Wirtschaft

Nach gelöster Suezkanal-Blockade Europas Häfen rechnen mit Schiff-Ansturm

Fast 370 Schiffe müssen warten, während die "Ever Given" tagelang den Suezkanal blockiert. Auf die Zielhäfen kommt nun eine gewaltige Aufgabe zu: Sie müssen den Ansturm bewältigen. In Hamburg und Rotterdam erwartet man Staus von Containerschiffen.

Nach der Auflösung der Blockade im Suezkanal stellen sich Europas Häfen auf einen Stau von Containerschiffen ein. Die Kapazität in Rotterdam, Europas größtem Hafen, werde unter Druck kommen, sagte der Sprecher des Hafens, Leon Willems, in Rotterdam. Man könne die Infrastruktur nicht beliebig erweitern. "Wir müssen mit dem auskommen, was wir haben an Kais, Kränen und Terminals." Auch die Hamburger Hafen-Behörde (HPA) bereitet sich auf die maximale Auslastung an den Kaikanten vor.

Etwa 60 Schiffe, die bisher wegen der Havarie der "Ever Given" im Suezkanal festlagen, seien nun unterwegs nach Rotterdam, sagte der Sprecher. Zusätzlich laufe der normale Verkehr weiter. An durchschnittlichen Tagen laufen den Angaben zufolge etwa 80 Seeschiffe den Hafen von Rotterdam an. Willems machte keine Angaben zum Zeitpunkt des erwarteten Ansturms.

Der Hafensprecher verglich die Lage mit einem Stau auf einer französischen Autobahn. "Wenn der aufgelöst ist, dann rollt der Verkehr wieder. Aber bei den Maut-Stationen sitzt wieder alles fest." Ein Unsicherheitsfaktor sei, in welcher Zeit die Schiffe ent- und wieder beladen werden können. Der Hafen sei nun im Gespräch mit Unternehmen der gesamten Logistikkette, um einen möglichst schnellen und reibungslosen Ablauf zu ermöglichen. Jeder wurde aufgerufen, für maximale Lagerkapazität zu sorgen. Willems sprach von einer schwierigen Aufgabe.

Eine ähnliche Erwartungshaltung gibt es auch in Deutschland. "Nach der Wiederaufnahme des Verkehrs im Suezkanal ist zeitlich versetzt von einer Peak bei Anläufen von Großcontainerschiffen auszugehen", sagte ein Sprecher der Hamburger Hafen-Behörde. Um neuerliche Staus - diesmal in Hamburg - zu vermeiden, werde die Nautische Zentrale als Verkehrsleitstelle die Schiffe so disponieren, dass sich eine möglichst hohe Auslastung der Kaibetriebe ergebe.

Erste Schiffe durchqueren Suezkanal wieder

Üblicherweise dauert die Fahrt vom Suezkanal bis in die Hansestadt nach Einschätzung des Verbands Deutscher Reeder zehn Tage. Der HPA-Sprecher sagte, der Zu- und Ablauf der Seeschiffe in Hamburg regele sich nach der Verfügbarkeit von Liegeplätzen zum Ent- und Beladen. Seien Wartezeiten absehbar, würden die Schiffe rechtzeitig informiert.

Die Bürger selbst werden den Angaben zufolge von dem erhöhten Schiffsaufkommen kaum etwas mitbekommen, da wie sonst auch nur genauso viele Seeschiffe in die Elbe einfahren und in den Hafen einlaufen dürfen, wie Liegeplätze vorhanden sind. Alle anderen müssten vor der Elbmündung in der Deutschen Bucht warten.

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Mindestens genauso wichtig wie die Kaikanten selbst sind die Transportwege ins Hinterland per Lastwagen, vor allem aber durch die Hafenbahn als Bindeglied zwischen den Umschlagterminals und dem europäischen Schienennetz. Die HPA sieht sich dabei gut gerüstet. "Alle Strecken und Gleise stehen zur Verfügung. Beim Ablauf der Güter über die Schiene sehen wir keine Probleme", sagte der Sprecher. Nach HPA-Angaben sind im vergangenen Jahr rund 2,6 Millionen Standardcontainer (TEU) per Bahn transportiert worden. Insgesamt seien auf der Schiene 46,6 Millionen Tonnen Waren bewegt worden.

Wegen der tagelangen Blockade des Suezkanals durch die 400 Meter lange "Ever Given" haben sich nach Angaben der ägyptischen Kanalbehörde an beiden Kanalenden fast 370 Schiffe aufgestaut. Bis Dienstagvormittag verließen bereits erste Schiffe den Kanal, Dutzende durchquerten ihn, wie der Schifffahrtsdienstleister Leth Agencies und das Seefahrt- und Logistikunternehmen GAC mitteilten.

Quelle: ntv.de, ses/dpa

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