ein starker Ankerinvestor." Für Etihad, die derzeit Partnerschaften mit 34 Fluggesellschaften hat, ist es die erste Beteiligung an einer anderen Airline.

Golf-Airlines greifen an

Wenig Freude an dem Deal dürfte die Lufthansa haben. Die  schnell wachsenden Konkurrenten aus dem Nahen Osten wie Emirates, Qatar Airways oder Etihad jagen der Kranich-Linie und ihren europäischen Rivalen Air France und British Airways bereits kräftig Kunden ab. Lufthansa-Chef Christoph Franz beklagt unablässig die starke Rolle der staatlichen Besitzer - der teilweise ölreichen Golfstaaten - die voll hinter dem Expansionskurs ihrer Gesellschaften stünden. Damit hätten die Fluglinien einen unfairen Vorteil gegenüber ihren europäischen Konkurrenten. Die Airlines weisen das zurück.

Die Golf-Fluglinien genießen aber andere Vorteile, von denen die Lufthansa nur träumen kann. An den Riesen-Flughäfen von Dubai, Abu Dhabi oder Doha gibt es kein Nachtflugverbot, und die Flugzeuge werden meist von Arbeitern aus Asien gewartet, die wesentlich weniger verdienen als ihre europäischen Kollegen. Das hält die Kosten niedrig.  

Auf zu "Oneworld"

Air Berlin könnte bald noch mehr Aufwind bekommen. Bis zum Frühjahr will die Gesellschaft Mitglied der Luftfahrt-Allianz Oneworld um British Airways werden, die mit der Staralliance um Lufthansa rivalisiert.

Erst vor zwei Wochen hatte Etihad Berichte über einen Einstieg bei Air Berlin zurückgewiesen. Die Air-Berlin-Aktie befindet sich bislang überwiegend im Streubesitz. Zu den größten Aktionären gehören die ESAS Holding, die im Besitz der türkischen Industriellen-Familie Sabanci ist, mit gut 16 Prozent und der Investor Hans-Joachim Knieps mit mehr als 7 Prozent.

Quelle: ntv.de, bad/rts

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